Losnummer: 2
Diese wirkungsvolle Komposition von Hans Hartung zeugt von dem lebenslangen Streben des Künstlers nach einem Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Spontaneität. Das Bild wird von einem kräftigen schwarzen Bereich dominiert, der die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht. Es wird auf der einen Seite von einem leuchtend gelben Feld und auf der anderen Seite von einem kleinen hellrosa Fragment flankiert – eine unerwartete und gleichzeitig bewusste Entscheidung, die die ansonsten strenge Farbpalette belebt. Innerhalb der dunklen zentralen Fläche erzeugen scharfe lineare Linien, die die Oberfläche durchziehen, ein Gefühl von Spannung und Rhythmus.
Die visuelle Dramatik und die kontrastreiche Farbpalette erinnern möglicherweise an die grafische Intensität von Roy Lichtensteins Brushstroke-Serie, obwohl Hartungs Ansatz in der europäischen Tradition der lyrischen Abstraktion, des Tachismus und des Art Informel verwurzelt bleibt. Seine Gesten sind keine ironischen Imitationen, sondern direkte, kontrollierte Ausdrucksformen, die sowohl aus emotionalen Impulsen als auch aus einem rationalen Streben nach ästhetischer Harmonie entstehen. Hartungs frühes Interesse an Mathematik und dem Goldenen Schnitt prägte seine gestalterischen Strategien bis weit in die 1970er Jahre hinein.
Hartungs Verbindungen zur Seconde École de Paris und seine Ausstellungskooperationen mit Künstlern wie Piet Mondrian und Alexander Calder unterstreichen ebenfalls die Dimension ihres Einflusses. In diesem Werk sind Anklänge an Mondrians strukturelle Klarheit und Calders dynamisches Gespür für Bewegung zu erkennen, dennoch ist es unverkennbar Hartung: gestisch, intensiv und vibrierend lebendig.
In diesem Jahrzehnt verwendete Hartung neue Materialien wie schnell trocknende Acryl- und Vinylfarben, die eine zügigere Ausführung und Schichtung ermöglichten. Er experimentierte auch mit Werkzeugen und Techniken wie Schaben, Sprühen und Grattage, um komplexe Texturen und dynamische Kontraste zu erzeugen. Diese technische Innovation stellt ihn nicht nur in einen Dialog mit der europäischen Avantgarde der Nachkriegszeit, sondern auch mit amerikanischen Malern der 1960er und 70er Jahre, die ihn als Vorläufer der Lyrical Abstraction in den Vereinigten Staaten bezeichnen.
Zertifikat
Die vorliegende Arbeit ist in der Fondation Hartung Bergman, Antibes, registriert und wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Fondation Hartung Bergman, Antibes, aufgenommen.
Provenienz
Galerie Heseler, München; Lempertz, Köln, 06.06.1997, Lot 656; Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Ausstellung
Zürich 1973 (Galerie Maeght), Hans Hartung, Peintures récentes
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