Losnummer: 1030
Zutiefst berührt tritt Magdalena aus der Dunkelheit einer Höhle heraus. Halbliegend lehnt sich die Eremitin leicht zu ihrer Rechten und stützt sich auf einen Stein, auf dem die Attribute ihrer Meditationsübungen präsentiert sind. Das Kruzifix hält sie nah an ihrem Gesicht und dem halbnackten Oberkörper, es beinahe umarmend, berührt dabei den darunter liegenden Totenschädel, vor dem sich Geißel und durchsichtiges Gefäß mit Salbe befinden. Die von links oben nach rechts unten verlaufende Diagonale des Körpers wird durch das blitzartige helle Licht und das den linken Oberschenkel berührende lange Kruzifix betont. Solche Elemente dienen dazu, die Komposition theatralisch zu gestalten, um dabei Magdalenas Anteilnahme und Betroffenheit gemäß den gegenreformatorischen Vorgaben ins Zentrum zu rücken. Caravaggios Lehre ist die dezidierte Referenz dieser von einem wirkungsvollen Helldunkel geprägten Komposition.
1997 identifizierte Gianni Papi einen sogenannten "Meister der Ungläubigkeit des Heiligen Thomas" und schrieb ihm eine Gruppe von caravaggesken Gemälden zu. Dank späterer Archivfunde von Francesca Curti konnte diese Figur mit dem aus der Kleinstadt Leonessa bei Rieti stammenden, ca. 1620-40 in Rom tätigen Maler Bartolomeo Mendozzi in Beziehung gesetzt werden. 2022 wurde das vorliegende Gemälde in Massimo Pulinis Monographie zu Mendozzi veröffentlicht, zusammen mit einer bereits bekannten Version aus dem Nationalmuseum in Stockholm.
Provenienz
Privatsammlung.
Literaturhinweise
Massimo Pulini: Bartolomeo Mendozzi da Leonessa. Un maestro del Seicento tra l’Incredulità, il caso Ducamps e i nuovi documenti, Rimini 2022, S. 96-97, Nr. 37.
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