 |  | Iris Schieferstein, Fische, 2004 | |
Wenn sich die Welt der Kunstfreunde in diesen Tagen nach Berlin aufmacht, dann sollte gutes Schuhwerk im Gepäck nicht fehlen. Neben den verschiedenen Aktivitäten, die das Art Forum zu bieten hat, wimmelt es in der Stadt von Ausstellungen und Events. Schon im Vorfeld der Kunstmesse haben sich fünf Berliner Galerien zusammengefunden, um zum zweiten Mal in den ursprünglichen Hallen des Pfefferbergkomplexes einen Überblick über ihr Skulpturenprogramm zu geben. Auf Initiative des Galeristen Horst Dietrich haben sich die Galerien Deschler, DNA, Tammen & Busch und Raffael Vostell bemüht, unterschiedliche Positionen zeitgenössischer Skulptur zu einem aufregenden Überblick zusammenzustellen.
Dass sich derartige Initiativen auch manchmal dem Besuch der Polizei stellen müssen, haben die Galeristen soeben erfahren. Iris Schieferstein, von DNA vertreten, arbeitet mit Tierpräparaten, die sie zu eigenwilligen Geschöpfen zusammenfügt. Radikale Tierschützer hatten auf der Webseite der Künstlerin geschützte Arten entdeckt und die Polizei zum Einsatz gebracht. Diese erschien prompt und beschlagnahmte einige Stücke. Übrig geblieben sind offizielle Quittungen der Polizeibehörde. Dagegen scheinen die Mischwesen von Deborah Sengl bei Deschler gar harmlos.
Costantino Ciervo zeigt einen gläsernen Menschen der durch ein Meer von Poesie schwimmt. Ciervo ist die nächste Ausstellung in der Galerie Vostell gewidmet. Horst Dietrich wartet mit einem riesigen Mobile von Helmut Dirnaichner auf und selbstverständlich mit Albrecht Genin, dessen laufende Fische sich im Raum selbstständig machen wollen. In den eindrucksvollen Hallen der ehemaligen Brauerei hat man auf 1.000 Quadratmeter genügend Raum, um sich den Skulpturen von Hans van Meeuwen, Elvira Bach, Lisette Verkerk, MK Kähne, Mariana Vassileva und anderen in aller Ruhe von allen Seiten zu nähern.
Auf eine Initiative der Konrad-Adenauer-Stiftung geht eine Ausstellungsreihe in zehn Berliner Galerien und der Stiftung zurück, die aktuelle Positionen der Malerei, Skulptur, Fotografie, Video- und Installationskunst aus den zehn neuen EU-Ländern zeigen. Unterstützt wird das Projekt - nicht nur ideell, sondern auch finanziell - durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur, Christina Weiss. Die Galerien hatten die freie Auswahl unter den ausgesuchten Künstlern. So taucht man bei Giedre Bartelt in die Kunst von Peeter Laurits und Ain Mäeots aus Estland ein.
Bei Jarmuschek und Partner trifft man auf die vielschichtige Videoinstallation „Crossfire“ der Slowenin Natasa Prosenc. Horst Dietrich hat sich die Videoarbeiten und Buchobjekte von Joanna Hoffmann aus Polen ausgesucht, Eva Poll fühlte sich der Malerei von Ritmus Ivanovs aus Litauen verbunden und der Galerist Kai Hilgemann hat sich unter dem Titel „Czech, the market“ jungen tschechischen Positionen angenommen, die in einen Dialog mit dem 1968 in die BRD emigrierten Künstler Jan Smejkal treten.
Beide Veranstaltungen fallen sicherlich positiv aus dem Gros des übergroßen Angebots rund um das Art Forum Berlin heraus. Nicht zuletzt, weil engagierte Galeristen und global denkende Kuratoren, wie Anemone Vostell, einmal mehr Denkhorizonte erschließen und Sehräume erweitern.
Weitere Informationen zum „Kulturjahr der Zehn“ mit den Adressen aller beteiligten Galerien unter www.kulturjahrderzehn.de
„5x5 Skulpturen am Pfefferberg II“ läuft noch bis zum 26. September. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
Pfefferberg - Haus 2
Schönhauserallee 178
Zugang über Christinenstraße 18/19
D-10119 Berlin
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