Wuppertal erinnert an Guido Jendritzko  |  | in der Ausstellung „Guido Jendritzko zum 100. Geburtstag“ | |
Mit der Schau „Guido Jendritzko zum 100. Geburtstag“ würdigt das Von der Heydt-Museum in Wuppertal den Künstler erstmals in seiner Heimatstadt. Am 31. Januar 2025 hätte der in der Niederlausitz geborene und im September 2009 in Wuppertal verstorbene Bildhauer, Maler, Grafiker und Fotograf den runden dreistelligen Geburtstag feiern können. Nach Studien an den Meisterschulen für das Kunsthandwerk in Dresden und Berlin ging Jendritzko von 1950 bis 1956 an die Berliner Hochschule für Bildende Künste, wo Karl Hartung sein Lehrer war. Schon zwei Jahre später sorgte er mit der über zwei Meter hohen Bronzeplastik „Komposition XV“ für Furore, die später vor der Wuppertal-Elberfelder Gesamtschule Aufstellung fand. Die offene, trotz ihrer Schwere leichte Komposition aus scharfen Kanten und weichen Rundungen lenkt den Blick durch sich hindurch und verlangt nach verschiedenen Perspektiven. Zusammen mit zwei weiteren Werken des Künstlers wurde sie auf der zweiten Kasseler Documenta 1959 vor der Orangerie prägnant positioniert, was damals Aufsehen hervorrief. Dies trug mit dazu bei, dass Jendritzko 1964 als Professor an die Werkkunstschule Wuppertal berufen wurde, die 1973 in der Gesamthochschule, der heutigen Bergischen Universität, aufging. Bis 1990 lehrte er dort als Professor für „Freie Plastik“.
Die von Beate Eickhoff unter der Assistenz von Daniel Kupke kuratierte Übersicht konzentriert sich auf rund 30 Werke in drei Räumen. Die Auswahl setzt ein mit frühen Skulpturen, deren expressive, weit ausholende, von schlitzartigen Lücken durchsetzte Abstraktion auf filigranen Beinen elegant ausbalanciert erscheint und Assoziationen zu Lebewesen weckt. Im Sinne der Konzeptkunst formulierte Guido Jendritzko Ende der 1960er Jahre in Grund- und Aufrissen Rauminstallationen und betitelte sie schlicht als „E I“. Farbige Stelen im zweiten Raum betonen einen stilistischen Wandel. Organisch fließende Strukturen sind in einem leuchtenden, oft dissonanten Kolorit gefasst. Infolge der Pop Art orientierte sich der Künstler am Design moderner Konsumwelten. Nach dem Erwerb der ersten Kamera 1971 ergründete Jendritzko für sich neue Bereiche, indem er von Texten begleitete Performances konzipierte und das Publikum mit Tabubrüchen konfrontierte. In seinen „Intim-Performances“ trat er stets nackt auf und verarbeitete persönliche Erfahrungen. Er verstand Nacktheit als universalen Zustand, der alle Menschen gleich betraf. Seine zwischen 1986 und 1988 geschaffenen „Distributions“, die er aus 48 fotografischen Bildflächen zu einem Rechteck zusammengefügte, zeigen farbig getönte, teils collagierte Abzüge von Aktdarstellungen. 1989 endete mit der Arbeit „Die Teilnahmelosigkeit der Bäume“ der Werkzyklus der „Distributions“, indem Jendritzko das starre Rahmenraster aufhob.
Der dritte Raum widmet sich Fotoarbeiten mit Schriftzeichen aus den Jahren 1990 und 1991. Vor banalen Hintergründen wie Mauern, Holz, Asphalt oder Papier projizierte Jendritzko fotografierte Pinselzeichnungen von frei erfundenen, nicht identifizierbaren Glyphen in zwei Vergrößerungsschritten in die Abbildungen. Hinzu kommen zwischen 1994 und 2008 entwickelte „Regelwerke“ aus 30 schwarz gerahmten Fotocollagen mit horizontalen, vertikalen und diagonalen Figuren, die er in ein formales Zusammenspiel setzte. Aufgrund nachlassender Sehkraft musste Jendritzko dann die Fotografie aufgeben; zuletzt schuf er leuchtend farbige Aquarelle mit abstrakten Formen, mit denen er zu den Ursprüngen seiner künstlerischen Tätigkeit zurückkehrte.
Die Ausstellung „Guido Jendritzko zum 100. Geburtstag“ ist bis zum 8. Februar 2026 zu besichtigen. Das Von der Heydt-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro.
Von der Heydt-Museum Wuppertal
Turmhof 8
D-42103 Wuppertal
Telefon: +49 (0)202 – 56 36 231 |