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Eine große Tapisserie lädt den Blick zu einer Wanderung durch eine Landschaft mit überraschender Tierwelt ein. Zusammen mit fantastischen Meisterwerken aus bedeutenden Sammlungen wird sie am 21. November in Köln versteigert.
Die Grenze zwischen Realität und Fantasie scheint zu verschwimmen, geht man mit dem Blick auf die Reise durch die komplexen und vielfältigen Darstellungen auf der Verdure "forêt sauvage à feuilles de choux". Die den Ateliers von Abusson zugeschriebene Tapisserie aus dem 16. Jahrhundert zeigt auf 312 mal 328 Zentimetern Fabelwesen in Gesellschaft mit realistischen Darstellungen einheimischer und exotischer Tiere, alle in einer wirklichkeitsnahen Landschaft. Solch ein monumentales Stück empfiehlt sich für besondere Sammlungen. So war diese große Wirkerei während des 19. und 20. Jahrhunderts lange im Besitz des flämischen Textilunternehmers Louis De Poortere. Nun kommt sie nach Köln und ist in der Auktion mit dem Schätzpreis von 70.000 bis 80.000 Euro eines der herausragenden Objekte.
Mit einem bedeutenden Doppelmaserpokal wird eine weitere Rarität des 16. Jahrhunderts aufgerufen. Diesen speziellen Trinkgefäßen wurde im 16. Jahrhundert die Fähigkeit zugeschrieben, eventuelle Gifte im Getränk neutralisieren zu können. Das um 1500 datierte und in Süddeutschland oder der Schweiz entstandene Stück befand sich ehemals in der bedeutenden Sammlung Walter von Pannwitz. Vor allem die Montierungen aus vergoldetem Kupfer sind Kunsthistorikern aufgefallen, allen voran der Griff in Gestalt eines gotischen Gebäudes. Dieses herausragende Objekt wird mit dem Schätzpreis von 25.000 bis 30.000 Euro aufgerufen.
Das traditionell stark besetzte Angebot an Silber steht ein großer Akeleipokal mit Muscheldekor aus einer französischen Sammlung nur als Beispiel für die hochwertigen Stücke in der Auktion. Auf dem aufgewölbten Deckel dieser Arbeit des Meisters Philipp Pepfenhauser steht die Göttin Fortuna und hält ein geblähtes Segel. Dieser zwischen 1618 und 1620 entstandene Pokal (H 41 cm, Gewicht 567 g) kommt mit dem Schätzpreis von 15.000 bis 20.000 Euro zum Aufruf.
Im modernen Silber stechen Objekte aus der bedeutenden Seawolf-Collection heraus, darunter Objekte wie die Zuckerschale mit Schaufel. 3000 bis 4000 Euro beträgt der Schätzpreis für diese Arbeit von Christopher Dresser von 1881 (H 12; B 16,5; T 9,5 cm, Gewicht 292 g). Umfangreicher ist ein komplettes Reiseservice, ebenfalls aus der Seawolf-Collection. Teekanne mit Basthenkel, Rechaud und Brenner, Teedose, Milchflasche, Zuckerdose, Gebäckschale und einem versilberten faltbaren Tablett sind ebenfalls von Christopher Dresser. Der Schätzpreis für das komplette Service beträgt 4000 bis 6000 Euro. Ein Kleinod der Arts and Crafts-Objekte aus der Seawolf-Collection ist eine mit Blumendekor in polychromem Email gestaltete Tischuhr, Archibald Knox (H mit aufgestelltem Henkel 15,5; B 8,8; T 6,5 cm, Schätzpreis 6000 - 8000 Euro).
Eine weitere Ikone des modernen Silbers stammt von Emmy Roth, deren Arbeiten in der vergangenen Auktion bei Lempertz stark nachgefragt waren und hoch gesteigert wurden. Am 21. November wird von ihr unter anderem ein aus Kaffeekanne, Zuckerschale, Milchkännchen und einem ovalen Tablett aufgerufen, dass sie in Berlin in den 1920er-Jahren schuf – Schätzpreis 12.000 bis 15.000 Euro.
Zu den bedeutenden Porzellanarbeiten der Auktion zählt eine bedeutende Flötenvase mit puderblauem Fond und Stadler-Chinoiserien, Meissen, um 1730 – 35. Sie setzt sich durch eine Besonderheit von der damals in Meissen üblichen Form ab: Ihr Dekor zeigt statt üppiger Blumenbouquets die für den hier verantwortlichen Dekorateur Johann Ehrenfried Stadler typische Fächerchinesen. Eine ähnliche Vase befindet sich im Rijksmuseum Amsterdam. Das Kölner Exemplar aus der Sammlung Rolf Strerath wird in Köln mit dem Schätzpreis 30.000 bis 40.000 Euro versteigert.
Aus derselben Sammlung stammt auch eine seltene Teekanne aus sogenanntem "Eisenporzellan", ein metallisch schillerndes Böttgersteinzeug. Objekte aus diesem ungewöhnlichen Material geben der Kunstgeschichte nach wie vor Rätsel auf: Niemand konnte seine Entstehung bisher genau analysieren. Dieses 12,3 Zentimeter hohe Exemplar einer Kanne aus dem geheimnisvollen Eisenporzellan wird mit dem Schätzpreis von 15.000 bis 25.000 Euro aufgerufen.
Ein aus der Literatur bekannter, hochbedeutender Birnkrug kommt aus einer Frankfurter Privatsammlung in die Auktion (Krug H ca. 17, mit Daumenrast H 21,2 cm, Schätzpreis € 15.000 – 25.000). Das im Kunsthandel Röbbig erworbene Stück zeigt eine umlaufende Wasserlandschaft mit drei Nymphen und zwei Faunen, bezeichnet mit dem Monogramm WR für Wolfgang Rössler. Der 1682 als Meister vereidigte Nürnberger Silberschmied beweist mit diesem Krug seine Kunstfertigkeit: Eine ebenfalls von ihm gemarkte preziöse Montierung aus vergoldetem Silber und eine allerfeinste Bemalung in Schwarzlot. |