Berlin beleuchtet das Werk des Architekten Josef Kaiser  |  | in der Ausstellung „Josef Kaiser. Bauten für die DDR“ | |
Mit der Ausstellung „Josef Kaiser. Bauten für die DDR“ wirft die Berlinische Galerie einen Blick auf das Werk eines der prägenden, aber dennoch wenig bekannten Baumeister der DDR. Der Nachlass des 1910 im heutigen slowenischen Celje geborenen und 1991 bei Altenberg im Erzgebirge verstorbenen Architekten befindet sich nunmehr in den wissenschaftlichen Sammlungen des Leibniz-Institutes für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner sowie im Bestand der Berlinischen Galerie. Aus diesem Fundus stellt nun erstmals eine Schau bedeutende Bauten anhand von Plänen, Modellen, Fotografien, Dokumenten oder Materialproben öffentlich vor. Die von Ursula Müller griffig in vier Kapitel samt Prolog gegliederte Werkübersicht konzentriert sich auf wesentliche Arbeiten des in unterschiedlichen Kollektiven tätigen Josef Kaiser, dessen unverwechselbare Handschrift seiner Kultur- und Wohnbauten sowie seiner stadträumlichen Ensembles dennoch klar ersichtlich wird.
Die Bauten von Josef Kaiser entwickelten sich unter den Vorzeichen unterschiedlicher politischer Systeme. Nach dem Architekturstudium an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag war die Mitarbeit am neuen Kreishaus der NSDAP in Weimar sein erstes Projekt. Infolge der Annexion des Sudetenlandes wurde er deutscher Staatsbürger, 1939 Mitglied der NSDAP und verantwortete eine Reihe von Projekten vornehmlich auf dem Gebiet des Kultur- und Wohnungsbaus in konservativ-traditionalistischer Formensprache mit Anklängen an den Klassizismus. Nach dem Kriegsdienst und Engagements als Operettensänger kehrte er 1950 in seinen Architektenberuf zurück. Mit dem Kulturhaus Maxhütte in thüringischen Unterwellenborn bei Saalfeld entwickelte er ab 1951 den Prototyp dieser Bauaufgabe im neoklassizistischen Stil, da seine zunächst modernen Ideen aufgrund politischer Leitvorstellungen abgelehnt wurden. Ab 1953 entwarf er als Chefarchitekt im selben Stil die erste „sozialistische Stadt“ der DDR, das heutige Eisenhüttenstadt, als moderne Planstadt mit klassizistisch inspirierten Arbeiterpalästen. Zu den Überraschungen in der Ausstellung gehören seine Planungen der 1950er Jahre für Projekte in der BRD, darunter ein Entwurf für die neue Bonner Beethovenhalle, der 1954 in die engste Wahl des Architekturwettbewerbs kam, oder Wohnbauten in West-Berlin, Essen oder Mannheim.
In der Phase des staatlich forcierten Übergangs zu modernen Bauweisen ab 1956 konnte Josef Kaiser markante Bauten in Berlin realisieren, beginnend mit dem Kino Kosmos. In der Aufsicht erinnert der Grundriss an einen Kosmonautenkopf. Große Glasflächen öffnen den klar gestalteten, feierlich anmutenden Bau zum Stadtraum. Neben modernen Wohnzeilen mit typisierten Grundrissen an der Stalinallee schuf er das Kino International mit dem markanten, über dem Stadtraum schwebenden Obergeschoss und großzügiger Panoramafront, ein Werk, mit dem er an internationale Beispiele anknüpfte. Neben dem 1995/96 abgerissenen Hotel Berolina zählt das Café Moskau zu seinen bekanntesten Bauten. Mit dem Sputnik-Modell über dem Eingang und dem Mosaik „Aus dem Leben der Völker der Sowjetunion“ verknüpfte er den zweigeschossigen Atriumbau mit politischen Symbolen. Mit dem 153 Meter langen und zehn Geschosse hohen Neubau des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten entstand zwischen 1964 und 1967 ein weiterer Schlüsselbau im Berliner Zentrum. Die markante Metallfassade im „International Style“ sollte den diplomatischen Anspruch der DDR betonen.
Ein weiterer Ausstellungssektor widmet sich Kaisers visionären Entwürfen für die sozialistische Stadt der Zukunft, in dem Studien zu Megastrukturen im Mittelpunkt stehen. 1968 endete seine Zeit als Chefarchitekt bei VEB Berlin-Projekt, und Kaiser zog mit der Familie nach Dresden um. 1969 nahm er eine Professur am Weiterbildungsinstitut für Städtebau und Architektur in Naumburg, einer Außenstelle der HAB Weimar, an, gab sie aber schon zwei Jahre später wegen gesundheitlicher Probleme wieder auf und beschränkte sich auf eine Beratertätigkeit bei den Sonderbauvorhaben in Berlin. Immer verstand es Josef Kaiser, in einer alltagsorientierten, technisch-modernen Formensprache funktionale Klarheit und repräsentative Gesten in einer eigenständigen Sprache zu formulieren, die internationale Anerkennung fand.
Die Ausstellung „Josef Kaiser. Bauten für die DDR“ ist bis zum 1. Februar 2027 zu sehen. Die Berlinische Galerie hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 7 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 29,80 Euro, im Buchhandel 48 Euro kostet.
Berlinische Galerie
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