Aschaffenburg widmet sich Kirchner, Bauknecht und der Schweizer Bergwelt  |  | Ernst Ludwig Kirchner, Berghirte im Herbst, 1921 | |
„Expressionismus in Davos“ hat das Kirchnerhaus in Aschaffenburg seine aktuelle Ausstellung überschrieben und widmet sich zwei Protagonisten, die in der Graubündner Gegend aufeinandertrafen: Ernst Ludwig Kirchner und Philipp Bauknecht. Beide Künstler begegneten sich 1919 erstmals in Davos und hatten den Kurort in den Schweizer Alpen aus gesundheitlichen Gründen als Wohnsitz gewählt. Hier traten sie in einen künstlerischen Austausch und schätzten die Arbeiten des jeweils anderen. Abseits des mondänen, von internationalen Gästen geprägten Kurmilieus fanden sie in der eindrucksvollen Bergwelt und im Alltag der Bergbäuerinnen und -bauern neue künstlerische Inspiration. Aus dieser Erfahrung entstanden Werke von außergewöhnlicher Ausdruckskraft, die den Expressionismus um eine alpine Dimension erweiterten. Aus dem Œuvre der beiden hat Kuratorin Julia Hasenstab mehr als siebzig Gemälde, Druckgrafiken, Zeichnungen und weitere Arbeiten auf Papier zusammengetragen, legt den Schwerpunkt auf Bauknecht und präsentiert das Schaffen des unbekannten Künstlers in einer größeren Auswahl.
Die Ausstellung beleuchtet Ernst Ludwig Kirchners künstlerische Entwicklung in seinen frühen Davoser Jahren. Nach der Zeit in Dresden und Berlin richtete er ab 1918 den Blick auf die monumentale Schweizer Alpenlandschaft, die ihn zunächst überwältigte und später zu einer Bildsprache zunehmender Ruhe und Harmonie führte. Die Alpen wurden für ihn zum Ort der Erneuerung und zum Gegenbild der modernen Großstadt. Auch der 1884 geborene Philipp Bauknecht war ein Anhänger des Expressionismus und malte in kräftigen Farben und vereinfachten Formen. In Davos entwickelte er einen unverwechselbaren Stil, geprägt von greller Farbigkeit, kraftvollen Formvereinfachungen und einer oft existenziellen Bildsprache. In seinen Darstellungen des bäuerlichen Lebens und der alpinen Landschaft verknüpfte er unmittelbare Naturbeobachtung mit symbolischer Verdichtung. Die Schau lädt dazu ein, zwei bedeutende Künstlerpersönlichkeiten der Moderne in der Abgeschiedenheit der Bündner Bergwelt, ihre Werke, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken.
Die Ausstellung „Expressionismus in Davos. Ernst Ludwig Kirchner und Philipp Bauknecht“ ist bis zum 10. Januar 2027 zu sehen. Das Kirchnerhaus hat dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr, am Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro und ist für Kinder bis 15 Jahre frei. Der Ausstellungskatalog kostet 34,50 Euro.
Kirchnerhaus Aschaffenburg e.V.
Ludwigstraße 19
D-63739 Aschaffenburg |