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Oskar Schlemmer, Sechs-Köpfe-Fries, 1935

Oskar Schlemmer, Sechs-Köpfe-Fries, 1935

Öl auf Nessel auf Ensoplatte aufgezogen, rückseitig mit dem Papier von Zeitungen aus dem Jahr bespannt. 44,7/45 x 119/119,2 cm. Unter Glas gerahmt. Unbezeichnet. Rückseitig mit dem bedruckten Etikett des Nachlasses von Tut Schlemmer. - In sehr schöner Erhaltung.

Losnummer: 53


Der Nachlass Oskar Schlemmers

Nach einer gerichtlichen Einigung im langen Rechtsstreit um den Nachlass des Bauhaus-Meisters Oskar Schlemmer (1888-1943) kommen nun zentrale Werke des Künstlers bei Lempertz zur Auktion. Der im Dezember 2024 geschlossene, gerichtliche Vergleich regelt, wie zahlreiche Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen aus dem Bestand der Witwe Tut Schlemmers verteilt werden. Es ging am Ende der Verhandlungen nicht mehr nur um 65 Werke, die damals zu einem Teil im Depot der Stuttgarter Staatsgalerie verwahrt wurden, sondern um den gesamten Nachlass. Teil der Vereinbarung sind auch Schenkungen an ausgewählte Museen.

Im November 2024 hatte das Kunsthaus Lempertz als erstes Werk aus dem Nachlass schon die „Freiplastik G“, die wichtigste Plastik aus Schlemmers Bauhaus-Zeit, versteigert. Für die Auktion Ende Mai werden nun zunächst 21 Werke aus dem Schlemmer-Nachlass aufgerufen. Die beiden Toplose sind die großformatige „Komposition auf Rosa“ und der zum malerischen Spätwerk gehörende „Sechs-Köpfe-Fries“. Hinzu kommen überwiegend frühe Arbeiten auf Papier. Abgesehen von Aquarellen mit charakteristischen Köpfen und perspektivisch angelegten Tischgesellschaften, gehört auch eine Vorzeichnung zu dem vielleicht bekanntesten Werk Schlemmers, dem Gemälde „Bauhaustreppe“ von 1932 (Museum of Modern Art, New York), zum Schlemmer-Nachlass.

Das Kunsthaus Lempertz freut sich, diese Werke versteigern zu dürfen.

Mit dem „Sechs-Köpfe-Fries“ kommt das einzige reine Gemälde aus dem Schlemmer-Nachlass zum Aufruf. Das ursprünglich als Hochformat konzipierte Werk entstand 1930 im Zusammenhang mit Schlemmers wichtigstem Auftrag zur Ausmalung des Rundraums im Museum Folkwang in Essen, in dessen Zentrum das figürliche Brunnenmonument von George Minne (1905/1906) stand.
Oskar Schlemmer war 1930 ein angesehener und gefragter Künstler, als er vom damaligen, der Moderne höchst aufgeschlossenen Direktor des Essener Museums Ernst Gosebruch den Auftrag zur Ausschmückung des Essener Rundraums erhielt und sich damit gegen die Entwürfe von Willi Baumeister und Erich Heckel durchsetzte. In Orientierung an den sechs Knabenfiguren des Minne-Brunnens konzipierte Schlemmer neun hochformatige Einzeltafeln mit der Darstellung von farblich und formal reduzierten Jünglingsfiguren. Als Entwurf für eine dieser Tafeln setzte er die Knaben vor einen intensiv gelben Hintergrund. Da sich die Bedingungen des Essener Auftrags mehrfach änderten und Schlemmer immer wieder neue Entwürfe vorlegte, hatte das Gemälde „Die gelben Männer“ – so der Arbeitstitel – bald keine Funktion mehr.

Als Schlemmer sich nach längerer Schaffenspause um 1935 mit Gemälden wie „Drei in der Halle“ und „Unterhaltung“ beschäftigte, nahm er das schmale Hochformat „Die gelben Männer“ wieder zur Hand, drehte es zum Querformat und begann die ursprüngliche Darstellung mit einem Fries von sechs Mädchenköpfen komplett zu übermalen. Seine Bildsprache war nun malerischer geworden, so dass seine abwechselnd in Rückenansicht, im Profil und von vorn dargestellten Köpfe eine scheinbar schwebende, bewegte Girlande bilden. Wie es seinem Menschenbild entsprach, handelt es sich um formal reduzierte und von jeglicher Charakterisierung befreite Mädchenköpfe. In seinem Tagebuch schilderte Schlemmer am 15. Februar 1935 den Entstehungsprozess mit folgenden Worten: „Es waren unglaubliche Stadien des Übermalens, das Durchscheinen des intensiv gelb-orangen Grundes gegen neue Dunkelheiten. Selbst jetzt noch, nachdem fast alles zugedeckt ist, geistern die Spuren des darunter befindlichen. […] Es ist eine eigentümliche Stimmung im Bild […], eine mitternächtliche, fluktuierende, phosphoreszierende. Ein bewegtes Lebendiges.“ (zit. nach: Karin v. Maur, Oskar Schlemmer, München 1979, S. 110). Wie von Maur es treffend beschreibt, gewinnt das Gemälde durch die Übermalung eine völlig neue, gesteigerte Qualität, indem die Verschattung der Figuren und der Lichtstreif dem Fries eine hintergründige Tiefe verleihen.

Werkverzeichnis

v. Maur G 281

Provenienz

Nachlass Oskar Schlemmer; Kunstmuseum Stuttgart 1990-2008 (mit rückseitigem Etikett "Eigentum der Stadt Stuttgart, LG-150"); Privatsammlung

Literaturhinweise

Hans Hildebrandt, Oskar Schlemmer, München 1952 , WK NR. 251 ("Sechs Köpfe, vertikal gestreift"), o. Abb.; Karin v. Maur, Oskar Schlemmer. Monographie, München 1979, S. 270, mit Abb.

Ausstellung

Ascona 1987 (Museo comunale d'arte moderna), Oskar Schlemmer. Opere del 1908-1942/Werke von 1908-1942, Kat. Nr. 14 mit Abb.


Veranstaltungshinweise:

Am 30.05.2025 Auktion 1268: Evening Sale – Moderne und Zeitgenössische Kunst


Schätzpreis: 600.000 - 800.000  EURO

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