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Städtische Galerie Wolfsburg zeigt: Garry Winogrand mit Mitch Epstein, Lee Friedlander, Joel Meyerowitz und Henry Wessel

Garry Winogrand in Wolfsburg

16. April bis 17. Juli 2005
"Amerikanische Street Photography"

Publikumsführung am 21. Juni um 18 Uhr

Garry Winogrand - Street Photography

„Ich mache Fotografien, um herauszufinden, wie etwas aussehen wird, wenn man es fotografiert hat“, erklärte Garry Winogrand (1928 – 1984), dessen Fotografien von der Straße den amerikanischen „Way of Life“ der 1960er und 1970er Jahre dokumentieren.

Ausgerüstet mit einer 35mm Kamera, die es ihm erlaubte, schnell und diskret Aufnahmen zu machen, zog er durch die quirligen Straßen von New York und fotografierte die Menschen, die ihm begegneten. Er zählt zu den führenden Vertretern der amerikanischen „Street Photography“, die ungeschönt den menschlichen Alltag im urbanen Raum erkundet.


Neben Winogrands Hauptwerken zeigt die Ausstellung auch Werke von Lee Friedlander, Mitch Epstein, Joel Meyerowitz und Henry Wessel. Die ihnen gemeinsame Abneigung gegenüber Traditionen und Konventionen führte die Straßenfotografen zu einer neuen Sicht auf die chaotischen Straßen der Großstadt. New York City war ihr natürliches Biotop, der Ort, an dem sie moderne amerikanische Kultur festhalten konnten. Widerspenstig, radikal, konfrontationsfreudig und innovativ. So radikal wie Winogrand ist allerdings keiner der hier gezeigten amerikanischen Straßenfotografen.

„Winogrand war besessen. Buchstäblich tauchte er in die Menge der Passanten ein, um den Menschen bisweilen schon schamlos nahe zu sein. Dabei war es ihm gerade nicht darum zu tun, dem Alltag die Ordnung einer harmonischen Komposition überzustülpen; im Gegenteil. Er offenbarte Tempo und Chaos als Grundlage des Lebens. Die nervöse Stimmung der Zeit kam ihm dabei zupass: Umwälzungen wie die Frauenbewegung, Friedensbewegung und Bürgerrechtsbewegung offenbarten sich nicht allein in Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizei, sondern schlugen sich ebenso in Kleidung und Gesten nieder.

Der Wille zur Selbstdarstellung vieler Menschen machte sie regelrecht zu Verbündeten des Fotografen. Dennoch herrscht stets eine seltsame Distanz in den Fotos, nicht zuletzt durch den oft gekippten Horizont, der dem Betrachter buchstäblich den Boden unter den Füßen fortreißt. Es ist als könne Winogrand nicht teilhaben am Alltag. Nicht einmal die Aufnahmen seines bekanntesten Buchs „Women are Beautiful“, zelebrieren deshalb das Leben – vielmehr ist ihnen ein seltsames Moment der Melancholie eigen, in dem man rückblickend Winogrands familiäre Lebenskrisen zu erkennen meint.“ (Freddy Langer in: FAZ, 24. Februar 2005)

An der Seite von Garry Winogrand entdeckte Joel Meyerowitz (geb.1938), der zunächst in einer New Yorker Werbeagentur arbeitete, ab 1962 die ungeheure Faszination urbanen Lebens für die Fotografie. Sein bevorzugtes Terrain ist dabei die 5th Avenue und deren spezielle Lichtverhältnisse. Die darin eingetauchten Passanten sind keine Flaneure. Zielgerichtet durch die Großstadt eilend, scheinen sie vielmehr an mehreren Schauplätzen gleichzeitig zu agieren. Mit derselben nervösen Energie hält Meyerowitz komplexe Szenen fest und komprimiert sie durch exakten Einsatz von Perspektive, Farbe und Lichttemperatur. Das Wort der Stunde ist „tough“. Und so treten die Fotografen dem Schauspiel entgegen, das ihnen auf den Straßen geboten wird.

Meyerowitz wendet sich bereits in den sechziger Jahren der Farbfotografie zu und wird einer ihrer bedeutendsten Vertreter. Seine Werke werden verglichen mit denen Matisses und Hoppers und stärken die Anerkennung der Farbfotografie in der Kunst. Hergestellt mit dem aufwändigen, heute seltengewordenen Dye Transfer Verfahren, bei dem mehrere Farbschichten einzeln aufgetragen werden, bleiben die Originalabzüge besonders haltbar und farbecht. Heute widmet sich Joel Meyerowitz unter anderem dem Bildarchiv des World Trade Center.

Einer der engsten Freunde Winogrands war Lee Friedlander (geb. 1934). Auch er hatte seinen Durchbruch in den frühen sechziger Jahren. Seine komplexen, vielschichtigen Bilder zeigen einen kritischen Ansatz und untergraben die zeitgenössischen visuellen Konventionen. Typisch für sein Werk ist seine Fähigkeit, Objekte und Menschen in verwirrenden, sogar surrealistischen Anordnungen zu zeigen. Noch stärker als Winogrand spielt Friedlander ein intellektuelles Spiel mit dem Betrachter. Ein Höhepunkt ist seine „Self Portrait“ Reihe, die 1970 entstand. Dieses Jahr wird Lee Friedlander mit dem renommierten Hasselblad Preis ausgezeichnet.

„Es ist vermutlich Eigeninteresse, das einen dazu bringt, auf sich selbst und die eigene Umgebung zu blicken. Dieses Bedürfnis ist persönlich veranlasst und mit Sicherheit Grund und Motiv meines Fotografierens. Die Kamera ist mehr als ein Teich, der einem sein Spiegelbild zurückwirft, und Fotografien sind durchaus nicht Spieglein, Spieglein an der Wand, das mit falscher Zunge spricht. Denn im Augenblick des Fotografierens, das sehr einfach und zugleich überaus komplex ist, wird Zeugnis abgelegt und fügen sich Puzzlestücke zusammen. Der geistige Finger drückt auf den Auslöser der unwissenden Maschine, die sodann die Zeit stoppt und festhält, was ihre Blendenlamellen umgreifen und was das Licht malen mag. Und zwar der Augenblick, in dem die Landschaft zum Betrachter spricht.“ (Lee Friedlander: Vorwort „Self Portraits“, 1970)

Henry Wessel (geb.1942) war ein weiterer Freund Winogrands. 1973 hatte er seine erste Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York. Seine Bildsprache ist etwas glatter als die Winogrands. Während sich Winogrand und Friedlander in ihren Aufnahmen auf die Menschen und ihre Beziehungen konzentrieren, sind Wessels Sujets oftmals die typische amerikanische Situation selbst.

Mitch Epstein (geb.1952) steht für eine etwas spätere Generation amerikanischer Straßenfotografen. In den siebziger Jahren nahm er Unterricht bei Winogrand, der zu einem großen Vorbild für sein Werk wurde. Nach einer langen Reise durch die Vereinigten Staaten kehrte er 1974 an die Ostküste zurück. Die Ausstellung zeigt Farbabzüge aus Epsteins frühen Jahren.

Wir danken den Leihgebern und der Galerie Thomas Zander für die Unterstützung der Ausstellung.

Künstlerbiographie(n) und Kunstwerke:
Garry Winogrand

www.staedtische-galerie-wolfsburg.de

Quelle: © Galerie Thomas Zander - Köln

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