Losnummer: 1543
Der Lithograph, Karikaturist, Bildhauer und Maler Honoré Daumier ist zu den bedeutendsten französischen Künstler des 19. Jahrhunderts zu zählen. Besonders durch seine zahllosen in der Publizistik seiner Zeit erschienenen Lithographien und sozialkritischen Karikaturen, in denen er das gesellschaftliche und politische Leben seiner Zeit begleitete, erlangte er große Popularität. Seine Gemälde hingegen - oftmals zunächst nur für ihn selbst gemalt - zeigen zugleich die Originalität seiner Malweise und eines künstlerischen Anliegens, das wie losgelöst erscheint vom Zusammenhang mit der Kunst seiner Zeitgenossen und der eigenen Praxis als Pressezeichner. So ist es bezeichnend, dass zu seinen Bewunderern Künstler wie Gustave Courbet, Edgar Degas und Paul Cézanne, später aber auch Pablo Picasso zählen.Eduard Fuchs datiert unser Gemälde gemeinsam mit drei weiteren Werken Daumiers, die in Varianten dieselbe Figurengruppe zeigen, in die Zeit der Revolution von 1848 (op. cit., S. 34). In naher Ansicht sind Vater, Mutter und Kind in proletarischer Kleidung dargestellt, ihre Köpfe mit entschlossenem Gesichtsausdruck zur Seite gewandt. Die Gestaltung wird zunächst vom zeichnerischen Umriss der Figuren und von der dunkeltonigen Palette mit markanten helleren Akzenten bestimmt. Besonders bemerkenswert jedoch ist der Auftrag der Farbe: jeder Zug des breitquastigen Pinsels ist für den Betrachter unmittelbar nachvollziehbar. In der Tat ist unser Gemälde mit zeitgenössischen Werken beinahe unvergleichbar, um zugleich um Jahrzehnte auf die Zukunft zu verweisen.Das Gemälde wird in das Supplement des Catalogue Raisonné zum Werk von Honoré Daumier von K. E. Maison aufgenommen werden, das zur Zeit vom Comité Honoré Daumier vorbereitet wird.
Gutachten
Comité Honoré Daumier, Paris 29.10.2013. - Henri Parent, Brüssel 17.2.1974.
Provenienz
Dr. Pauly, Amsterdam. - Dr. Alfred Gold, Berlin (1930). - Deutscher Privatbesitz.
Literatur
Eduard Fuchs: Der Maler Daumier, 2. vermehrte Auflage München 1930, S. 63, Nr. 296a mit Abb. - Zu den von Daumier geschaffenen weiteren drei Varianten siehe ebda. S. 49, Nr. 92a, 92b u. 93 mit Abb.
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