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Gottfried Benns Anmerkungen zum Krisenjahr 1933

Gottfried Benn, Sammlung von 8 Briefen, 1933

Als Besonderheit des Angebotes mit 240 Losen der Abteilung Autographen ist anzumerken, dass diesmal sehr viele Persönlichkeiten nicht mit einzelnen Briefen, sondern mit Gruppen oder ganzen Konvoluten von Schriftstücken vertreten sind. So zeigt sich gleich zu Beginn des Kapitels „Literatur“ der große Lyriker Gottfried Benn mit 8 inhaltsreichen handschriftlichen Briefen aus dem Krisenjahr 1933, die auch zwei längere Gedichte enthalten (15.000 €). Als eine große Seltenheit folgt ein eigenhändiger Brief des expessionistischen Dramatikers Alfred Brust, der 1922 aus dem fernen Ostpreußen seine Freude über Aufführungen seiner Dramen im Reich bezeigt (450 €). 6 inhaltsreiche Briefe von Ingeborg Drewitz über ihr literarisches Schaffen sind mit 600 Euro geschätzt. Ein aus Goethes Familie stammendes, kunstvoll aus Haaren gefertigtes Ohrgehänge ist mit 1200 € bewertet. Weitere ungewöhnliche Stücke sind ein von Ernest Hemingway ausgefülltes Scheck-Formular und ein Liebesbrief von Victors Hugos „Muse“ Juliette Drouet an den Dichter. An Gruppen von Schriftstücken sind interessante Briefe und Karten von Klabund an Fritz Engel, Theodor Loos und Kate Kühl sowie eine Sammlung von 40 Gedicht-Manuskripten des Lyrikers Wilhelm Lehmann (1800 €) hervorzuheben. Rainer Maria Rilke äußert sich über den 1916 an der Westfront gefallenen Dramatiker Reinhard Johannes Sorge, Joachim Ringelnatz meldet sich aus dem Münchener „Simpl“, Friedrich Rückert schreibt über den Versand von Manuskripten (1200 €), und der Maler Anton von Werner verteidigt ausführlich seinen verstorbenen Freund Victor von Scheffel gegen die Legende, dass dieser „ein fideler Saufaus und Bruder Liederlich“ gewesen sei. Friedrich Schiller ist mit einem eigenhändigen Brief-Zusatz vertreten, auf dessen Rückseite sein Sohn Carl die Echtheit bestätigt hat (8000 €). Schillers Witwe Charlotte schreibt an ein Fräulein über „geliebte Königliche Hoheiten“ (1500 €). Andere wichtige Autoren mit z. T. inhaltsreichen Briefen oder Karten sind Hugo von Hofmannsthal, Ernst Jünger, Gottfried Keller, Thomas und Klaus Mann, August Strindberg und Emile Zola. Den Abschluß des Kapitels „Literatur“ bildet das stark korrigierte Typoskript einer Erzählung von Arnold Zweig (2000 €).

Im Kapitel „Wissenschaft und Technik“ ist ein umfängliches eigenhändiges Manuskript des Physiologen Emil Du Bois- Reymond über die geplante Einrichtung eines „physiologischen Labors“ an der Berliner Universität zu nennen (800 €). Albert Einstein schreibt 1931 aus Kalifornien über die zu fördernde „soziale Gesundung des Ostjudentums“ und eine „unvergessliche Aufführung“ der Habimah-Theatertruppe (11.000 €). Max von Laue und Lise Meitner sind mit Briefen und einem Porträt vertreten, und selbst der Leiter des Botanischen Gartens in Kiew berichtet 1888 aus Rangoon (Birma/ Myanmar) an einen deutschen Botaniker. Der Bakteriologe Louis Pasteur äußert sich 1890 zur Herstellung einer Bronze für eine Prinzessin von Oldenburg (1500 €). Bemerkenswert sind auch 4 Briefe aus den Anfängen von Siemens & Halske 1863 in Wien sowie ein eigenhändig ausgefüllter Scheck des amerikanischen Flugzeug-Konstrukteurs Orville Wright von 1919. Den preislichen Höhepunkt dieses Kapitels bildet ein Konvolut von mehr als 100 Schriftstücken der vom Grafen Zeppelin gegründeten „Gesellschaft zur Förderung der Luftschiffahrt“ aus den Jahren 1901-1905 (15.000 €).

Herausragende Namen im Kapitel „Geschichte“ sind Otto Fürst von Bismarck (1864 im preußischen „Verfassungskonflikt“), Bernhard Fürst von Bülow (über seine Modell- Sitzungen bei Max Liebermann), Georges Clémenceau (politisches Manuskript), die „graue Eminenz“ Fritz von Holstein (10 Seiten über seine politischen Ränke und Aktivitäten; 900 €), Kaiserin Maria Theresia (Adelsbrief mit großer Wappenmalerei), Napoleon Bonaparte (1812 an seinen Kriegsminister zu den Vorbereitungen für den Russland- Feldzug; 3500 €), Napoléon III. (signiertes Manuskript einer Rede), Kaiserin Soraya von Persien (15 Autographen, teils aus ihrer Schulzeit in der Schweiz; 1200 €) und Kaiser Wilhelm I. (2 eigenhändige Briefe 1868).

Das Kapitel „Bildende Kunst“ nimmt diesmal den breitesten Raum in der Autographen-Abteilung ein. Außer diversen inhaltsreichen Konvoluten von namhaften Künstlern des 19. und 20. Jahrhunderts sind von einzelnen Persönlichkeiten hervorzuheben: Lionel Feininger (Brief Dessau 1931; 1500 €), Marc Chagall, Otto Dix (11 umfangreiche eigenhändige Briefe und 1 Postkarte sowie eine Orig-Zeichnung, meist direkt von der vordersten Front im Unterstand oder Schützengraben im Stellungskrieg 1915-1918; 8000 €), Thomas Theodor Heine („ich bin nicht sehr humoristisch veranlagt“), Bernhard Hoetger (1924 aus Worpswede), Wassily Kandinsky (1943 aus Neuilly-sur-Seine; 4000 €), Franz Marc (Gemeinschafts-Postkarte mit Bernhard Koehler und Helmuth Macke), Gabriele Münter, Richard Neutra, Hans Purrmann (9 Briefe; 1400 €), Emy Roeder, der Photograph August Sander (1930, mit Beigabe Albert Renger-Patzsch), Karl Friedrich Schinkel (1832 über die geplante Heizung in der Bauakademie), Henri de Toulouse-Lautrec (längerer Brief an seine Mutter; 2400 €) Anton von Werner (10 Autographen; 1200 €) und Heinrich Zille mit seltenen Weltkriegs- Postkarten. Besonders attraktiv ist das großformatige Gästebuch eines kunstliebenden Berliner Verlegers aus dem Zeitraum 1941-1960, das mehr als 230 Original-Zeichnungen und –Graphiken in vielen Techniken von Berliner Künstlern und anderen Gästen enthält (4500 €).

Das Kapitel „Musik, Theater und Tanz“ bringt Briefe und Musikmanuskripte von Béla Bartók (1931 an den Verlag Schott’s Söhne), Hector Berlioz (1856), der Schauspielerin Tilla Durieux (4 Manuskripte und 1 Typoskript; 4500 €; bzw. ein Konvolut von 11 Briefen und 8 Karten über ihre Begegnungen mit Barlach, Slevogt, Liebermann und Renoir; 2500 €), Antonin Dvořak (musikal. Albumblatt; 6000 €), Conradin Kreutzer (2 Briefe), Otto Reutter (Konvolut Briefe und Postkarten), Gioacchino Rossini (gestoch. Doppelporträt mit Widmung; 4000 €), Richard Wagner (nur ausgeschnittene Signatur), Cosima Wagner (umfangreiche Briefe, Zürich 1867 und 1868) und Kurt Weill (umfangreicher Brief 1936 an seine Geliebte Erika Neher; 2500 €) und vieles andere.

Veranstaltungen zum Bericht:
121. Auktion: Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen

Quelle: © Galerie Bassenge Berlin

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