Kaiserring-Stipendiatin Mona Filleul in Goslar  |  | Mona Filleul, Ta lyubit tu 1, 2022 | |
Seit dem Wochenende präsentiert das Mönchehaus Museum in Goslar das Schaffen von Mona Filleul. Anlass ist die Verleihung des diesjährigen Kaiserringstipendiums an die 1993 in Mulhouse geborene Französin, die in Paris und Brüssel lebt. Auch in Goslar hat Filleul eine ihrer vielschichtigen Installationen aufgebaut, in denen sie industrielle Baumaterialien wie Dämmplatten, Schaumstoff und Beton mit Bienenwachs, Kunsthaar, Modeschmuck, Hanf, blinkenden LEDs, Audioelementen, Stofftieren, Anime-Figuren oder anderen Elementen der Popkultur verknüpft. Da sie die Konstruktionen ihrer Reliefs bewusst offenlegt und den Betrachter*innen in den metallenen Raumdisplays auch die Rückseiten ihrer Kunstwerke mit den Verkabelungen, Befestigungen, der Elektronik und weiteren konstruktiven Elemente zeigt, hinterfragt sie Bilder aus Mangas, Animationsfilmen, Handyfotos, die Ästhetik des Niedlichen und Vorstellungen von Mädchensein und die gesellschaftlichen Zuschreibungen, die sich damit verbinden.
Mona Filleul erkennt darin tiefgreifende, identitätsbildende und körperverändernde Wirkungen. Zugleich ist ihre Praxis von engen Arbeitsbeziehungen zu anderen Transfrauen geprägt, die auf gemeinsamen Erfahrungen und materiellen Lebensrealitäten beruhen. Mit ihren Werken, die die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Assemblage verwischen und in eine architektonische Szenografie eingebettet sind, schafft sie einen Zufluchtsort für den zunehmend kontrollierten Ausdruck queerer Subjektivität. So hat Mona Filleul ihre Installation in Goslar mit einem silbernen Glitzervorhang umgeben, der an freie Ausdruckswelten im Nachtleben erinnert und zugleich einen Schutzraum bietet. Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung sind hier weniger Ausdruck einer Idee von Gemeinschaft oder Fürsorge als vielmehr praktische Notwendigkeiten in einem Feld, in dem transfeminine Künstlerinnen weiterhin unterrepräsentiert sind und oft unter prekären Bedingungen arbeiten.
Seit 1984 wird das Kaiserringstipendium jährlich vom Verein zur Förderung Moderner Kunst Goslar an junge Künstlerinnen und Künstler vergeben. Es beinhaltet eine Einzelausstellung im Mönchehaus Museum mit Katalog sowie eine Ankaufsgarantie. Die Jury setzt sich aus den Vorstandsmitgliedern des Vereins, der Direktion des Mönchehaus Museums und externen Fachjuroren zusammen. Parallel vergibt der Verein jährlich den Kaiserring. Der renommierte Kunstpreis wird am 10. Oktober an Gabriele Stötzer verliehen.
Die Ausstellung „Kaiserringstipendium 2026: Mona Filleul - I love t.s.“ ist bis zum 31. Januar 2027 zu sehen. Das Mönchehaus Museum Goslar hat dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 1,50 Euro.
Mönchehaus Museum Goslar – Verein zur Förderung moderner Kunst e.V.
Mönchestraße 1
D-38640 Goslar
Telefon: +49 (0)5321 – 29 570 |