Yayoi Kusama in der Fondation Beyeler  |  | Yayoi Kusama, Infinity Mirrored Room – The Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Will Eternally Cover the Universe, 2025 | |
Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel bietet aktuell die erste Retrospektive zu Yayoi Kusama in der Schweiz. In der Schau, die in enger Kooperation mit der 1929 geborenen Künstlerin entstand, präsentieren die Kuratoren Mouna Mekouar und Charlotte Sarrazin mehr als 300 Arbeiten der Japanerin aus internationalen Sammlungen, die teils bisher in Europa nicht gezeigt oder eigens für die Ausstellung entwickelt wurden, und wollen damit die weltweite Strahlkraft und die anhaltende Relevanz ihres Schaffens illustrieren. Den Anfang bilden wenig bekannte Gemälde und Aquarelle aus den frühen 1950er Jahren, die Kusama noch in ihrer Heimatstadt Matsumoto schuf. Es folgt ein Blick auf ihre prägenden Jahre in New York, wohin sie Ende der 1950er Jahre übersiedelte und zu einer zentralen Figur der Avantgarde wurde. Nach ihrer Rückkehr nach Japan setzte sie in den 1970er Jahren ihre künstlerische Entwicklung zu einer persönlichen Bildsprache fort.
Mit Werken wie den „Infinity Mirror Rooms“ und anderen raumfüllenden Installationen werden ihre Arbeiten zu Erfahrungsräumen. Derart gelingt es Kusama, ihre eigene Auseinandersetzung in ein gemeinschaftliches Erlebnis für die Besucher umzuwandeln. Aus ihrem Frühwerk sind etwa die „Infinity Nets“ und „Accumulations“ oder der „Narcissus Garden“ zu sehen, eine Installation aus Metallkugeln, die verschiedene Räume, aber auch die Natur besetzen kann. Punkte erscheinen bereits 1952 als Motiv in ihrem ungegenständlichen Bild „Screaming Girl“. Im 1972 geschaffenen „Self-Portrait“ stellt sie mit Collage, Pastell, Kugelschreiber und Tinte sich selbst durch Schmetterlinge dar, die eine beherrschende rosafarbene Blume in einem dunklen Grund umfliegen. Neben einem Acrylbild ihres legendären gelben „Pumpkin“ mit schwarzen Punkten von 1991 dürfte auch ihr unbetitelter Stuhl von 1963 für Interesse sorgen. Einzig die weißen Stuhlbeine sind sichtbar, der Rest des Möbels wird von gefüllten weißen Stofftentakeln bestimmt.
Yayoi Kusama verwehrt sich einer Kategorisierung, da sie mit einem breiten Spektrum an Medien arbeitet: Mit Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation, Performance, Collage, Mode, Literatur und Film betont sie ihre Vielseitigkeit. Im Zentrum ihres Œuvres steht das Konzept der Unendlichkeit, sowohl als formales Mittel als auch als eine gelebte, spirituelle und psychologische Realität. Zu ihren Markenzeichen gehören neben den Punkten auch Netzmuster, Spiegel und sich wiederholende Strukturen. Diese Motive sind mehr als Charakteristika, vielmehr spiegeln sie Kusamas Auseinandersetzung mit Leben und Tod, Selbstauslöschung und der Sehnsucht nach Transzendenz wider. Erwähnt seien etwa ihre „Infinity-Net-Gemälde“ oder den für diese Schau entwickelten „Infinity Mirror Rooms“. Der Betrachter wird bei diesen Werken in endlose visuelle Schleifen versetzt, die die die Grenze zwischen Innen und Außen auflösen. Durch diese stetige Wiederholung von Formen und Motiven bringt Kusama den rhythmischen Puls des Lebens zum Ausdruck.
Die Ausstellung „Yayoi Kusama“ läuft bis zum 25. Januar 2026. Die Fondation Beyeler hat täglich von 9 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr, am Wochenende ab 10 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 30 Franken, dienstags 25 Franken; für Jugendliche bis 25 Jahre ist er kostenlos. Der begleitende Katalog kostet im Museum 56 Franken.
Fondation Beyeler
Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen
Telefon: +41 (0)61 – 645 97 00 |