 |  | Adriaen van Ostade, Bauerntanz in der Scheune, 1635 | |
Manchmal sollte man wirklich zuschlagen: Bei der Lempertz-Auktion „Alte Kunst“ mit Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen am 20. Mai in Köln ergibt sich die hervorragende Möglichkeit, jeweils ein charakteristisches Werk der beiden Maler und Brüder Adriaen und Isaac van Ostade zu ersteigern und damit dauerhaft in eigenen Besitz zu bringen. Von Adriaen van Ostade bietet das Haus einen derben „Bauerntanz in der Scheune“ an, ein Frühwerk des Meisters, das mit 1635 datiert ist. Nicht viel später kann das etwas größere Gemälde „Bauern vor dem Wirtshaus“ des Bruders Isaac entstanden sein, starb dieser doch schon 1649 mit nur 28 Jahren. Ein Vergleich lässt sich zwar wegen der unterschiedlichen Sujets schlecht anstellen, aber im allgemeinen kann man wohl behaupten, dass der deutlich jüngere Isaac von Ostade in den produktiven Jahren seines kurzen Lebens seinem Bruder und Lehrer Adriaen qualitativ nicht nachsteht. Wer die Bilder zu erwerben anstrebt, sollte freilich ein wenig Geld auf der hohen Kante liegen haben: 350.000 bis 400.000 Euro sollen für Adriaens Gemälde erreicht werden, über rund 50.000 Euro weniger würde sich der brasilianische Vorbesitzer des Isaac von Ostade freuen.
Gemälde alter Meister
Keine Frage – bei Lempertz pflastern vornehmlich Gemälde aus unseren westlichen Nachbarländern die Schauräume. Aber nicht nur die Glanzzeit des 17. Jahrhunderts ist vertreten. Auf der Schwelle zur Renaissance steht die Darbringung im Tempel eines Antwerpener Malers um 1530, die zwar qualitätvoll gemalt, jedoch offenbar beschnitten ist und daher etwas fragmentarisch wirkt (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Vollständig, aber mit ganz anderem Inhalt präsentiert sich eine rund fünfzig Jahre jüngere Arbeit ebenfalls eines Antwerpeners, das den Titel „Die dulle Griet“ trägt – ein streitbares, nicht sehr umgängliches Weib, das man wohl als Personifikation der Habgier deuten muss. Davon rückt es auch in der Hölle nicht ab, die hier ganz im fantastischen Geist Hieronymus Boschs mit allen Schikanen vergegenwärtigt ist. Die malerische Qualität ist vielleicht nicht die beste, aber 45.000 bis 48.000 Euro sollte das seltsame Gemälde schon bringen.
Unter die Spitzenlose reiht sich ein Gemälde Gerrit Dous ein, das früher in Dresden hing und erst in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts verramscht wurde. 1657 hielt er eine Katze am Fenster eines Malerateliers fest. Zum Reiz des Bildes gesellt sich neben die fulminante Malweise vor allem des lauernden Tieres noch die Frage nach der Ausdeutung, die sich nicht leicht erschließt. Dagegen steht der Schätzpreis ziemlich fest: 300.000 bis 400.000 Euro. Von seinem Zeitgenossen Jan Breughel d.J. gibt es wieder eine eher bäuerliche Szene, auf der sich die Menschen im sonntäglichen Vergnügen auf der Straße ergehen (80.000 bis 85.000 EUR). „Die Nesträuber“ treiben sich dagegen außerhalb im Wald herum. Immerhin zu viert machen sich die ebenfalls ziemlich grobschlächtigen Männer auf dem Gemälde David Vinckboons’ von circa 1600 an einem Nest zu schaffen und grapschen sich die armen wehrlosen Vögel (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Eines der wenigen Bilder mit historischem Hintergrund ist das Gemälde „Susanna und die beiden Alten“ des Amsterdamers Salomon Koninck, das eine Nähe zu Rembrandt offenbart (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR).
Zu den holländischen Malerfamilien des 17. Jahrhunderts gehören auch die Ruysdaels. Eine Flusslandschaft mit einer Fähre und einem mit Vieh beladenen Boot zeigt die hohe Begabung Salomon van Ruysdaels für die Darstellung weiter, stimmungsvoller Landschaften in typischer meeresgrau-grüner Farbigkeit (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Etwas weniger erfindungsreich, aber technisch durchaus nicht unbegabter war sein Sohn Jacob, der hier mit einer Hügellandschaft vertreten ist (Taxe 25.000 EUR). Nicht wegzudenken aus dieser Zeit sind auch die Stillleben. Für 15.000 bis 20.000 Euro ist vielleicht ein kleines Gemälde zu haben, das Bartholomeus Assteyn zugeschrieben wird und sich auf wenige Requisiten beschränkt. In diese Reihe von Vanitassymbolen fügen sich auch die Malereien Daniel Seghers’ gut ein, die oft Portraits umrahmt von Blumengirlanden zeigen. Hier ist es ein junges, zartes Mädchen, das von der vergänglichen Pracht umhüllt wird (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR).
Natürlich hat das Haus auch Maler anderer europäischer Gegenden im Angebot. Noch deutliche Anklänge an die Spätgotik zeigt eine Tafel mit der Madonna und zwei Heiligen des niederrheinischen Malers Bartholomäus Bruyn d.Ä., die jetzt von der Sammlung Otten aus Mönchengladbach wieder auf den Markt zurückkehrt. Es handelt sich um ein Frühwerk Bruyns aus der Zeit um 1512/15. Mit 200.000 bis 250.000 Euro ist es recht hoch angesetzt. Mit 35.000 Euro ist schließlich ein Hühnerhof des Erfurters Jacob Samuel Beck von 1756 bewertet, in dem die dummen, aber schönen Tiere ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Fressen, nachgehen.
Unter den Italienern ragt das „Mythische Hochzeitsbild“ von Giovanni Busi, genannt Giovanni Cariani, hervor, das sichtlich an der venezianischen Malerei vor allem eines Bellini geschult ist. Wer das Werk Carianis für circa 150.000 bis 200.000 Euro ersteigert hat, kann sich intensiv der schwierigen Ausdeutung dieses Bildes hingeben. Von Carianis Landsmann Giacomo Guardi, allerdings fast dreihundert Jahre später, rührt eine schöne Vedute der Kirche S. Maria Zobenigo in Venedig her, die im Stil und nach direktem Vorbild Canalettos gehalten ist (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Die französische Malerei führt bei dieser Auktion ein galantes Gemälde des Watteau-Zeitgenossen Jean-Baptiste Paters ins Feld. Das erst im September 2005 bei Hampel verschmähte junge, musizierende Paar im Freien wartet nun für etwa 200.000 Euro auf ein neues Gartenhäuschen.
Skulpturen
Nach den etwa 220 Gemälden sollen am 20. Mai die knapp vierzig Skulpturen unter den Hammer kommen. Aus dem 13. Jahrhundert stammt ein Ziborium zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien. Die Kunsthandwerker in Limoges haben es als runde Fußschale mit ausladend gewölbtem Deckel in vergoldetem Kupfer und buntem Email geschaffen (Taxe 13.500 bis 14.500 EUR). Ansonsten freuen sich vor allem freiplastische Skulpturen auf bietfreudige Kundschaft. So zum Beispiel eine anmutige, niederösterreichische Holzmadonna aus der Spätzeit des sogenannten Schönen Stils mit Resten alter Fassung (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). 32.000 bis 36.000 Euro wollen die Experten für das Hauptlos dieser Abteilung sehen, ein etwas schematisches Relief mit der Taufe Christi aus Schwaben um 1470.
Ebenso gewaltsam und figurenreich wie virtuos geschnitzt ist ein kleines Elfenbeinrelief der Werkstatt Dominikus Steinharts aus München um 1700/05, das den bethleheminischen Kindermord vorstellt (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Für einen etwas kleineren Geldbeutel und ausgefalleneren Geschmack steht eine Kalksteinplatte zur Verfügung, die in fünf mal vier Rechteckfeldern Szenen des Alten Testaments zur Anschauung bringt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden die etwas derben Bildnerarbeiten in Norddeutschland (Taxe 5.000 EUR). Unter den Kleinfiguren besticht dann noch ein Kruzifix mit der Ölbergszene zu seinen Füßen, das der Würzburger Johann Benedikt Witz um 1767 aus Birnbaum schnitzte (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).
Zeichnungen
Am Nachmittag stehen dann Zeichnungen alter und neuer Meister auf dem Programm. Höhepunkt ist hier eine Naturstudie Jean-Honoré Fragonards von circa 1770, die die technische Meisterschaft einer an Salomon van Ruysdael geschulten Waldlandschaft mit der Anmut später Rokokomalerei verbindet. Denn zwischen dem dichten Laub schaut kaum sichtbar ein kleiner Kinderkopf hindurch. 15.000 bis 20.000 Euro sollte sie dem neuen Inhaber wert sein. Ansonsten sind in diesem Bereich die Italiener führend. Von Guercino gibt es eine baumbestandene Landschaft mit einem Eremiten und einem zwei Reisenden, die die für seine Zeichnungen typische Schraffierungen zeigen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Zum wiederholten Mal zum Aufruf kommt eine karikaturhafte Skizze Lorenzo Tiepolos mit der Rückenansicht eines stehenden Mannes (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Bei den Zeichnungen des 19. Jahrhunderts dominieren dagegen die deutschen Künstler, so zum Beispiel Hans Thoma mit einer stimmungsvollen Landschaft oder Ludwig Richter mit „Seppel mit der Schulmeistertochter“ für je 6.000 bis 8.000 Euro. Wer dagegen südländische Gefilde bevorzugt, sei auf den nächtlichen Vulkanausbruch des Vesuv verwiesen, den Camillo de Vito im frühen 19. Jahrhundert festgehalten hat (Taxe 7.000 EUR).
Gemälde Neuer Meister
Den Rang des Hauptloses der Gemälde Neuer Meister teilen sich zwei Maler, die nicht viel miteinander gemein haben. Carl Gustav Carus, eigentlich praktizierender Arzt, war als Freund und Schüler Caspar David Friedrichs vor allem an dessen romantisch-metaphorischer Landschaftsauffassung orientiert. Entsprechend stimmungsvoll erscheint die kleine, skizzenhafte Mittelgebirgslandschaft im Licht der untergehenden Sonne, die 30.000 bis 40.000 Euro einfahren soll. Mit breitem, pastos aufgetragenem Pinselstrich sind dagegen „Zehn Enten im Herbstschilf“ von Alexander Koester mit nicht allzu viel Lichtstimmung wiedergegeben. Ebenfalls in Friedrichs Fahrwasser fährt der Dresdner Maler Georg Heinrich Crola mit seiner Ansicht der Ruine des Heilig-Kreuz-Klosters bei Meißen (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR).
Gern gesehen sind auch Werke der Künstlerfamilie Achenbach. Von Andreas Achenbach stammt im sechseckigen Format eine südliche Gebirgslandschaft mit einer Eselsreiterin, deren Gegenstück mit mythologischer Staffage ein berühmter Maler der Karlsruher Schule, Johann Wilhelm Schirmer, erstellte. Beide sind auf insgesamt 10.000 bis 12.000 Euro angesetzt. Gleich drei hochwertige Landschaften sind vom jüngeren Bruder Oswald Achenbach im Angebot, darunter der großformatige, von Böcklins Pflanzensymbolismus beeinflusst wirkende Blick über den Golf von Neapel auf den Vesuv (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).
Der Düsseldorfer Malerschule gehören die beiden Maler Carl Böker und Ernst Bosch an. Auch die beiden hier aufwartenden Gemälde der Zeitgenossen weisen im pittoresken Sujet und Malweise Ähnlichkeiten auf. Bökers „Gang zur Kirmes im Glottertal“ und Boschs „Taschendiebakademie“ sind dementsprechend mit 25.000 bis 28.000 respektive 30.000 Euro sogar fast gleich hoch bewertet. Dieser Art von Malerei, allerdings in München geschult, widmete sich auch Eduard Kurzbauer. So ist das Gemälde „Vor dem Begräbnis eines schwäbischen Bauern“ von 1877 ein gutes Beispiel seiner Kunst, die vor allem unter dem Einfluss Defreggers steht (Taxe 20.000 EUR). An der niederländischen Stilllebenmalerei orientiert ist das allerdings etwas steif gemalte Blumenbouquet von Friedrich Wilhelm Freydanck, dessen Schaffenszeit sich nur vage in das erste Drittel des 19. Jahrhunderts datieren lässt (Taxe 25.000 EUR). 3.000 Euro mehr soll der Blick durch die südländische Hitze auf das griechische Theater von Taormina mit dem Ätna im Hintergrund kosten, den uns Carl Daniel Freydanck hinterlassen hat.
Außer deutschen Malern finden sich nur wenige Ausländer im Angebot. Gustave Courbet beschränkt sich in seinem Früchtestillleben auf wenige Birnen und Äpfel vor schwarzem Hintergrund – karg wie die Zeit, in der es schuf, verbrachte er doch gerade eine sechsmonatige Gefängnisstrafe wegen der von ihm veranlassten Niederreißung der Vendôme-Säule in Paris (Taxe 25.000 bis 28.000 EUR). Unter den Gemälden neuerer Zeit ragt Norbertine Bresslern-Roths „Marokkanischer Viehmarkt“ hervor, das sich der flächigen Malweise des Jugendstils verpflichtet zeigt (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).
Die Auktion beginnt am 20. Mai um 10:30 Uhr. Die Vorbesichtigung ist vom 12. bis 17. Mai täglich von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17:30 Uhr möglich, am Samstag von 10 bis 16 Uhr, am Sonntag von 11 bis 15 Uhr und am 18. Mai von 10 bis 13 Uhr.
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