Salzburg erinnert an Gerhard Garstenauer  |  | Gerhard Garstenauer, Modell der Felsenthermen Bad Gastein | |
Das Salzburg Museum ehrt Gerhard Garstenauer zu seinem hundertsten Geburtstag mit einer Ausstellung und gibt in dem Gastspiel in den Räumen der Salzburger Initiative Architektur Einblicke in das Schaffen des Architekten. Eine Würdigung seines Œuvres sei umso wichtiger, so die Kuratoren Leon Beu, Peter Husty, Peter Lechner, Julian Mändl und Erich André Steiner, da so manche seiner Bauten, die mit wenigen Ausnahmen in Stadt und Land Salzburg stehen, in einem schlechten Zustand sind. Der 2016 mit 91 Jahren verstorbene Österreicher zähle nicht nur zu den wichtigsten Baukünstlern seiner Heimat, seine Arbeit werde auch international als bedeutend anerkannt. Die Schau nährt sich aus dem an das Salzburg Museum überreichten umfangreichen Nachlass Garstenauers, der aufgearbeitet und erforscht wird. Unter den Exponaten finden sich Planzeichnungen, Notizen, Skizzen, Archivmaterial, Fotografien, Baumodelle oder auch eine Gondel.
Das Kuratorenteam stellt Gerhard Garstenauer als „Pionier der Moderne in Salzburg in seinen vielfältigen Begabungen als Architekt und Designer aber auch als inspirativen Denker“ vor. Garstenauer bevorzugte klare Konzepte und Gestaltungen und entwickelte seine Bauten auch aus dem gesellschaftlichen Kontext heraus. Einen wichtigen Aspekt stellt die Auseinandersetzung mit Material, Raum und Funktion dar. Eines seiner Schlüsselprojekte im Bereich des Wohnens bildet das Haus für den ÖFAG-Gründer Hubert Pölz. Der 1960 in Salzburg-Aigen realisierte Bau sollte zum „architektonischen Manifest seines Denkens“ werden, so die Kuratoren. Garstenauer entwarf das Haus als klar gegliedertes, funktional offenes System, das durch einfache Mittel räumliche Großzügigkeit erzeugt. Großflächige Glasfronten öffnen das Gebäude in den Garten, wodurch Innen- und Außenraum fließend ineinandergreifen. Das Tragwerk ist reduziert, damit die Materialien Beton, Holz und Glas unverstellt sichtbar sind und die ästhetische Wirkung bestimmen. Hier entwickelte Garstenauer Lösungen, die später in andere Projekte einflossen. Die Wohnräume sind offen konzipiert, flexibel nutzbar und durch Schiebeelemente in Zonen aufteilbar, ein damals ungewöhnlicher Ansatz, der bis heute modern wirkt. Garstenauer, der von 1947 bis 1952 an der TU Wien Architektur studiert hatte, sah Wohnarchitektur nicht allein als funktionale Aufgabe, sondern als Ausdruck von Lebenshaltung und gesellschaftlichem Wandel.
Die Felsentherme Bad Gastein zählt zu Garstenauers bekanntesten Werken und ist ein Meilenstein der österreichischen Tourismusarchitektur. Der Bau liegt am Hang über dem Talboden, eingebettet in die Landschaft. Die Therme formt eine Synthese aus Topografie, Ingenieurbaukunst und moderner Formensprache, die das Bild des Kurortes bis heute prägt. Garstenauer wollte die Architektur mit der Landschaft verschmelzen, wie es auch das Baumodell verdeutlicht. Heute ist die Substanz stark verändert und die Architektur fragil geworden oder bereits verschwunden. Darüber hinaus baute er auch für die Industrie, so etwa eine Fabrik für die ÖFAG, eine Siedlung für die Firma wie auch die Doppelsesselbahn Schideck.
Die Ausstellung „Garstenauer Einhundert. Architekt – Gestalter – Denker“ läuft im Haus der Initiative Architektur bis zum 20. Februar 2026. Sie hat dienstags bis freitags von 12 Uhr bis 17 Uhr geöffnet und bleibt über die Weihnachtsfeiertage bis zum 12. Januar 2026 geschlossen. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung begleitet der Tagungsband zum Garstenauer-Symposium aus dem vergangenen Jahr für 36 Euro.
Initiative Architektur – Architekturhaus Salzburg
Sinnhubstraße 3
A-5020 Salzburg
Telefon: +43 (0)662 – 87 98 67 |