 |  | Robert Delaunay, Rhythme (Formes circulaires), 1934 | |
„Rhythme“ ist die Gouache von Robert Delaunay betitelt und weist darauf hin, das vor allem die frühen französischen Abstrakten sich von der Musik zu ihren ungegenständlichen Kompositionen beeinflussen ließen. Schon auf dem vorderen Katalogcover zur kommenden Auktion von Jeschke, Greve & Hauff leitet die hochrechteckige, abstrakte Komposition aus kettenartig aneinander gereihten Kreissegmenten in hellen Komplementärfarben in die Auswahl ein. 1934 schuf der Hauptwegbereiter des auf der farbigen Zerlegung des Lichts beruhenden Orphismus das Arrangement, unter dem man sich auch eine Figur vorstellen kann. Mit 24.000 Euro ist es das zweithöchst bewertete Los der Versteigerung am 5. Juni. Zwei ähnlich gestaltete Fassungen, ausgeführt als Farblithografien, stammen von der Künstlergattin Sonia Delaunay-Terk und sollen je 600 Euro einspielen.
635 Positionen listet der Katalog des Berliner Hauses, meist mit Kunst des 20. Jahrhunderts. Knapp 100 Lose entfallen auf Ausgrabungen, außereuropäische Kunst oder Kunsthandwerk, die sich etwas deplaziert im Katalog ausnehmen. 64 Nummern umfasst das Kapitel der Kunst vor 1900. Hier findet sich das das teuerste Werk der Veranstaltung. Aus der Sammlung des Berliner Kunsthändlers Paul Cassirer stammt das Ölbild einer Juralandschaft von Gustave Courbet. Zum Zeitpunkt der Entstehung im Jahr 1876 lebte Courbet im Schweizer Exil und arbeitete eng mit Mitarbeitern seines Ateliers zusammen. Ihnen übertrug die Ausführung bestimmter Details. Während die Landschaft in „La Cascade d’Hauteville“ vom Meister selbst gemalt wurde, führte sein damaliger Mitarbeiter Cherubino Pata zwei Mädchen aus, die einen Wasserfall anschauen (Taxe 30.000 EUR).
Aus den überwiegend dreistellig bewerteten Arbeiten in dieser Rubrik ragen das Stillleben "Pfingstrosen in einer Vase" von Albert Lebourg, gemalt in impressionistischen Verwischungen (Taxe 9.000 EUR), und zwei Alben mit rund 100, um 1810 entstandenen klassizistischen Zeichnungen des Magdeburgers Carl Sieg heraus (Taxe 5.000 EUR). Noch etwas früher, in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts lassen sich die Radierungen von Christian Wilhelm Ernst Dietrich, genannt Dietricy, datieren. Die meisten sind Landschaftsdarstellungen. Manche erzählen aber auch von der griechischen Mythologie oder aus der Bibel. Für die zu je drei Blättern zusammengebundenen Lose muss man gar nicht tief in die Tasche greifen. Ihr Schätzpreis liegt bei je 300 Euro. Die romantische Märchenwelt lässt Fritz von Uhde 1875 noch einmal in dem Gemälde „Irrlicht“ erstehen (Taxe 6.000 EUR). Und für erstaunlich günstige 750 Euro gibt es ein Portrait von Anders Zorn, das sein dänischer Künstlerkollege Peder Mork Mønsted 1910 schuf.
Max Ackermanns satirischer „Pfandbrief“, eine Radierung von 1924, leitet zur Modernen Kunst und Künstlergrafik über. Vier farbenfrohe, aus geometrischen Grundformen bestehende „Kompositionen“ von Max Bill, dem bekannten Schweizer Maler und Zeichner der konkreten Kunst mit großem Einfluss als Theoretiker und Lehrer, sind schon in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu verorten. Die Farbserigrafien sollen zwischen 200 und 240 Euro erbringen. Aus dem Rahmen fällt ein Spätwerk von Georges Braque. Der Franzose schuf 1956 ein so gar nicht an den Kubismus angelehntes Blumenstillleben. Die Farbaquatintaradierung wird auf 5.000 geschätzt. Noch höhere Schätzungen zeichnen zwei Entwürfe zu einem Titelblatt für die Zeitschrift "Gebrauchsgrafik" aus, die 1968 vom Spanier Antoni Clavé erdacht wurden. Die Mischung aus Collage und Aquarell listet der Katalog für 15.000 und 16.000 Euro.
Auch neben Sonia Delaunay-Terk tut sich die russische Kunst besonders hervor. Natalja Gontscharowa, eine der bedeutenden russischen Malerinnen der Moderne, ist mit einem Stillleben mit Blumen und Fischen vertreten (Taxe 8.000 EUR). Von Wassily Kandinsky wird eine abstrakte Komposition der Folge „11 Tableaux et 7 Poèmes“ einer bibliophilen Vorzugsbuchausgabe von 1945 offeriert (Taxe 1.800 EUR). Weiter folgen sechs abstrakte oder konstruktiv-figürliche, in Mischtechnik ausgeführte Kompositionen aus der Schule des St. Petersburger Malers Vladimir Lebedev (Taxen zwischen 360 und 450 EUR). Ganz zu abstakten Farbkompositionen sind die drei Lithografien von André Lanskoy aus dem Jahr 1959 geronnen (Taxe 300 EUR). Und zwei hervorragende konstruktivistische Arrangements der 1920er Jahre ohne Künstlernachweis in der Art von Kasimir Malewitsch ergänzen das Angebot aus Russland (Taxen 1.200 und 2.000 EUR).
Auch das orientalische Syrien ist künstlerisch präsent, und zwar durch Marwan. Vom Berliner Fred-Thieler-Preisträger des Jahres 2002 führt der Katalog drei interessante „Gesichtslandschaften“ an. Die je auf 3.000 Euro geschätzten Ölbilder aus den 1970er Jahren zeigen Köpfe aus monumentalen Farbinseln, die sogleich wieder in reine, fast abstrakte Malerei zerfließen. Von dem eben verstorbenen Leipziger Maler Werner Tübke ist eine Mappe mit insgesamt elf Lithografien aus dem Jahr 1980 im Angebot, die seine fantastische, altertümliche Welt zeigen (Taxe 3.600 EUR). Und von seinem Kollegen Max Uhlig stammt das Aquarell „Landschaftsformation“, die der Dresdner aus seinen typischen überkreuzten, bunten Streichbündeln gebildet hat (Taxe 600 EUR).
Im satten Schwarz präsentiert sich dagegen ein seltener Handdruck von Karl Schmidt-Rottluff. Der mit 10.000 Euro taxierte, expressionistische Holzschnitt aus dem Jahr 1910 zeigt einen Elbhafen. Sein nicht so bekannter Brückefreund Fritz Bleyl, dessen Hauptbetätigungsfeld die Grafik war, ließ sich um 1930 auch von einem deutschen Strom zum dichten Holzschnitt „St. Goar am Rhein“ inspirieren. Tiermotive sind das beliebte Sujet von Franz Marc, die er in sein friedliches, kosmisches Paradies verlegte, wie auch in dem Holzschnitt „Tierlegende“ von 1912 (Taxe 450 EUR). Im Gegensatz dazu haftet den 14 Fotolithografien von George Grosz nichts Lyrisches und Heiteres an. Sie sind krasse Kritiken an den gesellschaftlichen und moralischen Gegebenheiten der Weimarer Republik (Taxe je 360 EUR).
Genau ein Dutzend Werke stark ist der Abschnitt der Kleinplastik. "Zwei Büffel im Kampf", so betitelte der gebürtige Schwede Peder Jensen seine Bronzeplastik, die mit geschätzten 450 Euro das teuerste Stück darstellt. Abschließend stehen 99 Miscellanea und Artefakte zum Verkauf. Sie untergliedern sich in Stücke aus der Antike, wie Öllampen aus der Zeit um Christi Geburt (Taxe 160 EUR), eine assyrisch-babylonische Halskette (Taxe 380 EUR) oder ein neuassyrisches Rollsiegel aus dem achten Jahrhundert v. Chr. (Taxe 750 EUR), Asiatika, wie ein Ingwer-Topf aus der Ming-Zeit (Taxe 1.000 EUR), oder dekorative Dinge, wie eine reizvolle Jugendstilwaage mit linearer Ornamentik (Taxe 360 EUR). Gegenstände aus Glas, Elfenbein, Eisen, Metall, Silber, Zinn, Porzellan sowie Kleinmöbel, Miniaturen, Münzen, Heraldik und Keramikgefäße, darunter 32 präkolumbianische Stücke (Taxen zwischen 120 und 360 EUR), schließen sich an.
Die Auktion beginnt am 5. Juni um 15 Uhr. Zur Vorbesichtigung kann man die Stücke noch bis zum 3. Juni täglich von 11 bis 19 Uhr in Augenschein nehmen.
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