Daret, Pierre. Reiseklappaltar - Kupferstich-Triptychon mit Typographie in Rot und Schwarz. 3 große Tafeln mit zus. 10 kolorierten Kupferstichen und 3 einmontierten typographischen Textblättern in roter und schwarzer Antiqua. 43 x 19 cm (2) bzw. 43 x 22,2 cm. Einmontiert in Kalbsleder-Klappmappe (hier und da kleine Bereibungen, Abschabungen, Flecke, kaum Löchlein, minimal alt überarbeitet) mit goldgeprägten Bordüren und breiten Innenkanten-Dentelles. 45,5 x 71 cm. Paris, Pierre Daret, 1642. |
Losnummer: 2685
Buchdruckerisches ebenso wie graphisches Kuriosum von größter Seltenheit. Uns ist es nicht gelungen, ein weiteres Exemplar dieses Altars nachzuweisen (weder über den Worldcat, KVK, noch unter dem Kupferstecher). Pierre Daret de Cazeneuve (1604-1678) war ein "französischer Kupferstecher, Maler und Schriftsteller, geboren um 1604 in Paris, gestorben im Schloß La Luque bei Dax (Landes) am 29. 3. 1678, Akademiemitglied 1663. Daret gehört zu der unter Einfluß des Nanteuil arbeitenden Gruppe von französischen Stechern des 17. Jahrhunderts" (Thieme-Becker VIII, 400-401).
Das Triptychon ist in Form einer Tafel für einen Hauptaltar angelegt: zwei schmalere Tafeln flankieren eine breitere in der Mitte. Auf den Sockeln unter den Großfiguren des Moses und des Heiligen Nikolaus erscheint eine Signaturinschrift: "Petrus Daret excudit Parisiis ... Privilegio Regis anno 1642". Auf den Seitentafeln ist jeweils oben und unten eine biblische Szene des Heilsgeschehens gezeigt, die sich durch zwei große Darstellungen auf der Mitteltafel zu einer Erzählung zusammensetzen und sich so um die drei typographischen Textblöcke gruppieren. Sie geben wichtige Teile der Heiligen Messe wieder, die sich auf die Abhaltung der Eucharistiefeier beziehen: "Gloria in excelsis Deo. Et in terra pax hominibus bonae voluntatis. Laudamus te ..." - "Offrens hostiam dicit Sacerdos" (links).
Rechts Texte mit den Überschriften "Offerens Calicem dicit. Offerimus tibi Dominie, Calicem salutatis ..." und "Ante sumptionem Sacramenti inclinans dicit" sowie "Ante benedictionem inclinatus dicit". In der Mitteltafel dann der gemeinsam zu sprechende Text: "Accipiendo in manivbus hostiam dicat ... hoc est enim corpus meum ... Hic est enim Calix Sanguinis mei, novi & aeteri testamenti, mysterium fidei: qui pro vobis / pro multis effunderetur in remissionem peccatorum". Zusammenmonitert zu einem Klappaltar dienten die Tafeln einem herumreisenden Priester zur Seelsorge. Mit einer Kerze, einem Kelch und einigen Hostien im Gepäck konnte ein Geistlicher auf Reisen zu Lande oder zur See so den Segen der Eucharistie spenden.
Die Szenen des Heilsgeschehens zeigen links unten die Geburt Christi, Moses mit den Gesetzestafeln, oben die Auferstehung aus dem Grabe als Christus triumphans, rechts unten die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor, oben das Auffahren in den Himmel. Auf der Mitteltafel sehen wir unten das letzte Abendmahl, darüber die Verkündigung und oben die Kreuzigung Christi. – In sorgsamen zeitgenössischem Kolorit mit leuchtenden Farben Rot, Blau, Grün, deckendem Weiß, die Texte und Tafeln sind mit hübschen blau-weißen Rahmenbordüren umfangen. Vereinzelte Farbabplatzungen und kleine Kratzer, selten Beschabungen in der Oberfläche oder Fleckchen. Kleine Läsuren in den Texttafeln, insgesamt aber in bemerkenswert gutem Erhaltungszustand. Die ledernen Innenkanten und Innengelenke sind in leuchtendem Dentelle-Gold geprägt (wenige Beriebstellen), prächtig schimmernd und leuchtend. – Beigegeben: Desbruslin. 2 Tafeln eines Reiseklappaltars. 2 kolorierte Kupferstiche mit montierter kolorierter Typographie. 39 x 23,5 bzw. 21 cm. Einmontiert in Kalbsleder-Klappmappe (bestoßen, berieben und fleckig) mit goldgeprägten Fileten. (Frankreich um 1740).
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