Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma

Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Nachbericht

Rückblick auf die Art Frankfurt

Die Zukunft liegt im Dunkeln



Claudia Rogge, Rapport 14.03.05, 2005

Claudia Rogge, Rapport 14.03.05, 2005

Lag es am schönen Wetter oder hatte die Messeleitung zu wenig an der Werbetrommel gerührt? Kuratoren und Museumsleute wurden auf der Art Frankfurt kaum gesichtet. Auch den Mangel an professionellen Besucher, das heißt Sammlern, beklagten einige Galeristen. Fern blieben zudem renommierte Galerien aus dem Ausland, aber auch aus Frankfurt. Die Frage, wie es im nächsten Jahr weitergeht, lag wie ein schwerer Schatten über der Veranstaltung. Nachdem schon im Vorfeld Spekulationen über den Verbleib der Art Frankfurt auf dem Messegelände oder einen Umzug ins Bockenheimer Depot mit einer konzeptionellen Neuausrichtung auf ganz junge Kunst ins Kraut schossen, gaben sich während des Messeverlaufs die Verantwortlichen ob der Zukunftsaussichten bedeckt. Nichts war zu erfahren. Und selbst die angekündigte Offenbarung zum Ende der Messe fiel aus. Trotz dieser schlechten Kriterien und unsicheren Vorzeichen will niemand - schon gar nicht die Galeristen - auf die Messe für Zeitgenössische Kunst in der Mainmetropole verzichten - auch nächstes Jahr nicht.



So kamen nach Angaben der Messeleitung immerhin 29.500 Besucher auf die viereinhalbtägige Veranstaltung Ende April, was einen Zuwachs um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, ließ sich daher zu dem vollmundigen Bekenntnis hinreißen: „Der Standort Frankfurt hat für den deutschen Kunstmarkt das stärkste Potenzial. Dieses werden wir nutzen und von 2006 an mit einem zukunftsweisenden Konzept Flagge zeigen“. Aha - es wird sie also doch noch geben, die Art Frankfurt. Und fast wie eine Beschwörung endet die Abschlusspressemitteilung mit dicken Lettern: „Die 18. Art Frankfurt findet 2006 statt. Ihr neuer Auftritt und der daraus resultierende Messetermin werden direkt nach Verabschiedung des Konzeptes kommuniziert.“

Für das Konzept muss wahrhaft noch etwas getan werden. Denn so wie in diesem Jahr will der geringste Teil der Aussteller die Messe wiederholen. Moniert wurde allgemein der schlechte Werbeauftritt der Art Frankfurt. Es fehlte die Beflaggung, kaum ein Schild wies den Weg in die Hallen der Kunst und große Frankfurter Firmen mit ihrem Einkaufspotenzial wurden heuer nicht eigens eingeladen. Fast meinte man, Marianne El Hariri, der Objektleiterin der Messe, sei seitens der Messeleitung kräftig das Budget gekürzt worden. Und der sinnlose, da inhaltsarme Katalog war schlichtweg eine Blamage. Auf ihn hätte man besser verzichten sollen.

Beklagen wollte sich Dieter F. Lange vom „Wasserwerk. Galerie Lange“ aus Siegburg über die diesjährige Art Frankfurt aber überhaupt nicht. Hervorragende Stimmung herrschte an seinem Stand. Es sei sein besten Jahr in Frankfurt gewesen und mit der Kunst Köln nicht zu vergleichen. 14 Arbeiten von Christophe Boulay, wie die ein Meter hohe Skulptur „Mme la lune“ für 1.400 Euro, konnte er erfolgreich vermitteln. Der Art brut-Künstler, 1961 in Paris geboren, verwendet für die heiteren und doch archaischen Skulpturen und reliefartigen Bilder vorwiegend altes Holz und Schrottteile. So hat er an einen Totempfahl einen großen Vogel aus Metall mit weit ausgestreckten Flügeln befestigt. Daneben steht ein weiteres, gefiedertes Wesen im Profil, dessen offener Schnabel mit Zähnen versehenen ist und dessen Schwanz eine Mistgabel bildet. Der Clou - bei leichtem Wind wippen die Objekte. Gefragt waren bei Lange außerdem die farbfrohen Bilder von Alexandra Huber, wie „Echassier“ für 1.000 Euro.

Bei den meisten Galerien waren hinsichtlich des Umsatzes der Eröffnungstag und der Samstag beziehungsweise Sonntag die besten Tage. Der 2. Mai als Anschlusstag, der vielen Kunstinteressenten noch die Möglichkeit hätte geben können, die finalen Kaufimpulse zu nutzen, entpuppte sich als Flaute. Trotzdem zog der Großteil der Aussteller eine positive, wenn auch nicht euphorische Bilanz. Auch die Galerie Bernhard Knaus aus Mannheim zeigte sich mit den Verkäufen zufrieden. Mit zahlreichen Arbeiten konnte sie Neukunden für ihre künstlerischen Positionen begeistern. Gefragt waren die Editionen des 49jährigen Mannheimers Peter Schlör. Favorit war hier der „Rantberg“ aus dem Jahr 2004 für 2.480 Euro. Die Schwarzweiß-Fotografie des 2,4 Kilometer langen Gebirgszugs aus Namibia fügte Schlör aus mehreren Aufnahmen, die im 90 Grad Winkel mit der Sonne im Rücken geschossen wurden, zusammen. Kein Schatten trübte die weite meditative Landschaft. Der Becher-Schüler Götz Diergarten wandte sich auch 2003/04 dem Strandleben an der flämischen Nordsee zu. Seine neun Fotos von verschiedenen weißen Strandhäusern mit dem Titel „Knokke II“ von fanden zu einem Preis von je 2.400 Euro Käufer.

Am Gemeinschaftsstand von Erhard Witzel aus Wiesbaden und Albert Baumgarten aus Freiburg waren die Gemälde von Helga Schmidhuber der Renner. Die 33jährige Künstlerin aus Wiesbaden war Studentin an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Dieter Krieg. 2004 wurde sie als Meisterschülerin von Albert Oehlen ausgezeichnet und bekam das Max Ernst Stipendium. Charakteristisch für Schmidhuber sind großformatige, figurative Bilder mit teils grellen, teils wässrig lasierenden Farben, in denen sie meistens Landschaft mit Tiermotiven und technischem Gerät verquickt. An einen irischen Sammler wurde für 3.200 Euro eine Arbeit mit einem Traktor, der mit einem Fisch übermalt ist, übergeben. Mit dem Titel „Holz vor Hütte“ stellt die Galerie Witzel im Juni und Juli weitere Werke von Helga Schmidhuber vor. Begehrt war ebenfalls die Fotoedition „Frankfurt“ von Birgit Luxenburger. Versicherungs- und Bankgebäude lässt Luxenburger an der Wasseroberfläche des Mains reflektieren und verdoppelt damit die Frankfurt Skyline. Kunstliebhaber konnten „Frankfurt“ während der Messetage zu einem Sonderpreis von 1.200 Euro kaufen.

Die Galerie Scheffel aus Bad Homburg, die schon seit siebzehn Jahren dabei ist, zeigte sich mit ihrem Umsatz wohl gesonnen. Abstrakte Bilder von Max Kaminski, wie „Empedokles über einer anderen Welt“, wechselten ihren Besitzer bei einer fünfstelligen Summe. In die Höhe ragende, schwarze Figuren, der menschlichen Gestalt abgeschaut von Hans Steinbrenner, oder die bunten, ornamentalen Werke von Jan Voss wurden zu vier- und fünfstelligen Werten an den Mann gebracht. Auch Herbert Meyer-Ellinger möchte nicht auf die Art Frankfurt verzichten und sähe den Wegfall der Messe als Verlust für die Main-Metropole an. Großes Interesse zeigten die Messegäste in seiner Koje an den Werken von Michael Croissant, die er neben Arbeiten von Gotthard Graubner und Eduardo Chillida ausstellte. Viele seiner abstrahierten, auf Körpersäulen reduzierten Zeichnungen, ausgezeichnet im dreistelligen und unteren vierstelligen Eurobereich, gingen an ausländische Museen, aber auch an Privatsammler. Eine der daraus entstandenen Stahl-Skulpturen gab Meyer-Ellinger für 21.000 Euro ab.

Die Galerie Voss aus Düsseldorf trumpfte mit Sandra Ackermann und Claudia Rogge auf, von der nun sieben Arbeiten ein neues Domizil gefunden haben. Die 1965 in Düsseldorf geborene Künstlerin versucht, durch Kopien eines Menschen den Betrachter zu faszinieren. „Rapport 14.03.05“ ist eine diagonale Ansammlung einer unbekleideten Frau mit einer Scheitel-Hochsteckfrisur, die sitzend von oben fotografiert worden ist und eindrucksvoll die Wahnvorstellungen heutiger Genmanipulation widerspiegelt. Das Bild einer jungen Frau aus der Serie „Meisterwerke“ von Sandra Ackermann ging bei 4.800 Euro weg. Die Thematik ihrer Werke ist die menschliche Haut, die als Schutzhülle und Trennwand zur Außenwelt fungiert. Ihre an altmeisterlichen Vorbildern angelehnten, großformatigen Frauen mit Kopfbedeckungen und mandelförmige Augen in Pastellfarben können mit ihrer glatten Haut als Schönheiten durchgehen, bleiben aber zugleich auf Distanz.

Die Galerie Burger aus München vertrat vier Künstlerinnen an ihrem Stand. Jedoch konnte sie sechs Bilder zu je 3.000 bis 4.000 Euro nur von der in Budapest lebenden Ungarin Ágnes Szépfalvi vermitteln. Hauptmotive ihrer Arbeiten sind meist Frauen, auf den ersten Blick in banalen Alltagssituationen. Beim zweiten Hinsehen bemerkt aber man das Geheimnisvolle, das den Betrachter in die Rolle eines Voyeurs versetzt. Ulrike Adler von der gleichnamigen Frankfurter Galerie zeigte sich mit ihren fünf Messetagen zufrieden. Jedoch bemängelte sie genauso wie die Galerie Scheffel das Fehlen von Neukunden. Verkaufsschlager war hier die 25 Jahre junge Künstlerin Alex McQuilkin aus Boston, die gleichzeitig die Hauptdarstellerin in ihren C-Prints ist. Das Foto aus der Serie „Teenage Daydream“ von 2003 zeigt sie in Großaufnahme mit blutigen Bandagen um ihre Handgelenke, die von Armketten bedeckt sind. Mit ihren Fotos und Videos möchte die Amerikanerin drastisch und gleichzeitig subtil darlegen, wie Realität und Fantasie während der Teenager-Zeit oft verschwimmen. Ein anderer Favorit war hier der Maler Klaus Wanker. Der in Graz geborene Künstler kritisiert mit seinen großformatigen, heißen Porträts von Models die Werbewelt und ihre Beeinflussung der Jugend. Das Bild „The show suck” von 2005 wechselte seinen Besitzer bei 5.900 Euro.

Bei der Galerie Jarmuschek und Partner aus Berlin herrschte eher eine eher verhaltene Stimmung. Nur vorwiegend kleinformatige Arbeiten, wie die figurativen postkartengroßen Provokationen von Jakob Roepke, verließen für je 150 Euro den Stand, aber auch ein schwarzer Umdruck auf Aluminium eines Frauengesicht von Berit Myreboe fand bei 3.500 Euro seinen Abnehmer. Andreas Greulich aus Frankfurt brachte die Messe gut über die Bühne. Neue Besitzer fanden hier Gemälde von Anke Schreck, wie „Elefantenflug“, „Skiflug“ und „Bootsfahrt“, die bei 1.700 Euro nicht ohne ironische Brechung die Klischeevorstellungen von fernen Ländern, aber auch der idyllischen Heimat bedienen.

Beim Baseler Galerist Guillaume Daeppen stand der junge Martin Wehmers solistisch im Mittelpunkt. Seine abstrakte, explosive Farbwucht, die mal nicht mit der überall anzutreffenden Figuration arbeitet, fand vor allem in den kleineren Formaten beim Publikum Nachhall. Für das Hauptwerk, das vier Meter breite Gemälde „iong (gift)“ von 2005 bei 9.000 Euro, vermeldete Daeppen lediglich starkes Interesse eines Privatsammlers. Bei der Galerie Binz & Krämer aus Köln kamen die geometrisch, konstruktiven Bilder der jungen Leipzigerin Petra Ottkowski gut an, deren farbige „Lichtkästen“ in dreidimensionaler Wirkung wurde für 3.400 Euro verkauft. Auch die Edition „Wesseling“ der Österreicherin Elke Sobotka und die verschwommen fotorealistischen Landschaften des Polen Marcin Cienski blieben nicht unentdeckt. Und schließlich wurden die Messenbesucher wieder einmal bei der Auktion für die deutsche AIDS-Stiftung fündig. Die 16. Ausgabe brachte mit 97.000 Euro immerhin den bisher höchsten Betrag in der Geschichte der Versteigerung, der direkt HIV-Positiven und an AIDS erkrankten Menschen zur Verfügung gestellt wird.



19.05.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maja Szerbinski/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


29.04.2005, Art Frankfurt 2005

Bericht:


House of Galleries: Ein Wochenende der Kunst in Frankfurt

Variabilder:

Claudia Rogge, Rapport 14.03.05, 2005
Claudia Rogge, Rapport 14.03.05, 2005

Variabilder:

Sandra Ackermann, Margarethe Boghe, 2005
Sandra Ackermann, Margarethe Boghe, 2005

Variabilder:

Alex McQuilkin, Teenage Daydream: In Vain #1, 2003
Alex McQuilkin, Teenage Daydream: In Vain #1, 2003

Variabilder:

Martin Wehmer,
 oing (gift), 2005
Martin Wehmer, oing (gift), 2005







Martin Wehmer, oing (gift), 2005

Martin Wehmer, oing (gift), 2005

Alex McQuilkin, Teenage Daydream: In Vain #1, 2003

Alex McQuilkin, Teenage Daydream: In Vain #1, 2003

Sandra Ackermann, Margarethe Boghe, 2005

Sandra Ackermann, Margarethe Boghe, 2005




Copyright © '99-'2025
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce