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Masken, Theater, Künstlerfeste: Hamburg lässt die extravaganten Zwanziger Jahre wieder aufleben

Außer Rand und Band



Emil Maetzel, Plakat zum Künstlerfest „Die Götzenpauke“, Februar 1921

Emil Maetzel, Plakat zum Künstlerfest „Die Götzenpauke“, Februar 1921

Bizarre Wesen in theatralischen Posen lauern im Hauptausstellungsraum des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe. Fantasievolle Gestalten aus buntem Pappmaché, grobem Stoff, behangen mit haushaltsüblichen Objekten, die Arme erhoben, den Mund weit aufgerissen. Der Besucher findet sich inmitten einer rekonstruierten Aufführung des experimentellen, künstlerischen Ausdruckstanzes der frühen 1920er Jahre wieder. Der Raum mit den originalen, sorgfältig restaurierten Ganzkörpermasken der Tänzer Lavinia Schulz und Walter Holdt bildet das Herzstück der Ausstellung „Entfesselt - Expressionismus in Hamburg um 1920“.



Lavinia Schulz kreierte die fragilen, individuell geschneiderten Masken für sich und ihren Tanzpartner und Ehemann Walter Holdt. Beide traten zur Musik des befreundeten Avantgarde-Komponisten Hans Heinz Stuckenschmidt in Revuen und auf den legendären Hamburger Künstlerfesten auf. Ihre dadaistisch inspirierten, an afrikanische Volkskunst, alte Karnevalsmasken, Roboter und futuristische Fantasiewesen erinnernden Figurenschöpfungen sind kunsthistorisch von ähnlicher Bedeutung wie das Triadische Ballett von Oskar Schlemmer. Der frühe tragische Tod der beiden nahezu mittellosen Künstler jedoch verwehrte ihnen einen ähnlichen Ruhm. Lavinia Schulz tötete erst ihren Mann und dann sich selbst. Unter Experten jedoch gelten ihre Masken, die lange Zeit im Museum für Kunst und Gewerbe in volkskundlichen Truhen lagerten und dort ein Dornröschendasein fristeten, als wieder gehobener Schatz. Zwei Gewandmeisterinnen restaurierten und rekonstruierten nach historischen Fotos von Minya Diez-Dührkoop die komplizierten Gebilde. Studenten und Professoren der Hochschule für Musik und Theater Hamburg studierten Aufführungen nach teils neuen Kompositionen ein - zu sehen im Rahmenprogramm der Ausstellung.

Die mit rund 350 Exponaten aus den Bereichen Tanz, Theater, Grafik, Malerei, Buchkunst, Plakat, Möbelkunst, Skulptur und Fotografie üppig zusammengetragene Schau erinnert auch noch einmal an die Tradition der Hamburger Künstlerfeste um 1920. In einer Zeit der gesellschaftlichen Neuorientierung und oft wirtschaftlicher Not herrschte unter der Hamburger Künstlerschaft ein großer Zusammenhalt. Die Kammerspiele waren gerade eröffnet worden, der Theatermann Gustav Gründgens und der Architekt Fritz Schumacher wirkten in Hamburg, die Kunstgewerbeschule am Lerchenfeld übte großen Einfluss aus, in der bildenden Kunst mit dem Hamburger Künstlerklub, der Brücke und der Sezession unternahm man viele gemeinsame Anstrengungen und fand namhafte Förderer. Trotz aller gesellschaftlicher Befreiung, radikaler Tabubrüche, Freizügigkeit und Lebenslust war der Nährboden für die Kunst jedoch nicht allzu üppig. Doch man rückte zusammen, wurde kreativ und erfinderisch.

Bald war aus dem gesellschaftlichen Kalender ein Ereignis nicht mehr wegzudenken: Die Hamburger Künstlerfeste. Tagelang feierte man unter dem Motto „Götzenpauke“ oder „Noa Tawa“ ausgelassene Feste im Curio-Haus. Es gab Revuen, wo wiederum Maskentänze von Lavinia Schulz und Walter Holdt zur Aufführung kamen, Gesang, Tanzeinlagen, Musik, allerlei Leckereien und nicht selten nacktes Fleisch. Erika und Klaus Mann gehörten zu den Gästen, aber auch die hanseatische Prominenz. Auf den Künstlerfesten wollte man gesehen werden. Denn schließlich hatte das Ganze auch etwas von einer Benefiz-Gala. In Künstlerlotterien wurde Geld für den Bau eines neuen Kunsthauses gesammelt. Gespendet wurde neben all dem ausgelassen-karnevalistischen Treiben reichlich.

Die frühen Zwanziger Jahre waren auch eine Blütezeit für die schriftorientierten Plakatentwürfe und die Buchkunst. Neugegründete Publikationen, Kunstzeitschriften wie die „Kündung“ und Künstlerkataloge, denen oft Originalgrafiken beigelegt wurden, erfreuten sich trotz schlechter Papierqualität einer großen Beliebtheit. Ein kleines, dünnes Heftchen bedeutete für so manchen Kunstfreund ein wahres Kleinod. In der Malerei entwickeln sich neben den Gemälden die druckgrafischen Techniken wie Linol- und Holzschnitt zu beliebten Darstellungsformen. Auch hier, beispielsweise in den Grafiken von Dorothea Maetzel-Johannsen und Emil Maetzel, ist der nackte, entfesselte Mensch ein beliebtes Motiv.

Die Hamburger Ausstellung konzentriert sich auf den Tanz, die Feste, wenn man so will, auf die im Titel angesprochene „Entfesselung“ der frühen Zwanziger Jahre in Hamburg. Ausgeblendet wird die expressionistische Architektur, die in Hamburg sicherlich einen bedeutenden Stellenwert hat. Hier müsste man ein ganz neues Kapitel aufschlagen. Die Unterwanderung und Unterbindung der fröhlich-kreativen Künstlergemeinde durch Judenverfolgung und Naziregime wäre ebenfalls ein eigenes Thema, das in der Ausstellung jedoch keinen Widerhall findet. Nach den Jahren der extremen kreativen Verausgabung folgte oft der tragische Absturz, die Verbannung oder der frühe Künstlertod.

Die Ausstellung „Entfesselt - Expressionismus in Hamburg um 1920“ ist bis zum 5. Juni zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog mit 176 Seiten kostet 18,50 Euro.

Kontakt:

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Steintorplatz

DE-20099 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428134 880

Telefax:+49 (040) 428134 999

E-Mail: service@mkg-hamburg

Startseite: www.mkg-hamburg.de



14.03.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Lavinia Schulz und Walter Holdt, Maskenpaar „Toboggan“, frühe 1920er Jahre

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