Düsseldorf präsentiert Anton Henning  |  | Anton Henning, Portrait No. 537, 2018 | |
Unter dem Titel „Träume, Trichter & Tricksereien“ widmet die Düsseldorfer Sammlung Philara dem Künstler Anton Henning eine umfassende Einzelausstellung. Der Fokus liegt auf den malerischen Arbeiten aus vier Jahrzehnten und stellt wichtige Arbeiten seiner Stilleben-, Interieur-, Portrait- und Pin-up-Serien vor. Der 1964 geborene Henning füllt diese Genres mit neuem Leben. So weisen einige Arbeiten Tapeten und bekanntes Möbeldesign auf; Augen, Tunnel, Trichter, und Appendixe graben sich in die Bilder ein; eine schlappe, bumerangähnliche, fließende Form, die Henning „Hennling“ nennt, zieht sich dabei immer wieder durch seine Werke wie ein selbstreferenzieller Witz. Anton Henning bezieht sich in diesen Arbeiten auf die Design- und Kunstgeschichte wie auch auf die Popkultur und den Alltag: Es gibt Referenzen an Sigmar Polke, Gustave Courbet, Pablo Picasso oder Francis Bacon, die bei ihm auf Kritzeleien, Kühe oder Lampen treffen.
Vielen Bildern liegt die Frage zugrunde: Wie lässt sich die Kunstgeschichte mit der Gegenwart verbinden? Die Antwort darauf gibt Henning selbst und nähert sich vergangenen Epochen mit einer von ihm liebevoll „Diebereien“ genannte Methode: kleine wiederholte Akte des Stehlens, mit denen er die Geschichte durch das Nadelöhr seines eigenen Stils in die Gegenwart holt. So greift er etwa in dem Gemälde „La Rencontre No. 4“ von 2004 auf das gleichnamige Bild Gustave Courbets von 1854 zurück. Henning aber abstrahiert die Szene und verfremdet sie, was von der Vorlage bleibt, sind die Figuren der Wanderer. Seine Farbpalette ist gelb- und ockerlastig. Fernab der Wirklichkeitsnähe Courbets sind Hennings Figuren fast ebenso flüssig wie die Farbe. Eigentümlich muten auch die propellerartigen Objekte an, die zwei der Wanderer in Händen halten. Eine ironische Verbeugung vor den oft schmerzerfüllten Werken Francis Bacons findet sich im „Interieur No. 654“, wo zwar Verwischung und Fragmentierung der Form an den irischen Künstler erinnern, allerdings fehlt das Schmerzhafte, das Henning eher mit einem Schuss Humor ersetzt.
Anton Henning, der keine klassische Ausbildung absolvierte und die Kunstakademie bereits nach einem halben Semester verließ, spielt mit Malerkollegen und ihren Werken. Als Autodidakt eignete er sich unterschiedliche Techniken an und feierte ab Ende der 1980er Jahren erste Erfolge in New York. Besonders prägend für Hennings lustvolles und überbordendes Werk ist die Idee stilistischer Individualität gepaart mit Traditionsbezug. Seine frühen „Jazzbilder“, von denen eines auch zu sehen ist, knüpfen etwa an die psychedelischen Strömungen aus den Umbruchsjahren um 1968 an. Henning, der etwa im Georg Kolbe Museum Berlin, der Kunsthalle Mannheim, dem SMAK in Gent oder im japanischen Nationalmuseum für moderne Kunst und im Stedelijk Museum in Amsterdam ausstellte, erfreut sich an dem Spiel zwischen Original und Wiederholung. Dabei malt er auf eine wertschätzende Art und Weise und bewegt sich stets zwischen Ernst und Humor.
Die Ausstellung „Träume, Trichter & Tricksereien. Anton Henning“ läuft bis zum 25. Januar 2026. Die Sammlung Philara hat freitags von 16 bis 20 Uhr sowie am Wochenende von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis liegt im eigenen Ermessen.
Sammlung Philara – Gil Bronner
Birkenstraße 47
D-40233 Düsseldorf
Telefon: + 49 (0)211 – 24 86 27 21 |