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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Nicht alles, was vor kurzem im Auktionsmarkt gehandelt wurde und Koller in Zürich nun erneut anbietet, kann sein Preisniveau halten. Ansprechend sind die Gemälde Alter und Neuerer Meister aber allemal

Das Wirtshaus zum Schwan



Pieter Breughel d.J.,  Das Wirtshaus zum Schwan, um 1626

Pieter Breughel d.J., Das Wirtshaus zum Schwan, um 1626

Seinen Vater hat er kaum gekannt: Als Pieter Bruegel d.Ä. im September 1569 in Brüssel starb, war sein ältester Sohn Pieter Breughel d.J. gerade einmal fünf Jahre alt. Eine Ausbildung war bei ihm daher nicht möglich. Ersten Unterricht soll der jüngere Breughel vielmehr bei seiner Mutter Mayken Coecke und seiner Großmutter Mayken Verhulst erhalten haben und nach Angaben des Kunstschriftstellers Karel van Mander später noch bei dem Landschaftsmaler Gillis van Coninxloo in Antwerpen in die Lehre gegangen sein. Dennoch hat Pieter Breughel d.J. den malerischen Stil und die Themenwahl seines Vaters fortgeführt. Den weitaus größten Teil seines Œuvres machen Gemälde nach vorhandenen oder bekannten, aber heute verschollenen Originalen Pieter Bruegels d.Ä. aus. Somit bediente er um 1600 die rege Nachfrage nach den Schöpfungen seines Vaters. Als eine der wenigen eigenen Kompositionen gilt sein „Wirtshaus zum Schwan“. Im Gegensatz zu seinem Vater zeichnen sich die ab Mitte der 1620er Jahre entstandenen Versionen dieses Motivs durch recht großformatige Personenschilderungen aus, die den Betrachter unmittelbar ins Geschehen einladen. Eine frühe Ausführung dieser fröhlich zechenden Dorfgesellschaft führt nun die Gemäldeauktion bei Koller in Zürich an. Brachte die um 1626 gemalte Tafel im Juli 2022 bei Sotheby’s in London noch 950.000 Pfund netto, ist sie nun in der Schweiz schon ab 600.000 Franken zu haben.


Weiter von dem väterlichen Vorbild hat sich Pieters vier Jahre jüngerer Bruder Jan Brueghel d.Ä. entfernt. Seine Landschaften, Blumenbilder und religiösen Szenen zeichnen sich durch eine feine und präzise malerische Virtuosität und leuchtende, zart abgestufte Farben aus. Das macht in der Auktion sein auf Kupfer gemalter, 1606 datierter „Weg zum Markt“ deutlich, auf dem sich eben zahlreiche Marktleute mit Körben und Tonkrügen, beladene Kutschen, Reiter zu Pferd und Edelmänner mit Federhut, Flinte und Degen treffen. Brueghels erzählerische Weiterentwicklung der Weltlandschaft des 16. Jahrhunderts soll 350.000 bis 500.000 Franken einspielen. Mit noch mehr manieristischer Verve hat sein älterer Antwerpener Kollege Gillis Mostaert seine figuren- und detailreiche „Dorfkirmes“ in der zweiten Hälfte der 1570er Jahre lebendig ausgeführt (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Ein später Nachfolger dieser Tradition ist Theobald Michau, der noch im 18. Jahrhundert an Mostaert und Brueghel anknüpft, seine Flusslandschaft mit Reisenden, Bauern und Vieh vor einer Stadt aber ein wenig bunter und poetischer angelegt hat (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR).

Während Christoffel van den Berghe seine querformatige, silbrig schimmernde „Winterlandschaft mit Eisvergnügen“ an einem grauen wolkenverhangenen Tag mit vornehm gekleideten Personen ausgestattet hat (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR), geht es bei Jan Havicksz Steen etwas derber zu. Ausgelassen feiern seine Bauersleute vor einem Wirtshaus: In der Mitte tanzt ein junges Paar zur Musik eines Geigenspielers, ein älterer Herr ist schon etwas angetrunken und hat seinen Hosenschlitz nicht mehr schließen können, zwei Kinder mit ihren Spielzeugen schauen dem Treiben zu, und ein Großvater hält liebevoll seinen kleinen Enkel im Arm. Das Frühwerk, das bis 2024 als Leihgabe im Museum Wiesbaden hing, soll 30.000 bis 50.000 Franken erzielen. In bäuerlichen Gefilden bleibt es mit einer rustikalen Flusslandschaft Salomon van Ruysdaels aus dem Jahr 1653, in der einige Segelboote mit Fischern ruhig schippern und Kühe im Vordergrund durchs niedrige Uferwasser waten (Taxe 350.000 bis 500.000 SFR). Ungemütlich wird es dagegen bei einem Seestück seines Neffen Jacob van Ruisdael: Dramatisch lässt er die Boote auf der vom Sturm aufgewühlten See schaukeln und das Licht durch die Gewitterwolken auf das dunkelbraune Meer mit weißen Gischtkronen brechen (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR).

Konstruierte Blumenpracht

Gut bestückt hat Koller seine Auswahl wieder mit verschiedenen Stillleben. Zu den ältesten Beispielen dieser Gattung zählen Balthasar van der Asts formatfüllender atmosphärischer „Blumenstrauß in einer Wan-Li-Vase und mit einer Eidechse“ aus den 1620er Jahren, dessen Preis gegenüber dem letzten Auftritt bei Koller im März 2009 mit 225.000 Franken nun deutlich auf 60.000 bis 80.000 Franken gesunken ist, und Sebastian Stoskopffs ausgesucht sparsames Arrangements einer Spanschachtel mit Zitrusfrüchten und zwei Blumen in einer Glasvase (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Hohe malerische Könnerschaft spricht dann aus jüngeren Beispielen dieser Gattung, die dann aber auch etwas vordergründiger ausfallen, etwa auf Nicolaes van Gelders „Stillleben mit Früchten und einer Wan-Li-Schale“ von 1674 (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR), Nicolaes Lachtropius’ „Blumenstrauß in einer Silbervase mit Schmetterling und Schnecke auf einer Marmorplatte“ (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR) oder einem vergleichbaren Exemplar von Hendrik de Fromantiou (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR).

Philips de Marlier lässt sein Blumengesteck in einer mit einer Schlachtenszene reliefierten Vase hoch und exakt aufragen, was gar arg konstruiert erscheint (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Im Gegensatz dazu hat Rachel Ruysch ihre Blumen, an denen eben gerade eine gelbschwarze Raupe entlangkriecht, recht spontan und lässig auf eine Marmorplatte hingeworfen (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte dann Jan van Os zu den wichtigsten Vertretern der niederländischen Stilllebenmalerei. Das veranschaulicht ein üppiger, lebendig arrangierter Blumenstrauß auf einem Marmorsims, bei dem er sorgfältig kleinste Details, etwa die Wassertropfen auf den Blättern, die zarte Beschaffenheit der Blüten oder die flaumige Textur des Vogelnests, wiedergegeben hat (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Eher südländisch deftig und barock hat der Neapolitaner Luca Forte auf zwei Pendants ein Früchtesammelsurium auf Felsvorsprüngen vor einer Landschaft ausgebreitet (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR).

Abseits der Niederlande

Die Italiener sind bei Koller diesmal nicht so stark aufgestellt. Ein frühes qualitätvolles Beispiel ihrer Kunst ist eine um 1450 wohl in Florenz entstandene „Verkündigung Mariens“, die Francesco Pesellino zugeschrieben wird. Als Schüler Fra Filippo Lippis hat er sich dessen Kompositionsschema zu eigen gemacht, es aber in der Ruhe der Figuren und dem unmittelbaren Dialog zwischen dem Engel Gabriel und Maria weitergeführt (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Später tritt dann noch der nach Rom ausgewanderte Niederländer Jan Frans van Bloemen in Erscheinung, der sich 1735 bei seiner arkadischen Landschaft samt einer Stadt am Wasser und dem römischen Belvedere mit dem Staffagefigurenmaler Placido Costanzi zusammengetan hat (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR).

Deutschland beteiligt sich mit dem Monogrammisten I.W., einem Schüler Lucas Cranachs d.Ä., der sich nach seiner Wittenberger Lehrzeit vor allem in Nordwestböhmen umgetan hat. Seine „Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers“ macht augenscheinlich die Herkunft aus der Cranach-Werkstatt deutlich (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR). François Boucher hat sich selten mit der Gattung des Porträts beschäftigt. Kurz nach seiner Rückkunft aus Italien entstand vor 1740 dann doch das intime Bildnis eines Drehleierspielers in einer eleganten, aber locker getragenen Hauskleidung vor einer weiten Landschaft. Hinter der in ihren Gesang vertieften Figur könnte der Tenor Pierre de Jélyotte stehen, den Boucher persönlich aus der Société du Caveau kannte (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR).

Landschaft allenthalben

Die Hauptgattung bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts ist die Landschaft. Hier haben dann aber die Franzosen das Sagen, etwa Gustave Courbet, der seine Heimatregion, die Franche-Comté an der Grenze zur Schweiz, bereits in jungen Jahren erwanderte. Davon zeugen in der Versteigerung die stillen Naturausschnitte „Le petit pêcheur. Vallée de la Loue“ aus der Zeit um 1870 (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR) und „Un barrage près d’Ornans, L’Écluse de la Loue“ von 1861. Das Gemälde war bis Mai noch in der Courbet-Ausstellung im südfranzösischen Hyères zu sehen und geht jetzt mit 120.000 bis 150.000 Franken in Zürich an den Start. Ein weiterer großer französischer Landschaftsmaler war Jean-Baptiste Camille Corot. In den 1860er Jahren verbrachte er zahlreiche Sommer in der Normandie und schuf mehrere Ansichten von Saint-Lô und der Umgebung, so auch einen stimmungsvollen Blick auf die abendliche Stadtsilhouette mit den markanten, im Zweiten Weltkrieg aber zerstörten und heute nur noch als Rümpfe erhaltenen Doppeltürmen der Kirche Notre-Dame de Saint-Lô und dem Fluss Vire im Vordergrund (Taxe 120.000 bis 150.000 SFR).

Als weitere Vertreter der Schule von Barbizon gesellen sich Virgilio Narcisso Diaz de la Peña mit einer sommerlichen Waldlandschaft samt Bäuerin an einem Teich von 1859 und Paul Désiré Trouillebert mit einem duftigen Flusslauf samt Fischer mit seinem Boot hinzu (Taxe je 4.000 bis 6.000 SFR). Etwas tiefer muss man bei Eugène Boudin in die Tasche greifen, wenn seine bereits impressionistisch formauflösende Hafenvedute „Bassin de la Barre“ aus seinem Heimatort Le Havre von 1887 bei 70.000 bis 90.000 Franken zum Zug kommt. Winterlich wird es dann bei Andreas Schelfhouts „Schlittschuhläufer auf einem zugefrorenen Fluss vor einer Stadt“ an einem sonnigen Tag des Jahres 1847 und Ivan Fedorovic Choultsés dicht verschneitem, vom abendlichen Licht durchflutetem Wald mit violetten Schatten auf dem Schnee (Taxe je 40.000 bis 60.000 SFR), während es mit Félix Ziems Gondel in der venezianischen Lagune bei orangerotem Sonnenuntergang in südlich warme Gefilde (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR) und mit Carl Spitzwegs Blick in eine belebte Straße in Kairo gar ins heiße Ägypten geht (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Abkühlung verspricht dann Hans Thomas majestätisches Panorama des Lauterbrunnentals im Berner Oberland von 1904, das sich in seiner Stilisierung und Erhabenheit den Schöpfungen Ferdinand Hodlers nähert (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR).

Die Auktion beginnt am 18. September um 14 Uhr. Der Internetkatalog listet die Werke unter www.kollerauktionen.ch.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch

Startseite: www.kollerauktionen.com



16.09.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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