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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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Design bei Quittenbaum

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Piero Fornasetti,  Sofatisch, 1950er Jahre

Piero Fornasetti, Sofatisch, 1950er Jahre

Anders als seine Zeitgenossen liebte Piero Fornasetti ein verspieltes Design. In den 1950er Jahren schuf er eben nicht aufs Wesentliche konzentrierte Möbel, sondern ließ seiner überschwänglichen Fantasie freien Lauf. Da zieren schon mal schmetterlingsumschwirrte Blütenfestons das Weiß von Waschbecken, Wanne und Toilette seines Badezimmers, Architekturreminiszenzen wie der Alessi Palast in Genua seinen sinnigerweise mit „Architettura“ betitelten Aufsatzsekretär oder Lauten samt Fantasieschöpfungen von Instrumenten einen Sofatisch aus den 1950er Jahren. Zu haben ist letzterer nun bei Quittenbaum in der Auktion „Modernes Design, Murano-Glas, Afrikanische Kunst“. Der Münchner Versteigerer kann eines der wenigen Exemplare anbieten, das der 1988 in Mailand verstorbene Fornasetti nachträglich mit der Hand in Brauntönen und Weiß koloriert hat. Einspielen soll der runde, bebilderte Tisch 20.000 Euro.



Will man sein Haus mit Fornasetti komplettieren, offeriert der Katalog aus den 1950er Jahren dazu noch ein Paar Lyra-Stühle, bei denen die in Schwarzweiß gehaltenen Lehnen passend zum Sofatisch eine Lyra imitieren (Taxe 8.000 EUR), einen Schirmständer, dessen Wandung eben diese Regen abweisenden Utensilien wiedergibt (Taxe 700 EUR), sechs Rätselteller, mit denen man beim Essen eine etwas andere Unterhaltung pflegen kann (Taxe 1.200 EUR), den runden Beistelltisch „sole“, dessen Name schon wieder alles verrät (Taxe 700 EUR), den längsrechteckigen Beistelltisch „draughtsman’s instruments“, dessen Dekor aus Linealen, Dreiecken, Tintenfässern und Paletten diesmal nicht in Schwarz und Weiß sondern in Ockerbraun gehalten ist (Taxe 1.700 EUR), und einen wandlungsfähigen Paravent. Bei Tag geben die Holzpaneele ein Fantasiehochhaus im Stil der Renaissance frei, für die Nacht zieht sich das nur sporadisch beleuchtete Jerusalem seine Hügel hinauf (Taxe 12.000 EUR).

Das Publikum des Münchner Designparcours, der sich noch bis zum 12. Juni durch die Landeshauptstadt an der Isar zieht, findet bei Quittenbaum am 6. Juni auch sonst noch allerhand von der Apenninhalbinsel. Reduziert auf die funktionalen Teile erscheint der Schreibtisch „80“ von Franco Albini aus den Jahren 1948/49. Zwei X-förmige, Schwarz lackierte Vierkantstahlrohrfüße tragen die rechteckige Glasplatte und auf der dazwischen gestrebten Stahlleiste ruht der zweischübige Ablagekasten aus Birkenfurnier (Taxe 2.200 EUR). Etwas jünger ist dann Gio Pontis Barschrank um 1955. Im Gegensatz zu Albini will er mit Luxus das Auge des Betrachters überzeugen und spielt daher noch mit der Eleganz des Art Décos. Der hoch aufgestelzte Kasten ist an der Seite aus Schwarz lackierter Eiche gebildet und an der Kante mit Blattgold belegt. An der Front kontrastiert dazu das Rotbraun des kleinteiligen, stark marmorierten Furniers aus Pyramidenesche (Taxe 25.000 EUR). Für die Beleuchtung des Ganzen sorgt dann die Firma Arredoluce aus Monza mit einer achtflammigen „Blumenlampe“ aus Messing, bei der die Blüten in Calla-Form Weiß lackiert sind (Taxe 7.500 EUR).

Fontana Arte aus Mailand steuert einen unauffälligen Konsoltisch aus den 1940er Jahren bei. Sind doch Platte und Seitenteile aus Glas. Lediglich als Halterung an den Wänden dient eine schmale Messingwelle (Taxe 4.000 EUR). Von Osvaldo Borsani stammt das wandlungsfähige Sofa „D70“ aus dem Jahr 1954. Die Gestalt eines lang gestreckten Autositzes mit braunem Wollbezug lässt für die Nacht in eine Liege transformieren (Taxe 3.400 EUR). Trotz seiner Überlänge von 2,3 Metern wirkt Borsanis Schwarz lackierter Schreibtisch von 1956 leicht. Dazu tragen die schwebenden Unterschränke bei, die nicht auf dem Boden lagern, sondern mittig an den Füßen befestigt sind. Der Name des Schreibtisches „Direzionali T96“ weist schon darauf hin, in welchem Büro er zu stehen hat (Taxe 3.500 EUR).

Auf futuristische Wohnkonzepte setzte schon 1970 Joe Colombo mit seinem „Living Center“ Dinner-Element, das er für Rosenthal in Selb entwarf. Acht Personen haben am dem multifunktionalen, ausziehbaren Esstisch Platz, in dem eine Herdplatte, eine Getränkekühlbox sowie mehrere Fächer für Besteck und Geschirr integriert sind (Taxe 5.000 EUR). Ebenso flexibel gestaltet sich das Sitzobjekt „superronda“ von Archizoom Associati aus dem Jahr 1966. Das durch eine Welle in zwei Hälften geteilte, rechteckige Kunststoffobjekt in glänzendem Schwarz lässt sich als Sofa, als Raumteiler oder als zweiteilige Sitzgruppe nutzen (Taxe 2.200 EUR).

Nicht nur mit Fornasetti lässt sich die Wohnung ausstatten. Verner Panton tut’s auch. Einige seiner bedeutende Stuhlentwürfe sind dabei: der „S-Chair“ 276 von 1956 in leuchtendem Rot (Taxe 3.800 EUR) lässt sich mit dem ausladenden Sessel „420“ mit seinen runden Lehen und dem Veloursbezug „Polente“ von 1963 kombinieren, während der Sessel „F- de luxe“ aus der Serie „1-2-3“ in geschwungenen Formen und braunem Leder doch etwas eleganter wirkt (Taxe 2.000 EUR). Für den Boden gibt’s dann Pantons Teppich „Geometri I“ von 1960, ein Baumwollflor aus Kreisen, die in Quadraten im Wechsel von Schwarz und Weiß eingeschrieben sind (Taxe 3.700 EUR), und von der Decke die Muschelplättchenlampe „Fun 3 DM“ von 1964, diesmal dreistöckig und über zwei Meter lang (Taxe 7.000 EUR). Alvar Aalto erdachte sich seinen geruhsamen, frei schwingenden Armlehnsessel „31“ aus Birkenschichtholz im Jahr 1932 für das Sanatorium im finnischen Paimio. In nur zehn Exemplaren mit unterschiedlichen Furnieren entstand der Schreibtisch des dänischen Entwerfers Claus Wettergren. 1982 legte er auf drei auf die Spitze gestellte Dreiecke die Tischplatte (Taxe 5.000 EUR).

Nach eigenen Angaben kommt erstmalig in einer europäischen Auktion bei Quittenbaum das große Sitzobjekt „Coupé“ für vier Personen der französischen Innenarchitektin Annie Tribel zum Aufruf. Das Sitzgehäuse mit Tisch, zwei Bänken, Telefon und Wandlampe wurde ursprünglich 1968 für das Café des Théâtre de la Ville in Paris entworfen, wegen der aufwendigen manuellen Arbeitschritte und der damit verbundenen Kosten aber in nur fünf bis zehn Exemplaren hergestellt (Taxe 6.000 EUR). Das bodenständige Design Charlotte Perriands präsentieren der Tisch „Nova“ um 1968 (Taxe 3.000 EUR) und ein Raumteiler aus Weichholzlatten (Taxe 4.500 EUR). Zu den französischen Highlights gehören mehrere Nachttische von Jean Prouvé, so ein Paar um 1936 aus filigranem weißen Stahlrohr (Taxe 3.200 EUR). Regelrecht blaue Wellen schlägt das Sofa „ABCD“ des französischen Designers Pierre Paulin von 1968 (Taxe 6.000 EUR).

Wohl nicht nur das Interesse der Beatles-Fans wird der Beistelltisch „Drums“ aus Edelstahl und Glas erregen. 1970 in Form eines Schlagzeuges von Ringo Starr, dem Ex-Trommler der Beatles, gemeinsam mit Robin Cruikshank entworfen, ist er bei Quittenbaum zum Schätzpreis von Euro 11.000 zu haben. Zu den Highlights englischen Designs gehört auch der technoide, klappbare Teewagen „T four 4“ von Ron Arad aus dem Jahr 1994 (Taxe 4.000 EUR). Einen Sprung über den Teich nach Amerika tut man mit zwei Paravents von Robert Crowder. Seine an japanischen Vorbildern orientierten Malereien eigenen sich in ihrer eleganten Art gut für die glamouröse Filmwelt Hollywoods (Taxe je 10.000 EUR). Zwischen Sitzmöbel und Skulptur changiert David Delthonys ausladender Entwurf aus Hunderten Schichten verleimten Holzes um 1985 (Taxe 2.500 EUR).

Beim Design aus Deutschland treten zwei äußerst gegensätzliche Entwürfe ins Rampenlicht: Zum einen Margarete Schütte-Lihotzkys, den Arbeitsablauf optimierende, funktionelle „Frankfurter Küche“ von 1926, die komplett und in gutem Erhaltungszustand aus einer Wohnung der Siedlung Frankfurt-Niederrad stammt (Taxe 20.000 EUR). Zum anderen die viel später entstandene Ikone postmodernen deutschen Designs der 1980er Jahre, der „Frankfurter Hochhausschrank F1“ mit Türmchen, Kügelchen und manch anderem, verspielten Detail der Designer Norbert Berghof, Michael Landes und Wolfgang Rang (Taxe 25.000 EUR). Dazwischen platzieren sich etwa noch Ludwig Mies van der Rohes „Barcelona-Chair“ von 1929 in einer frühen Ausführung der Berliner Metallgewerbe Joseph Müller (Taxe 12.000 EUR) oder Helen von Bochs und Federigo Fabbrinis für Villeroy & Boch entworfene Kugel „La Boule“ von 1971, in der sich 19 Geschirrteile in Weiß, Braun und Orange glasiertem Steinzeug verstecken (Taxe 700 EUR).

Ercole Barovier, Fulvio Bianconi, Riccardo Licata und Carlo Scarpa dominieren das Angebot beim Murano-Glas. Den antiken, erdigen Charakter verlieht Barovier der Vase „micene“ von 1957, indem er eine silbrige Metallfolie auf die rechteckigen, hell bernsteinfarbenen Glasplättchen geschmolzen hat (Taxe 9.000 EUR). Bei Bianconis bilden diagonale, sich kreuzende Bänder in Violett und Ocker, überlagert von vertikalen Bändern in Türkis, das Dekor der Vase „scozzese“ – der Schottischen (Taxe 8.500 EUR). Selten trifft man auf Licatas Vase „fascia murrine incalmo“ von 1956. Dafür hat er die ovale, gerade aufsteigende Form in Moosgrün mittig von einem Murrinenband in der Komplementärfarbe Rot mit weißen Einsprengseln durchbrechen lassen (Taxe 6.500 EUR). Eines der ältesten Stücke aus Murano ist Scarpas elegante, rauchfarbene „Inciso“ in Glockenform von 1942 mit ihrem flächendeckenden vertikalen Kerbschnitt (Taxe 11.000 EUR).

Beim skandinavischen Glasdesign überzeugt Edvin Öhrströms Vase „Ariel“ von 1951. In die offene Eiform ist ein opak silbergrauer Zwischenschichtdekor eingelassen, der einen zwischen Steinen liegenden, weiblichen Akt freigibt (Taxe 6.000 EUR). Und im Bereich „Afrikanische Kunst“ überstrahlt eine in Messing gegossene Gesichtsmaske der Ife aus Nigeria das übrige Angebot. Sie stellt vermutlich einen Oni, einen Würdenträger des Stammes dar, und datiert ins 13. bis 16. Jahrhundert, was zwei Thermoluminiszenztests ergaben. Ein deutscher Privatsammler hatte sie 1992 aus der Kollektion Jorma Korpela in Helsinki erworben und erwartet dafür nun 280.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 6. Juni um 14:30. Der Katalog ist im Internet unter www.quittenbaum.de abrufbar.

Kontakt:

Quittenbaum Kunstauktionen

Theresienstraße 60

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 273 702 125

Telefax:+49 (089) 273 702 122

E-Mail: info@quittenbaum.de

Startseite: www.quittenbaum.de



05.06.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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