Ein Lauf durch die Zeit: Neues Asisi-Panorama in Konstanz eröffnet  |  | Das 360° Panorama Konstanz ist eröffnet | |
Seit dem Wochenende kann Konstanz mit einer neuen Attraktion aufwarten. Brachland inmitten hoher Auffahrtskreisel zur Autobahn bot bislang keinen positiven Eindruck am Tor zur Bodenseemetropole. Nun setzt der unwirtliche Ort aber mit einem neuen Panoramaturm einen markanten architektonischen Akzent. Schon von weitem erscheint der 52 Meter hohe Rundbau wie eine Skulptur im Stadtraum: Dreidimensional angeordnete, strahlend bunte Streckmetallelemente sind an der Fassade in unterschiedlichen Blickwinkeln zueinander montiert. Je nach Position, Lichteinfall und Bewegung eröffnen sich flirrende Farbfamilien. Die Konstruktion des riesigen Zylinders besteht aus Holz, kombiniert mit einem Aufzugsturm aus Beton. Errichtet wurde der nachhaltige Bau eigens für das nunmehr siebzehnte 360 Grad-Panorama von Yadegar Asisi. Die Szenen seines inneren Rundbilds greifen das Geschehen rund um das Konstanzer Konzil vor über 600 Jahren auf.
Ideengeber zu diesem Projekt war 2016 der Pforzheimer Brauer und Investor Wolfgang Scheidtweiler, dessen Firmen als Finanzier, Eigentümer und Bauherr firmieren. 2018 begann die konkrete Umsetzung der einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag erfordernden Idee. Bereits im Jahr 2014 konnte Scheidtweiler in Zusammenarbeit mit Yadegar Asisi im alten Pforzheimer Gasometer ein ähnliches Vorhaben realisieren. Der 1955 in Wien als Spross iranischer Emigranten geborene Asisi studierte zunächst an der Technischen Universität Dresden Architektur und ab 1978 an der Westberliner Hochschule der Künste Malerei. Nach Tätigkeiten als Architekt spezialisierte er sich Anfang der 1990er Jahre in Anlehnung an die großen Panoramen des 19. Jahrhunderts auf diese Kunstform, beginnend mit einer Ausstellung zu diesem Thema in der Bundeskunsthalle Bonn im Jahr 1993.
In Konstanz steigen die Besucher*innen nach einer einführenden Ausstellung im Erdgeschoss in einen 30 Meter hohen Rundsaal hinauf, von dessen mittig eingestellten Turm sie auf das Treiben im mittelalterlichen Stadtgefüge und die das Konzil begleitenden Ereignisse schauen. Der Einzug der Papstwähler, Treffen von Teilnehmern, Ankunft und Flucht von Papst Johannes XXIII., Predigten und Hinrichtung des Ketzers Jan Hus, die Papstwahl und vieles mehr hat Yadegar Asisi, fußend auf wissenschaftlich untermauerten Erkenntnissen, aus heutiger Sicht in der Form eines szenenreichen Wimmelbildes illustriert. Die aus bedruckten Polyester-Stoffbahnen bestehende Bildfläche umfasst 3.500 Quadratmeter, 110 Meter Länge und 32 Meter Höhe. Diesmal sind sie nicht in einem alten Gasometer, sondern einem vom international bekannten Architekturbüro Sauerbruch Hutton geplanten Neubau verortet. Der 1955 in Konstanz geborene Gründer Matthias Sauerbruch ist Sohn des lokal bekannten Malers Hans Sauerbruch, dessen Sgraffitos bis heute im Stadtbild stark präsent sind. Wenn Ende des Jahres auch die zwei krönenden Event- und Aussichtsebenen an der Turmspitze eröffnen, wird von hier aus die Stadt selbst zum Panorama.
Das 360° Panorama Konstanz ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 18,50 Euro, ermäßigt 16,50 Euro. Kinder zwischen 10 bis 16 Jahren zahlen 10 Euro, eine Familienkarte kostet 47 Euro. Zum Gasometer und der Ausstellung ist eine Begleitpublikation erschienen.
Panorama Konstanz
Reichenaustraße 110
D-78467 Konstanz
Telefon: +49(0)7531 – 911 26 20 |