Düsseldorf träumt mit Niki de Saint Phalle  |  | in der Ausstellung „Niki de Saint Phalle – Dream Machine“ | |
Der Ausstellungstitel „Niki de Saint Phalle – Dream Machine“ deutet schon an, dass das Schaffen der französisch-amerikanischen Künstlerin um den Traum als radikalen Akt gesellschaftlicher Veränderung kreist. Daher nimmt das Museum Kunst Palast in Düsseldorf den über vier Jahrzehnte andauernden Kampf Niki de Saint Phalles gegen Strukturen, die Frauen das Recht auf Selbstbestimmung, insbesondere über den eigenen Körper, verwehren, in seiner aktuellen Schau in den Blick. Ihr Œuvre ist von mehreren prägenden Lebenserfahrungen beeinflusst, etwa dem Missbrauch durch ihren Vater, der konfliktreichen Beziehung zu ihrer Mutter oder den traumatisch empfundenen Geburten ihrer beiden Kinder. Gewalt, Schmerz und Waffen verarbeitete Saint Phalle in ihrer als Therapie empfundenen feministischen Kunst und verband dies mit allgemeinen Problemen der Gesellschaft.
Die 1930 im französischen Neuilly-sur-Seine geborene Tochter eines Franzosen und einer Amerikanerin und 2002 in Kalifornien verstorbene Künstlerin hinterließ ein vielfältiges Werk, das Malerei, Assemblage, Performance, Plastik, Architektur, Film, Grafik, Design, Kunst im öffentlichen Raum oder Hörspiele umfasst. Die von Heike van den Valentyn kuratierte Übersicht beinhaltet rund hundert, in zwölf thematischen Räumen dicht gedrängt arrangierte Exponate, denen dialogisch Werke von Eva Aeppli, Evelyne Axell, Dorothy Iannone, Jasper Johns, Luise Kimme, Yves Klein, Yayoi Kusama, Maria Pininska-Beres, Robert Rauschenberg, Martial Raysse, Ulrike Rosenbach, Daniel Spoerri, Alina Szapocznikow, Jean Tinguely, Per Olof Ultvedt und Jacques de la Villeglé beiseite gestellt sind.
Die Schau setzt ein mit den zu Beginn der 1960er Jahre entstandenen Schießbildern, bei denen der Schuss den Pinsel ersetzte und Reliefs zu Zielscheiben wurden. Diese Arbeiten gaben den Ausschlag, Niki de Saint Phalle als einzige Frau in den Kreis der Nouveaux Réalistes aufzunehmen. Mit den Schüssen zielte sie besonders auf eine männliche Welt, die ihrer Ansicht nach eine überbordende Dominanz einnahm. Daraus entwickelte sie eine neue Bildsprache in Form monumentaler, architektonisch gedachter Frauenkörper, mit denen sie die Welt buchstäblich auf den Kopf stellte. Ihre farbenfrohen sogenannten „Nanas“ evozieren selbstbewusst das Thema der Weiblichkeit in der Kunst und verweigern sich im Gegensatz zu traditionellen Darstellungen der Rolle des sexualisierten Objekts. Zudem entwickelte Niki de Saint Phalle eigene Interieurs und Möbel, die als Rückzugsorte zum Verweilen und Träumen einladen sollten. Auf diese Weise wollte sie das Publikum in ihre Arbeiten einbeziehen.
In den 1960er und 1970er Jahren gestaltete sie ferner Bühnenbilder und Kostüme für zahlreiche Theater- und Filmprojekte, verfasste Drehbücher und übernahm auch Rollen in Filmen, in denen sie auf Traumsequenzen zurückgriff. Mitschnitte werden in Düsseldorf in einem Filmraum präsentiert. Ein eigener Raum widmet sich dem „Giardino dei Tarocchi“ in der Toskana. Den Tarot-Garten baute Niki de Saint Phalle über Jahrzehnte hinweg als Gesamtkunstwerk auf und machte hier ihre Sehnsucht nach Geborgenheit als begehbare Utopie erfahrbar. An dem gemeinsam mit Jean Tinguely entwickelten Ort verschmelzen Skulptur, Architektur und glitzernde farbenreiche Mosaike aus Spiegeln, Keramik und Glas mit der Landschaft zu einer fantasievollen Welt.
Die Ausstellung „Niki de Saint Phalle – Dream Machine“ ist bis zum 7. Februar 2027 zu besichtigen. Das Museum Kunst Palast hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 12 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 39,80 Euro kostet.
Museum Kunst Palast
Ehrenhof 4-5
D-40479 Düsseldorf
Telefon: +49 (0)211 – 566 42 100 |