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Exquisite Silberarbeiten und seltene Objekte aus Gotik und Renaissance begeisterten die Bieter bei Lempertz. Die Auktionen „Silber, Kunstkammer, Möbel“ sowie „Keramik & Porzellan aus europäischen Sammlungen“ sahen hohe Steigerungen.
Das traditionell starke Angebot an Silberarbeiten eröffnete den Auktionstag für das Kunstgewerbe. Spitzenlose des frühen Silbers und die bedeutenden Sammlungen der Moderne entfachten internationale Nachfrage – fast alle Lose dieses Bereichs wurden zugeschlagen.
Beim Renaissance-Silber erweckte ein seltener Akeleipokal mit Muscheldekor besonderes Interesse. Mit 32.000 Euro erzielte er ein Ergebnis deutlich über der Taxe. Für ein Mehrfaches der Erwartung wurde eine Hostiendose der Freiberger Petrikirche vermittelt: 10.000 Euro war das fein gravierte und mit Darstellungen der Evangelisten und ihren Attributen dekorierte Stück aus dem 17. Jahrhundert dem erfolgreichen Bieter wert. Über der Erwartung lag auch der Preis des bedeutenden Doppelmaserpokales aus der Sammlung Walter von Pannwitz, der 32.700 Euro erzielte.
Im modernen Silber waren auch in dieser Auktion Arbeiten von Emil Lettré stark gefragt. Im Berlin des 20. Jahrhunderts durften seine Designs in kaum einem kultivierten Haushalt fehlen. Die Ergebnisse in der aktuellen Auktion beweisen, wie geschätzt und gesucht seine Arbeiten auch heute sind. Sieben Arbeiten des Silberschmieds waren im Katalog, jedes davon überstieg die Erwartungen an den Preis. So wurde sein „Besteck No. 6300“ mit einem Ergebnis von 6300 Euro, dem Doppelten der Taxe, weitergereicht.
Ebenfalls im Berlin in den 1920er und 1930er Jahren sehr gefragt waren die Arbeiten von Emmy Roth, die sich durch ihre reduzierte und harmonische Formensprache auszeichnen. Gegenwärtig zeigt das Jüdische Museum in Berlin ihre Arbeit in einer großen Ausstellung. In der Auktion in Köln wurde ihr Kaffeeservice auf einem ovalen Tablett für ein Mehrfaches der Schätzpreise verkauft: Mit einem Ergebnis von rund 38.000 Euro sicherte es sich ein niederländisches Museum. Die anhaltende Nachfrage nach Designs jener Zeit spiegelt sich auch in dem Ergebnis für ein mit 164 Teilen sehr umfangreichen Besteck „Cannes“ des französischen Hauses Puiforcat. Das Set aus einer rheinischen Privatsammlung erzielte rund 58.000 Euro.
Auch der Blick nach England lohnte sich in der Auktion: Mit zahlreichen Arbeiten der bedeutenden Seawolf-Collection kam der erste Teil dieser Sammlung zum Aufruf, der zweite folgt in der kommenden Frühjahrsauktion. Bereits an neue Sammler wurde am 21.November unter anderem eine originelle Zuckerschale mit Schaufel, die statt der geschätzten 3000 Euro ein Ergebnis von 17.600 Euro erzielte. Deutlich über die Taxe hinaus ging es auch für die Arts and Crafts Tischuhr „Magnus“ von Archibald Knox, die das Ergebnis von 22.600 Euro erzielte.
Einen Höhepunkt erzielte die Auktion mit dem Ergebnis von 88.200 Euro für die Tapisserie "forêt sauvage à feuilles de choux", die den Ateliers in Aubusson zugeschrieben ist. Die Grenze zwischen Realität und Fantasie scheint zu verschwimmen, geht man mit dem Blick auf die Reise durch die komplexen und vielfältigen Darstellungen auf der Verdure, die offensichtlich auch die Bieter fasziniert hat.
Für eine turbulente Steigerungen sorgte auch eine 1584 datierte Tischuhr aus dem ehemaligen Besitz des 1604 gestorbenen königlichen Schatzmeisters Jacek Młodziejowski mit Allegorien der Kardinaltugenden. Sie wurde auf ein Ergebnis von über 88.000 Euro gehoben.
Gut beboten waren auch Objekte aus der zeitlich entfernten, aber uns heute aber noch nahegehenden Epoche der Gotik. Ein bronzenes Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert wurde von der Taxe von 6000 Euro nach langem Bieterwettstreit auf das Ergebnis von 21.400 Euro gehoben. Ein Kerzenständer, ebenfalls Bronze, aus dem 13. Jahrhundert erreichte ein Ergebnis von 20.000 Euro.
Wie lebhaft auch das Interesse an hochwertigen Möbeln ist, belegt das Ergebnis für ein Paar toskanischer Konsoltische. Vergoldetes Holz wird kombiniert mit einer Platte mit Scagliola-Dekor über Stein- und Gipsgrund. Dem erfolgreichen Bieter war diese beeindruckende Arbeit 36.500 Euro wert.
Ein hochbedeutender Fayencekrug, vom Nürnberger Wolfgang Rössler bemalt und montiert, erreichte mit 27.700 Euro deutlich mehr als die Taxe. Dasselbe trifft auf eine Teekanne aus „Eisenporzellan“ zu. Die besondere Anmutung der Oberfläche gibt den seltenen, aus dieser besonderen Art des Böttgersteinzeugs gefertigten Stücken eine metallisch schimmernde Erscheinung. 18.900 Euro waren das Ergebnis für dieses rare Objekt. |