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Alte Meister im Wettstreit

Johannes Christianus Roedig, Blumenstillleben mit Steinskulptur, Katze und Maus - Früchtestillleben mit Tonvase, 1779

Jan Lievens und Rembrandt verband eine innige Freundschaft, ebenso aber auch eines der spektakulärsten Duelle der Kunstgeschichte. Einer von beiden blickt in der Auktion bei Lempertz auf sich selbst. Weitere Höhepunkte kommen von Meindert Hobbema, Jan van Os, Johannes Christianus Roedig, Jacob Jordaens, Joseph Stieler, Jacob Philipp Hackert.

Constantijn Huygens erkannte in ihnen die glanzvolle Zukunft der Holländischen Malerei. Jan Lievens und Rembrandt stammen beide aus Leiden, beide teilten sich lange Zeit ein Atelier. Mit ihrer Freundschaft gaben sie einem der spektakulärsten Wettkämpfe nicht nur der holländischen Kunstgeschichte bei aller künstlerischen Rivalität auch eine menschliche Note. Das Selbstportrait ist dabei die persönlichste Gattung, mit der dieses künstlerische Duell ausgetragen wurde ‒ beide beherrschten es meisterhaft. Wie nahe beieinander sie in ihrer malerischen Qualität sind, zeigt sich in den zahlreichen Wechseln der Zuschreibung zwischen ihnen. Auch das Selbstportrait im Spiegel (Lot 1029, Schätzpreis € 100.000 – 150.000) von Jan Lievens wurde nach seiner Wiederentdeckung zunächst an Rembrandt gegeben. Mit leicht geöffnetem Mund, als wolle er zu uns sprechen, schaut uns der Maler intensiv an. Hierin wie auch in der Kopfhaltung ähnelt die Darstellung den Selbstbildnissen Rembrandts zu jener Zeit. Nachdem beide zu Lebzeiten gleich hoch angesehen waren, herrschte lange das Interesse am großen Rivalen vor. Inzwischen rückt allerdings Jan Lievens wieder stärker in den Blickpunkt.

Mit Meindert Hobbema ist ein weiterer auf seinem Gebiet wegweisender Holländer in der Auktion. Seine Landschaften sind im Vergleich zu jenen seines Lehrers Jacob van Ruisdael heller und freundlicher: Zwischen Bäumen öffnet sich im Hintergrund der bewaldeten Flusslandschaft mit Figuren auf einem Weg eine sonnenbeschienene Wiese in friedvoller Nachmittagsstimmung (Los 1054, Schätzpreis € 150.000 - 200.000).

Jan van Os ist einer der großen Stilllebenmaler des 18. Jahrhunderts, dessen Werke ebenfalls eine positive Stimmung transportieren, typisch umgesetzt in dem üppigen Arrangement seiner Blumen und Früchte auf einem Steinsockel (Los 1064, Schätzpreis € 70.000 bis 90.000). Von Johannes Christianus Roedig kommt ein Paar prachtvoller Stillleben: Ein Blumenstillleben mit Steinskulptur, Katze und Maus zusammen mit einem Früchtestillleben mit Tonvase (Lot 1063, Schätzpreis € 800.000 – 900.000). Dieses Paar ist beieinander, seit sie an ihren ersten Besitzer in Den Haag gegeben wurden. Als Hauptwerke des an Europas Höfen geschätzten und gesammelten Künstlers waren die beiden farbprächtigen Werke in verschiedenen Museumsaustellungen zu sehen. Auch in der Auktion werden sie als Paar gemeinsam aufgerufen.

Von Jacob Jordaens kommt mit „Diana und Callisto“ (Lot 1028, Schätzpreis € 100.000 – 150.000) ein herausragendes Beispiel der Flämischen Malerei. 2013 war dieses späte Werk Teil der Ausstellung „Jordaens und die Antike“ in Brüssel und Kassel. Jordaens erzählt darin die antike römische Geschichte der Callisto, einer Nymphe aus dem Gefolge der Jagdgöttin Diana. Für die dramatische Geschichte der durch Jupiters Täuschung und Überfall unfreiwillig unkeuschen Nymphe greift Jordaens auf eine Lösung Tizians zurück, die ihm durch seinen Freund Rubens bekannt war.

Im 19. Jahrhundert erreichte die deutsche Literatur- und Philosophiegeschichte einen Höhepunkt, der sich auch in der Malerei niederschlug. Friedrich Wilhelm von Schelling ist einer der bedeutendsten Denker jener Zeit, sein Antlitz ist uns wesentlich durch ein Porträt von Joseph Stieler in der Münchener Pinakothek bekannt. Eine weitere Version davon befand sich bisher in Besitz der Nachfahren des Philosophen. Aus ihrem Besitz kommt das Portrait von Friedrich Wilhelm von Schelling (Lot 1107, Schätzwert € 30.000 – 40.000) in die Auktion.

Gleich mehrere Werke sind von Jacob Philipp Hackert in der Auktion. Die Fischer mit Boot am Strand (Lot 1102, Schätzpreis € 50.000 – 70.000) sind 1772 entstanden, als Hackert sich an der Küste südlich von Neapel aufhielt. Außerdem ist von ihm mit einem Blick auf das Sizilianische Aci Castello eine weitere Küstenansicht, ein Blick auf den Tiber und St. Peter vom Ponte Milvio sowie ein spontanes Porträt eines sitzenden Hundes in einer Landschaft im Aufruf, Schätzwerte zwischen 8.000 und 40.000 Euro.

Zum zweiten Teil der Auktion lohnt sich ein Blick auf den Nachmittag ab 14 Uhr. Hier kommt eine Brasilianische Landschaft (Lot 1267, Schätzpreis € 10.000 – 15.000) von Gillis van Scheyndel zum Aufruf, eine der vergleichsweise seltenen Ansichten einer südamerikanischen Landschaft, die es im Europa des 17. Jahrhunderts gab. Zudem bietet die Auktion Werke von Jan Miense Molenaer, Pieter Fransz. de Grebber und vielen anderen.

Auktion 1245 - Alte Kunst und 19. Jahrhundert am 16. Mai 2024
1. Teil ab 11 Uhr
2. Teil ab 14 Uhr

Vorbesichtigung: Köln 8. – 15. Mai
Vernissage: 7. Mai ab 18 Uhr

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1245: Alte Kunst und 19. Jahrhundert

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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