Losnummer: 30
Es ist Sonnenuntergang am Canal Grande und über dem Bacino di San Marco. Der Dogenpalast leuchtet im goldenen Licht Venedigs. In der Ferne erheben sich die Kuppeln der Santa Maria della Salute vor dem Hintergrund eines feurig rosa Himmels. Das vorliegende Gemälde ist die Quintessenz eines romantischen Venedigverständnisses, dessen Hauptmeister Friedrich Nerly war. Detailgenau wird Venedigs geschäftige Natur als Handels- und Märchenstadt erfasst. Schiffe liegen im Bacino vor Anker, Gondeln befördern Mitglieder der High Society über das spiegelglatte, im warmen Abendlicht silbrig glänzende Wasser. Malerisch brillant hat Nerly in dieser Vedute phantastische Lichteffekte umgesetzt.
Bei nur wenigen Künstlern nach Canaletto dürften venezianische Ansichten einen so breiten Raum im Œuvre eingenommen haben wie bei Friedrich Nerly. Die atmosphärische Wiedergabe eines pittoresken, idealisierten Venedigs ist seine Bestimmung. Geprägt von den romantischen Strömungen des 19. Jahrhunderts, orientierte sich der Erfurter an der Kunst Caspar David Friedrichs und William Turners. Letzterer arbeitete 1819-21 in Venedig und war für Nerly eine wichtige Inspirationsquelle. Nerly entwickelte sich zu einem der angesagtesten Vedutisten seiner Generation und machte sich auf dem internationalen Markt einen Namen als einer der bekanntesten deutschen Landschaftsmaler.
In die Lagunenstadt gelangte Nerly, der in Erfurt als Christian Friedrich Nehrlich geboren wurde, auf der Rückreise eines mehrjährigen Aufenthalts in Rom. Er war im Alter von 21 Jahren nach Rom gezogen und wollte 1835 eigentlich nach Deutschland zurückkehren. Nach einem längeren Aufenthalt in Mailand kam er schließlich 1837 nach Venedig und bliebt dort sein Leben lang. Durch die Heirat mit einer venezianischen Adeligen fand Nerly Zugang zur venezianischen Gesellschaft. Der Palazzo Pisani diente ihm als Wohnung und Atelier. Nerly hat die Lagunenstadt mit Ausnahme kurzer Reisen bis zu seinem Lebensende 1878 nicht mehr verlassen.
Zertifikat
Dr. Wolfram Morath-Vogel, Erfurt, Juni 2019.
Provenienz
Wohl Markwart oder Olga Schenk Graf von Stauffenberg. - Alexandra Olga Maria Staelin, geborene Schenk Gräfin von Stauffenberg (1922-2016), Stuttgart, seit 1960 verheiratet mit Rolf Paul Georg Georg Staelin (1913-1985). - In Erbfolge an deren Nachfahren.
 |