Jeder Gedanke muss zunächst gedacht werden. Das hört sich simpel an, doch wie jede Hervorbringung ist auch das Denken einer Geburt vergleichbar. Es gibt leicht hervorgebrachte und schwer hervorgebrachte Gedanken, so wie es schwere und leichte Geburten gibt. Schwer werden gerade solche Gedanken bzw. Ideen zur Welt gebracht, die nach dem „guten Leben" fragen. Nun ist nicht nur, wer den Gedanken denkt entscheidend, sondern auch die Umgebung hat einen entscheidenden Einfluss auf die jeweilige Art zu denken. Gedanken sind insofern stets von Orten beeinflusst - und sie wiederum prägen ihrerseits Orte.
Christof Klute begibt sich in diesem Sinne in seiner fotografischen Arbeit auf eine Art intellektuelle Spuren¬suche. Ihn interessiert der Umschlagpunkt, in dem das Denken zur Erfahrung wird oder umgekehrt, die Erfahrung das Denken maßgeblich prägt. Dafür reist er an die Orte der Entstehung respektive der Realisierung prominenter Ideen, die ihn ansprechen und nähert sich mit der Großbildkamera ihrer je spezifischen Topografie. Diese Orte sind jedoch zwangsläufig immer auch Stätten einer unerfüllten Sehnsucht - provoziert doch jede Idee, die nach Verwirklichung strebt, gleichzeitig immer auch ihr Arrangement mit dem Bestehenden. Und so ist an allen Orten, die einmal in Beziehung zu hehren Ideen standen, stets die melancholische Aura einer notwendigen Nichterfüllung spürbar. Die reine Idee ist in der Welt der Erfahrung nicht realisierbar - man kann nur versuchen, ihrem Schatten auf die Spur zu kommen.
Klutes Arbeiten beziehen sich u. a. auf Le Corbusier, Ludwig Wittgenstein, Francesco Petrarca, Baruch Spinoza, Jean Jacque Rousseau, Edmund Husserl.
1966 geboren in Münster
1986-88 Studium der Theologie an der Universität Münster
1990-95 Studium der Philosophie an der Universität Köln
1993-94 Auslandsstudium an der Universität Rotterdam (Niederlande)
1995-2002 Studium der Fotografie an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher und Thomas Ruff (Meisterschüler)