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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Design im Dorotheum

Futuristische Wohnmulde



Luigi Colani,  Sitzlandschaft „Pool“, 1970/71

Luigi Colani, Sitzlandschaft „Pool“, 1970/71

Sie erinnert an die Weltraumepisoden von Raumschiff Enterprise und gleichzeitig auch an die ersten Experimente mit Wohngemeinschaften, in denen sich die Gruppendynamik der 68-Generation voll entfalten konnte: die Sitzlandschaft „Pool“ von Luigi Colani. 1970/71 entwickelte er das Design für Rosenthal Studio-Linie und gab auch selbst seine Vorstellungen davon kund: „Die burgartig aus Einzelelementen zusammengesetzte Wohnmulde erlaubt unkonventionelles Miteinander in jeder Lage: niedriges Sitzen mit ausgestreckten Beinen, Langliegen oder Füßehochlegen.“ Auch das Werbeprospekt von Rosenthal aus den 1970er Jahre liest sich als futuristisches Manifest und biedere Wohnidylle zugleich: „Horizontale Bequemlichkeit für die ganze Familie“ und weiter: „Pool ist der häusliche Ausgleich für die Sandburg am Strand, das Picknick auf der Wiese, das vergnügte Lagern um ein Grillfeuer.“



Pool ist nun eine der „schrägsten“ wie aus heutiger Sicht wieder hochaktuellen Offerten der Design-Auktion im Wiener Dorotheum. Die unkonventionelle Sitzlandschaft von Colani, dem Design-Allrounder mit dem Hang zur geschwungenen Linie, funktioniert nach dem Baukastensystem: Randelemente, Eckelemente, Flachelemente sowie Stützpolster, Kopfstützen und Rückentaschen – beispielsweise für Zeitungen - machen das Wohn-Becken perfekt und lassen sich je nach Wunsch variabel anordnen. Pool-Möbel waren auch dafür gedacht, in den Boden eingelassen zu werden, sodass tatsächlich der Eindruck eines Sitzlandschafts-Beckens entstand: Eine Idee von futuristischem James-Bond-Feeling für’s Eigenheim. Zu haben ist die hellrote, 16teilige Pool-Landschaft in gutem Zustand für 15.000 bis 18.000 Euro.

Wem das an Colani-Möbeln nicht genügt, der findet am 9. November beispielsweise noch den ergonomischen „TV-Relax“-Sessel von 1969 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) oder ein 3er Set weißer Drehstühle mit schwebenden Armlehnen von 1971/72 (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Doch das Angebot setzt schon im ausgehenden 19. Jahrhundert am Übergang vom Kunstgewerbe zur industriellen Fertigung an. Hier überrascht ein österreichischer Metallstuhl von etwa 1880. Dächte man doch bei der herzförmigen Rückenlehne aus Eisenblech mit Lochmuster an eine Kreation der 1980/90er Jahre (Taxe 350 bis 450 EUR). Mit seinem maurischen Einschlag erweist sich ein Tisch um 1900 als ein charakteristisches Werk des Italieners Carlo Bugatti. Das aus Nussholz konstruierte und mit Kupfer-, Zinn-, Messingintarsien und Pergament verzierte Möbelstück listet der Katalog mit 9.000 bis 12.000 Euro.

Aus der selben Zeit stammt ein Hocker, den der Wiener Sigmund Jaray in den sachlichen Formen des Wiener Jugendstils gestaltete (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR). Für die Kunst von Joseph Maria Olbrich soll ein lederbezogener Stuhl mit Rautenmuster in der Armlehne stehen (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR) und in seiner Nachfolge eine kleine Anrichte um 1910 aus schwarz gebeizter Silbereiche mit Messingbeschlägen, deren Türen mit einem aufblühenden Fächerornament reliefartig beschnitzt sind (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Wie ein mattes Sonnenlicht leuchtet ein Schrank aus Wien um 1905 auf, den August Ungethüm mit dem hell-gelben Ahorn in Rautenmuster furniert haben soll (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Eine streng geometrische Wohnzimmereinrichtung um 1902/03 wird Josef Hoffmann zugeschrieben. Sie besteht aus einer Sitzbank, zwei Armlehnstühlen mit Beistelltisch, einem Pfeilerkasten und einem Eckschrank, die sich alle durch den Gegensatz von hellen und dunklen Partien auszeichnen (Taxe 32.000 bis 42.000 EUR). Ein nachgewiesener Entwurf von Josef Hoffmann ist ein 1903/05 entstandener, schlichter Schrank für die Wiener Werkstätte, außen weiß gestrichen und innen schwarz (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Von diesem Kontrast lebt auch ein Vierersatz weißer Stühle aus der Schule von Josef Hoffmann, deren Fußenden und der obere Teil der Rückenlehnen Schwarz gestrichen sind (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Mit einem Ensemble aus Schrank, niedrigem Sideboard und zwei Nachtkästchen führt der Katalog ins Art Déco über. Die Stücke stammen aus Deutschland und wurden um 1925/30 mit dem auffällig vertikal gemusterten Zebrano-Holz gestaltet (Taxen zwischen 1.200 und 4.000 EUR). Silbrig glänzt eine dreitürige, Wiener Schauvitrine aus Glas und verchromten Metall der 1930er Jahre, zusätzlich verstärkt durch die verspiegelte Rückwand (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Den strengen Formen der Moderne folgt dann die zeitgleich entstandene „Frankfurter Küche“ von Margarete Schütte-Lihotzky. Die umfangreichen, hellblau lackierten Typenmöbel von 1927/28, die zur „Rationalisierung der Hauswirtschaft“ beitragen sollten, wurden erst in diesem Jahr aus einer Wohnung in der Frankfurter Siedlung Römerstadt ausgebaut (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Und dann folgen einige Stars der Moderne. Ludwig Mies van der Rohe schickt seine „Barcelona“-Sessel, konzipiert für den deutschen Pavillon der Weltausstellung von 1929 in Barcelona, ins Rennen. Das Paar muss noch vor 1948 produziert worden sein. Denn die vorliegende Variante ist die letzte Ausführung mit geschraubtem Gestell (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Gerrit Rietveld ist mit dem „Zig Zag“-Stuhl von 1932 vertreten, der um 1950 von seinem Assistenten Gerard van de Groenekan in massivem Rüster ausgeführt wurde (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Marcel Breuer ist für das äußerst simpel konstruierte Regal Mod. 176 von 1932/33 verantwortlich, bei dem er die schwarzen Regalböden lediglich zwischen zwei Stahlrohrgestellen einspannt (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Bei seinem Schreibtisch B 65 scheinen die Platte mit Schublade und zwei Schubfächer in Schwarz in die umlaufende Stahlrohrschlaue schwebend eingehängt (Taxe 3.500 bis 4.500 EUR). Ähnlich hat J. Hagemann seinen Schrank konstruiert und die nussfurnierten Türen und Seitenteile von Stahlrohr rahmen lassen (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Beide Stücke wurden 1932 bei Thonet in Frankenberg produziert. Dass auch unsere Großvätergeneration schon platzsparend dachte, beweist ein Bettsofa von Max Ernst Haefeli aus dem Jahr 1931 (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR).

Die Nachkriegszeit bestimmt skandinavisches Design, darunter eine Deckenlampe von Alvar Aalto von 1952. Sie scheint aus runden Pagodendächern zusammengesetzt zu sein (Taxe 1.600 bis 2.200 EUR). Von Arne Jacobsen gibt es vier seiner „Ameisen“-Stühle von 1951 in einer schwarzen Ausführung von 1969 (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR). Und Poul Henningsen steuert ein Paar seltener Wandleuchten bei, bei denen das Licht durch zehn vertikal angeordnete Opalglasstreifen gelenkt wird (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR). Fast schon unikaten Charakter hat nimmt die zwei Meter messende Deckenleuchte von Gio Ponti ein. 1964 entwarf er sie für den Spiegelsaal des Hotels „Parco dei Principi“ in Rom. Heute sind nur vier Exemplare bekannt (Taxe 24.000 bis 28.000 EUR). An Kreationen aus Frankreich führt der Katalog Serge Mouilles bekannte Wandlampe mit ihren krakenartigen Armen und den ovalen schwarzen Schirmen an (Taxe 7.500 bis 8.500 EUR) und aus Österreich Roland Rainers Garderobe, die er 1956 für die Ausstattung der ebenfalls von ihm erbauten Wiener Stadthalle schuf (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR).

Klassischern Zuschnitts ist Florence Knolls Sofa mit Armlehnen „Mod. 67 A“ mit cognacfarbenem Lederbezug, das sich bestens im Landsitz begüterter Amerikaner macht (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Dagegen ist der „Swag legged desk“, ein filigraner Schreibtisch von George Nelson aus dem Jahr 1956, nur für Europa produziert worden, da er anstatt der üblichen Version in Nuss in Palisander ausgeführt wurde (Taxe 5.500 bis 7.000 EUR). Auch für Liebhaber der knalligen Pop-Möbel der 1960 und 1970er Jahre hält die Auktion eine Stücke bereit, so Joe Colombos „Tube“-Sessel aus verschieden großen liegenden Zylindern in Schwarz und Weiß von 1969/70, Verner Pantons blaugrüne Wandelemente aus rund hervortretenden Noppen von 1970/71 (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR), oder mehrere Exemplare seiner Shell-Leuchten aus Perlmutt-Muschelplättchen (Taxen zwischen 1.000 und 2.800 EUR).

Auffällig ist dann noch Pantons „Cheese“-Gruppe aus einem Tisch und sechs Stühlen, die 1969/70 für die Visiona 2 in Köln bei Bayer Leverkusen in kleiner Auflage produziert wurde. Die dunkelvioletten Stühlen sind wie dreieckige abgerundete Käsestücke geformt und lassen sich ganz unter den Tisch mit der weißen Platte schieben, so dass eine geometrische Trommelskulptur a la Otto Herbert Hajek entsteht (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Für das Radical Design stehen der Kleiderständer „Cactus“ von Guido Drocco & Franco Mello von 1970 (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) oder der Bodenbelag „Pave Piuma“ von Piero Gilardi von 1965, der den Weg eines Kopfsteinpflaster samt darauf verteilter grüner und brauner Blätter imitiert (Taxe 3.600 bis 4.200 EUR). Die jüngsten Stücke stammen von Ron Aarad – sein radrundes, rollbares Bücherregal „RTW-Rad“ von 1996 (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR) – und von Franz West. Bei seinem Stuhl „Schöne Aussicht“ von 1989 muss man sich schon fragen, ob er noch nutzbares Möbelstück oder doch schon eher autonomes Kunstwerk ist (Taxe 6.000 bis 9.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 9. November um 17 Uhr. Die Vorbesichtigung ist noch bis zum Auktionsbeginn täglich außer sonntags von 10 bis 18 Uhr, am 6. November von 9 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog ist auch im Internet unter www.dorotheum.com einsehbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



08.11.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Luigi Colani, Sitzlandschaft „Pool“, 1970/71
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 Jaray, Causeuse, Wien um 1900/02
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 Aalto, Deckenlampe Mod. A 331, 1952
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 Deckenluster, 1964
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 Knoll, Sofa Mod. 67A, 1958
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Josef Hoffmann zugeschrieben, Sitzgruppe mit Eckverbau, Wien um 1902/03
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Joe Colombo,
 Tube-Sessel, 1969/70
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Verner Panton, Chesse-Gruppe, 1969/70

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Piero Gilardi, Pave Piuma, 1965

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Alvar Aalto, Deckenlampe Mod. A 331, 1952

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Taxe: 1.600 - 2.200 EURO

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Josef Hoffmann, Josef Hoffmann zugeschrieben, Sitzgruppe mit Eckverbau, Wien um 1902/03

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Taxe: 32.000 - 42.000 EURO

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Marcel Breuer, Regal Mod. 176, 1932/33

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Taxe: 18.000 - 25.000 EURO

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Florence Knoll,  Sofa Mod. 67A, 1958

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Taxe: 3.000 - 4.000 EURO

Losnummer: 223

Sigmund Jaray, Causeuse, Wien um 1900/02

Sigmund Jaray, Causeuse, Wien um 1900/02

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Ron Arad, TRW-Rad, 1996

Ron Arad, TRW-Rad, 1996

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Gio Ponti,  Deckenluster, 1964

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Joe Colombo,  Tube-Sessel, 1969/70

Joe Colombo, Tube-Sessel, 1969/70

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Max Ernst Haefeli,  Bettsofa, 1931

Max Ernst Haefeli, Bettsofa, 1931

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