Losnummer: 1138
Ungewöhnlich bei diesem großformatigen und für Joseph Rebell charakteristischen Gemälde ist die fehlende Signatur. Ob eine Signatur im Zuge der Doublierung abhandengekommen ist, aus einem anderen Grund entfernt worden ist oder nie existiert hat, ist nicht bekannt; gleichwohl handelt es sich um ein eigenhändiges Werk Joseph Rebells, wie Sabine Grabner bestätigt hat. Das Gemälde ist 1982 auf einer Auktion in Irland erworben worden und befindet sich seitdem in englischem Privatbesitz. Im Auktionskatalog wurde es seinerzeit als Werk von Joseph Rebell aufgenommen und versteigert, eine Signatur wurde dort jedoch auch nicht erwähnt.
Dargestellt ist ein Ausblick auf den Golf von Sorrent mit der sognannten Casa di Tasso, dem Geburtshaus des Dichters Torquato Tasso, auf der rechten Bildseite. Dieses Gebäude war ein bei Italienreisenden, vor allem deutschen Romantikern, höchst beliebter Ort und ein oft dargestelltes Bildmotiv. Goethe hatte mit seinem Drama um den Renaissance-Dichter und dessen Emanzipation vom Hofpoeten zum freien Künstler 1790 ein Werk geschaffen, das ein gewandeltes Künstlerselbstverständnis inszenierte.
Mit dem Motiv von Tassos Geburtshaus in Sorrent ließ sich die Darstellung einer eindrucksvollen Landschaftskulisse, der waghalsig bebauten Steilküste, mit der Reminiszenz an das Schicksal des in allerlei Händel verstrickten und zeitweilig in Hospitälern internierten Renaissance-Dichters verbinden. Nach den Legenden, die sich um den Hofpoeten der Este in Ferrara ranken, wurde der Dichter, zu Verfolgungswahn neigend, scheinbar zum Spielball aristokratischer Intrigen und kehrte nach seiner Flucht vom Hof 1577 an seinen Geburtsort und das seinem Geburtshaus benachbarte Haus seiner Schwester Cornelia zurück.
Dieses Schicksal scheinen die auf der Terrasse des Hauses vergnügt Tanzenden nicht zu kennen.
Das Haus Tassos haben neben Rebell auch der der russische Maler Sylvester Shchedrin gemalt, die Deutschen Eduard Wilhelm Pose oder Carl Ludwig Frommel sowie die Italiener Giacinto Gigante und Guglielmo Giusti gemalt.
Wir danken Dr. Sabine Grabner, Wien, für die Bestätigung dieses bislang unbekannten Gemäldes als einem eigenhändigen Werk von Josef Rebell anhand einer hochauflösenden Photographie.
Provenienz
Auktion Glyde Court, Tallanstown, Irland, 15./16.9.1982, Lot 337.- Dort erworben und seitdem in englischer Privatsammlung.
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