Nach langer Sanierung: Köln eröffnet sein Opernhaus  |  | Die Kölner Oper eröffnet wieder | |
Endlich ist es so weit: Nach bald 15 Jahren kann das Kölner Opern- und Schauspielensemble an seine gewohnte Spielstätte zurückkehren. Am kommenden Wochenende lädt die Stadt Köln nach der aufwändigen Sanierung zur Wiedereröffnung ein. Beim Erstbezug des Hauses nach genau zweijähriger Bauphase am 18. Mai 1957 würdigten Kritiker die nach Plänen des renommierten Architekten Wilhelm Riphahn errichtete Oper als schönsten Theaterbau Deutschlands. Im Jahr 1962 folgte noch die Einweihung des angrenzenden Schauspielhauses. Als qualitätvolles Zeugnis der Theaterarchitektur, als Beispiel des architektonischen Neuanfangs nach dem Zweiten Weltkrieg und als Bekenntnis zur Moderne steht das Ensemble seit 1989 unter Denkmalschutz.
Die unverwechselbare Architektur des Bühnenturmes mit seinen schrägen, segelförmigen Seitenwänden und den in gestaffelter Terrassenbauweise mit verglasten Balkonen konzipierten Längsfronten mutet aus der Ferne wie ein weißes Schiff an. Zum Vorplatz setzt sich das repräsentative Zuschauerhaus ab. Zwischen breiten Wandpfeilern reihen sich über den Eingängen fünf hohe schlanke Foyerfenster, aus denen weit vorkragende Balkone Besucher zum Eintreten ermutigen wollen. Ineinandergleitende Raumschöpfungen gehen innen in das festlich wirkende Foyer über. Geschwungene Emporen bestimmen dort neben einem Spiel aus Licht in einem Zusammenklang mit dezenter Farbgestaltung den Raumcharakter. Im holzverkleideten, 1.346 Sitzplätze umfassenden Saal finden sich anstatt umlaufender Ränge frontal zur Bühne zwischen Wänden schubladenartig versetzt angeordnete Logen. Als „kraftvoller Bau in menschlichen Maßen“ bezeichnete Wilhelm Riphahn seinerzeit sein Werk, das 1957 mit stolzen 16 Millionen Deutschen Mark zu Buche schlug.
Seit Juni 2012 war das gesamte Ensemble aus Opern- und Schauspielhaus aufgrund einer denkmalgerechten Sanierung unter maßgeblicher Federführung der HPP Architekten aus Düsseldorf geschlossen. Ziel war die Rückführung auf den bauzeitlichen Zustand. Neben Rekonstruktionen oder Restaurierungen historischer Wand- oder Deckenverkleidungen, Natursteinfassaden oder Farbfassungen sollte das Haus vor allem technisch auf den aktuellen Stand gehoben werden. Neben der Verbesserung der Akustik umfasste dies vor allem die Bereiche Lüftung, Heizung, Brandschutz sowie die Installierung einer komplett neuen Bühnentechnik in allen Sälen. Als vierter Theatersaal neben Opernhaus, Schauspielhaus und Kinderoper entstand in den ehemaligen Opernterrassen ein unter Bewahrung der alten Außenmauern neu errichteter Theatersaal als Studiobühne.
Besonders die falsch geplante Haustechnik auf den Sektoren des Brandschutzes und der Lüftung führten wiederholt zu Verzögerungen. Die Zahl von 2.280 Räumen und insgesamt 2.428 Sitzplätzen in den vier Bühnenhäusern verdeutlicht die immense Komplexität des Vorhabens. Alles hat seinen Preis: Von den 2012 veranschlagten 253 Millionen Euro stiegen die Kosten aufgrund von Preissteigerungen, Verzögerungen, Planungsfehlern und die Finanzierung für die Ausweichquartiere auf stolze 1,5 Milliarden Euro. Somit zählt das Projekt zu den teuersten Kulturbauvorhaben in Deutschland.
Am 19. und 20. September findet nun ein Eröffnungsfest für alle Bürger bei freiem Eintritt statt. Am 24. September wird der offizielle Festakt veranstaltet, und drei Tage später ist hier die erste Opernpremiere zu erleben. Aufgeführt wird der „Rosenkavalier“ von Richard Strauss, wie schon bei der Einweihung vor fast 70 Jahren. Anlässlich der Wiedereröffnung ist eine Festschrift im Kölner Wienand Verlag erschienen, die im Buchhandel 35 Euro kostet. |