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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Kornfeld bei Kornfeld: Der ehemalige Chef des Berner Versteigerers wollte, das seine umfangreiche Sammlung nach seinem Tod an andere Interessenten weitergegeben wird. Diesmal gruppieren sich seine Spitzenwerke um die Freundschaften zu wichtigen Künstlern des 20. Jahrhunderts

Der Kunsthändler als Nikolaus



Henri de Toulouse-Lautrec,  Elles, 1896

Henri de Toulouse-Lautrec, Elles, 1896

Eberhard W. Kornfeld, der im April 2023 mit 99 Jahren verstorbene Patron des gleichnamigen Berner Auktionshauses, mischt dort immer noch mit. Bei der kommenden Versteigerung bestreitet seine ausgesuchte Sammlung ein weiteres Mal einen Gutteil der Offerte und stellt einige der Höhepunkte. Zwei eigene Sonderkataloge hat Bernhard Bischoff, der aktuelle Chef, seinem Vorgänger gewidmet: „Freundschaften – Amitiés“ und „Illustrierte Bücher und Portfolios“ vermitteln einen Einblick von Kornfelds teils engen Beziehungen zu wichtigen Künstlern des 20. Jahrhunderts sowie von seiner großen Leidenschaft für Druckgrafik und illustrierte Bücher und lassen etwa mit den vollständigen Folgen mehrerer seltener Brücke-, Kestner- und Bauhaus-Mappen zwischen 10.000 Franken und 125.000 Franken, dem kompletten Set der zwanzig Postkarten zur Bauhausausstellung des Jahres 1923 für 75.000 Franken oder Marc Chagalls „Cirque“ von 1967 für 150.000 Franken Sammlerherzen höher schlagen. Begeisterung dürfte auch Henri de Toulouse-Lautrecs intimer Blick in die Lebenswelt Pariser Bordelle wecken. Die elf Lithografien seiner Suite „Elles“ von 1896 listet der Katalog für 450.000 Franken.


Picasso

Bei den „Freundschaften“ beginnt es mit Pablo Picasso, den Kornfeld in den späten 1960er Jahren im Atelier Madoura in Vallauris kennenlernte. Der Künstler kannte den Kunsthändler durch dessen Publikationen zur Druckgrafik und lud ihn zu einem Besuch ein. „Kornfeld, c’est pour la gravure“, soll Picasso oft gesagt haben. Aus diesen Begegnungen entwickelte sich die Idee, das druckgrafische Œuvre Picassos systematisch zu inventarisieren. Dieses bedeutende Projekt fand seinen Abschluss in der zwischen 1986 und 1996 im Verlag Kornfeld erschienenen siebenbändigen Publikation „Picasso peintre-graveur“, die bis heute als Standardwerk für die Grafik des Meisters gilt. Zu den frühesten druckgrafischen Arbeiten des Meisters in der Kornfeld-Sammlung gehören die „Saltimbanques“, die „Gaukler“, aus dem Jahr 1905. Da die Verstählung der Platte im Hinblick auf die Auflage von Ambroise Vollard im Jahr 1913 misslang, ist die häusliche Szene „La famille de saltimbanques au macaque“ die seltenste Darstellung aus dieser Folge, von der nur rund ein Dutzend Drucke erhalten sind (Taxe 75.000 SFR).

Als ebenfalls früher Abzug liegt die vor König Herodes tanzende „Salomé“ von 1905 für 100.000 Franken vor. Zu diesem Wert gibt es auch Picassos Farblithografie „Figure au corsage rayé“, ein ernstes Portrait seiner damaligen Lebensgefährtin Françoise Gilot von 1949, oder die Radierung „Paris, 14 juillet 42“ aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, in der Picasso eine Opferszene des Friedensaltars „Ara Pacis Augustae“ in Rom paraphrasierte. Wie vielgestaltig Picasso mit seinen Ideen umging, zeigt einer der drei bekannten Blätter des fünften Zustandes, bei dem diese Platte negativ gedruckt wurde (Taxe 80.000 SFR). Zeichnerisch wird es mit einer auf die Umrisse reduzierten „Nu debout“ aus dem Jahr 1906, hinter der sich Picassos frühe Geliebte und Muse Fernande Olivier verbirgt (Taxe 75.000 SFR), und mit der Tuschestudie für das neoklassizistische Gemälde „La flûte de Pan“ aus dem Jahr 1923 (Taxe 150.000 SFR).

Chagall

Die ersten Begegnungen mit Marc Chagall ergaben sich durch Vermittlung von Franz Meyer, ab 1955 Direktor der Kunsthalle Bern, der mit Chagalls Tochter Ida verheiratet war. Während Chagalls Besuchen in Bern entstand die lange Freundschaft zu Eberhard W. Kornfeld. Schon bald lud der Künstler den Auktionator nach Vence ein und vertraute ihm schließlich auch die Erstellung des Œuvrekatalogs seiner Radierungen und Holzschnitte an. Kornfeld erster Erwerb datiert ins Jahr 1956: Die Zeichnung „La résurrection de Lazare“ von 1911, eine frühe Auseinandersetzung mit biblischen Themen um Auferweckung und Transformation, soll 80.000 Franken einwerben.

Die gleich hoch bewertete Gouache „Le père Noël“ von 1956, auf der ein Weihnachtsmann, ein Esel mit Tannenbaum und eine Mutter mit Kind im Himmel schweben, war wohl nicht zuletzt deswegen ein Geschenk Chagalls direkt an Kornfeld, weil sich jener in den 1950er Jahren am 6. Dezember mit roter Robe und langem weißem Bart als Nikolaus verkleidete und in der Berner Altstadt mehrere Familien aufsuchte, darunter auch die drei Kinder von Ida und Franz Meyer. Noch im Juni 2014 legte sich Kornfeld bei seiner eigenen Auktion die blaugesättigte Gouache „Création n° 2“ zu, einen nicht verwendeten Entwurf zur Schöpfungsgeschichte für Chagalls zweibändige Bibelillustration (Taxe 225.000 SFR).

Die Giacomettis

1946 übernahm der Kunsthistoriker Arnold Rüdlinger die Leitung der Kunsthalle Bern und baute ein ambitioniertes Programm mit aktueller Kunst aus Paris und den USA auf. Kornfeld, bis dato auf die Druckgrafik Alter Meister und der Klassischen Moderne fixiert, kam hier mit der zeitgenössischen Kunst in Berührung und begegnete in der Kunsthalle 1948 erstmals dem aus dem Bergell stammenden Bildhauer und Maler Alberto Giacometti, woraus wiederum eine enge und langjährige Beziehung aufblühte. Kornfeld besuchte Giacometti regelmäßig in Paris sowie während dessen Aufenthalten in Stampa oder Maloja. Ausdruck der gegenseitigen Wertschätzung sind fünf Bleistiftzeichnungen, die Giacometti 1959 von Kornfeld anfertigte. Vier davon gelangten in die Sammlung Kornfeld, eine behielt der Künstler selbst. Aus der Freundschaft entstand zudem die Idee einer Ausstellung bei Klipstein & Kornfeld im Sommer 1959. Für den Umschlag des Katalogs wählte man die Titelseite des „Figaro Littéraire“ vom 11. April 1959, die Giacometti während eines Besuchs in einem Pariser Café flott mit Kugelschreiberzeichnungen versehen hatte und nun 20.000 Franken verlangt.

Zu haben sind auch drei stelenartige hohe bronzene Lampenfüße in einer archaisch-antikisierenden Ästhetik, die Giacometti Mitte der 1930er Jahre im oberen Viertel mit verschiedenen geometrischen oder figürlichen Applikationen bestückte: die Lampadaire modèle „étoile“ für 150.000 Franken, die Lampadaire modèle „figure“ für 250.000 Franken und die Lampadaire modèle „osselet“ für 200.000 Franken. Höhepunkt der Giacometti-Suite ist die Bronze „Buste d’homme“. Für den voluminösen Schulteransatz mit dem viel zu kleinen Kopf stand Albertos jüngerer Bruder Diego Giacometti 1956 Pate. Der posthume Guss aus dem Jahr 2006 in einer Auflage von insgesamt zehn autorisierten Exemplaren ist mit 700.000 Franken veranschlagt. Diego war Assistent seines Bruders, diente ihm zugleich als wichtigstes Modell und lernte dadurch auch Kornfeld schätzen. Erst nach dem Tod Albertos setzte er seine Möbelentwürfe zunehmend unabhängig um. Direkt aus dem Künstleratelier erwarb Kornfeld den „Guéridon aux anneaux“, den Diego um 1962 für die Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence und die Bar der Zürcher Kronenhalle entworfen hatte (Taxe 180.000 SFR), oder den etwa gleichaltrigen „Chat maître d’hôtel“, der in der Version mit der Schale Körner für die Vögel des Taubenschlags der Fondation Maeght aufnehmen sollte (Taxe 200.000 SFR).

Der Amerikaner Francis und sein Pariser Umfeld

Im Jahr 1954 hatte Rüdlinger Kornfeld in Paris mit Sam Francis bekannt gemacht. Auch sie wurden rasch enge Freunde, was in Francis’ Patenschaft für Kornfelds Tochter Patricia kulminierte. Kornfeld avancierte zum wichtigsten Galeristen des Amerikaners in Europa und trug entscheidend zu dessen internationaler Karriere bei. Persönlich umgab er sich etwa mit Sam Francis’ dichten vibrierenden Farbstrukturen auf dem Aquarell „Colorful Paris“ von 1954 (Taxe 125.000 SFR), dem ein Jahr jüngeren Ölgemälde „Green and Yellow“, das an vegetative Zustände erinnert (Taxe 175.000 SFR), den locker gesetzten blauen Farbseen mit viel Weißraum auf der Leinwand „Blue Balls IV“ von 1960 (Taxe 250.000 SFR) oder der bunten getropften Kreuzstruktur auf dem Acrylgemälde „Cross“ von 1973 (Taxe 350.000 SFR).

Aus dem Umfeld der Pariser Avantgarde und dem Freundeskreis um Sam Francis formierten sich weitere Beziehungen zu Künstlerinnen und Künstlern wie Shirley Goldfarb, Alfred Jensen, der mit „The Journey of Time, Per 2 + 3“ von 1960, zwei kleine bunte Kästchenstrukturen mit diagonalem Rhombenverlauf, vertreten ist (Taxe je 60.000 SFR), Jean-Paul Riopelle, der seine gestisch gespachtelte Abstraktion „Éventail“ von 1957 für 80.000 Franken vorstellt, Kimber Smith oder Serge Poliakoff mit der typischen Farbflächenverzahnung einer „Composition abstraite“ in Rot, Schwarz, Blaugrau und Beige von 1957 (Taxe 90.000 SFR). Diese Verbindungen manifestierten sich nicht nur in persönlichen Freundschaften, sondern auch in Ausstellungen, Editionen und der Herausgabe von Druckgrafiken.

Tinguely und Saint Phalle

Einen seiner ältesten Künstlerfreunde lernte Eberhard W. Kornfeld bereits während der letzten Wochen seiner Wehrdienstzeit kennen: Jean Tinguely. Aus der militärischen Kameradschaft entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Kornfeld wurde sogar Mitglied der legendären Basler Fastnachtsclique „Kuttlebutzer“, für die Tinguely immer wieder spektakuläre Requisiten und Kostüme schuf. Tinguely stellte Kornfeld zudem die Künstler der Nouveaux Réalistes vor. So gehörten auch Tinguelys Ehefrau Niki de Saint Phalle sowie Bernhard Luginbühl zu Kornfelds engem Kreis. Beide stellten regelmäßig in seiner Galerie aus. Ein Meilenstein dieser Freundschaften war das Happening „St. Barbara Schiessen“, das Tinguely gemeinsam mit der Familie Luginbühl am 4. Dezember 1972 auf dem Gelände der Galerie veranstaltete. Dabei wurden 27 selbst konstruierte Kanonen in den Berner Himmel abgefeuert.

Die enge Verbundenheit mit Tinguely und Saint Phalle wirkte sogar über deren Tod hinaus: Kornfeld wurde mit der Inventarisierung beider Nachlässe betraut. Neben zwei kleineren kinetischen ratternden Skulpturen, dem filigranen „Bata“ von 1984 (Taxe 50.000 SFR) und dem werkbankähnlichen „Geisterschiff“ von 1990 (Taxe 30.000 SFR), ist das frühe bunte Relief „Méta-Mortensen“ von 1955/56 der Zenit bei Tinguely. Auf der schwarzen rechteckigen Platte tänzeln elf verschieden geformte und polychrom gefasste Metallelemente, die durch einen Elektromotor, Gummiriemen und Holzräder angetrieben werden (Taxe 250.000 SFR). Von Niki de Saint Phalle gibt es dann die kurvenreiche und ausgelassene „Mini Nana acrobate“ beim Handstand von 1968 (Taxe 30.000 SFR) und den ebenso farbenfrohen und kaum angsteinflößenden „Dragon“ um 1974 (Taxe 75.000 SFR), während Luginbühls aus Eisen geschmiedete „Figur 2 C 200“ von 1959 konstruktiv nüchtern auftritt (Taxe 30.000 SFR).

EWK

In den anderen Katalogen der Auktionsrunde tut sich Eberhard W. Kornfeld, kenntlich an dem Monogramm „EWK“, das den Losen beigegeben ist, ebenfalls hervor, besonders im Hauptkatalog „150 Ausgewählte Kunstwerke“. Hier geht es gar in die Millionen, wenn Ernst Ludwig Kirchner auftritt. Seine farbintensive „Windmühle bei Moritzburg“, ein exzellentes Ölgemälde von 1910 aus bester Brücke-Zeit, sollte schon 2024 in Bern für 2,25 Millionen Franken über das Auktionspult gehen, blieb aber bei den zahlreichen Kirchner-Werken aus der Kornfeld-Sammlung unbeachtet. Nun stehen 1,5 Millionen Franken auf dem Preisschild. Das selbe Schicksal widerfuhr Kirchners Ölgemälde „Villa bei der Waldschlösschenbrauerei in Dresden“ von 1911, bei dem man damals für 1,75 Millionen Franken auf der Rückseite noch die „Lehmgrube bei Dresden“ bekam. Jetzt sollen es 1,25 Millionen Franken werden. Für Kirchners nacktes „Paar im Atelier“, ein farbenreiches Pastell von 1908, ist die Schätzung von 600.000 Franken inzwischen auf 375.000 Franken gesunken, für den schwarzweißen nervösen Holzschnitt „Frauen am Potsdamer Platz“ mit zwei großen Kokotten und ihren Freiern gar von gleicher Basis auf 300.000 Franken.

Kornfelds Leidenschaft galt unter anderem noch Giovanni Giacomettis vorfrühlingshafter Alpenvedute „La posta“ mit einer Postkutsche im Dorfzentrum von Stampa um 1907 (Taxe 350.000 SFR), Vincent van Goghs braunroter Farbradierung des bekannten „Portrait Dr Gachet“ von 1890 (Taxe 90.000 SFR) oder Paul Gauguins Holzschnitt mit Südseestimmung „Noa Noa – Embaumé Embaumé“ von 1893/94, einmal nur gedruckt in Olivbraun für 50.000 Franken oder in einer vierfarbigen Variante für 40.000 Franken. Darum gruppieren sich ferner Edgar Degas’ Monotypie „Chanteuse de Café-Concert“ aus dem Pariser Nachtleben in schwarzer Ölfarbe (Taxe 60.000 SFR), Georges Seurats atmosphärisch verwischte Kreidezeichnung „Le fiacre“ (Taxe 1 Million SFR), Egon Schieles „Frontansicht eines sitzenden Mädchens mit Hut“, eine umrissbetonte und melancholische Bleistiftzeichnung des Jahres 1914 (Taxe 250.000 SFR), oder Max Beckmanns aquarellierte, mythologisch aufgeladene Tuschezeichnung „Venus – Mars“ aus dem Kriegsendjahr 1945, wobei die Liebesgöttin als Feldherrin erscheint und den Kriegsgott mit erhobenem Arm barsch vom Platz weist (Taxe 200.000 SFR).

Einmal nicht Kornfeld

Mit Millionenwerten kann der Berner Versteigerer aber auch außerhalb der Kornfeld-Kollektion punkten. Hier trumpft unter anderem Robert Delaunay auf: Seine beiden dynamischen und farbenleuchtenden Kreis- und Scheibenmotive „Rythme“ von 1934 und „Rythmes: Joie de vivre“ von 1930 wollen 1,75 Millionen Franken respektive 2,5 Millionen Franken sehen. Noch figurativ äußerte sich Delaunay 1921 bei seinem treffenden „Portrait d’Igor Strawinsky“ (Taxe 100.000 SFR). Gleich zwei bedeutende Werke des französischen Konzeptkünstlers Marcel Duchamp konnte Bernhard Bischoff für die Auktion akquirieren: das von der Forschung mittlerweile als eines der wohl frühesten Readymades angesehene Holzobjekt „Bilboquet“, ein gedrechselter Holzstab und eine Holzkugel mit der Künstlerwidmung an Max Bergmann (Taxe 1 Million SFR), und der letzte noch in Privatbesitz befindliche „Monte Carlo Bond“ von 1924. Die Fotocollage und Lithografie eines Roulettetisches samt Portraitbild des Künstlers wird mit zwei separaten Originalfotografien Man Rays offeriert, die für die Herstellung dieses in der Kunstgeschichte einzigartigen Wertpapiers entstanden sind (Taxe 1,25 Millionen SFR).

Marc Chagall, der insgesamt 80 Lose zur der Auktionsrunde beisteuert, mischt an vorderster Front mit: Seine traumhafte Nachtszene „Le Monstre de Notre-Dame“ von 1953 mit einem schwebenden Liebespaar und den titelgebenden Chimären über den Dächern von Paris liegt bei 1,2 Millionen Franken. Ein weiterer Leckerbissen in Henri Matisses mit Feingefühl gestaltete „Étude d’une femme endormie“, eine Kohlezeichnung zu seinem meditativen Gemälde „La Dormeuse“ von 1941 (Taxe 900.000 SFR). Eine druckgrafische Sensation bildet das vollständige Set aller 103 Linolschnitte Pablo Picassos, die zwischen 1958 und 1963 von der Galerie Louise Leiris in Paris herausgegeben wurden. Der französische Sammler hat auf eine einheitliche Nummerierung wert gelegt und jeweils das Exemplar „45/50“ erhalten. Daher zählt die geschlossene Serie zu den bedeutendsten Angeboten dieser Art der letzten Jahre und will 5 Millionen Franken sehen.

Aus Deutschland beteiligen sich unter anderem Lovis Corinth mit seiner expressiven, unruhig gemalten Winterlandschaft am „Walchensee“ von 1923 (Taxe 150.000 SFR), Alexej von Jawlensky mit seinem scheinbar schlafenden „Abstrakten Kopf: Aurora“ von 1931 (Taxe 500.000 SFR) und Hermann Max Pechstein mit dem strahlenden Sonnenaufgang über einer Flussmündung in Rowe an der pommerschen Küste, wo der Brücke-Künstler 1928 die Sommermonate verlebte (Taxe 200.000 SFR). Schon in die Nachkriegsepoche datieren Hans Purrmanns südlich heitere Ansicht eines „Segelboots im Hafen“ aus dem Jahr 1958 (Taxe 80.000 SFR) und Emil Schumachers informelle, schrundige, dunkle und pastos aufgetragene Farbmaterie „Mecum“ von 1981 (Taxe 125.000 SFR).

Wieder einmal ist Paul Klee mit einer überzeugenden Gruppe von Gemälden, Aquarellen und Druckgrafiken stark vertreten. Angeführt wird sie von der reduziert gehaltenen Mischtechnik „Landschaft am Anfang“ von 1935, die Klees faktischen künstlerischen Neuanfang nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt Bern vor Augen führt und bis heute der Familie des Künstlers gehört (Taxe 750.000 SFR), gefolgt von den kraftvollen Zeichenformen auf der „Finsteren Bootsfahrt“ aus den letzten Lebensmonaten des Jahres 1940 (Taxe 400.000 SFR) und dem Theatermotiv „Vor dem Auftritt“ von 1932, das mit Bühne, Maske und Rollenspiel ein Sinnbild menschlicher Existenz ist (Taxe 350.000 SFR). Mit 15 Blättern redet zudem Edvard Munch bei den „Ausgewählten Kunstwerken“ ein wichtiges Wörtchen mit. Dazu gehören zwei Versionen seiner ikonischen Farblithografie „Madonna“ von 1895/1902, einmal mit der berühmten Umrandung und dem Embryo für 700.000 Franken, das andere Mal in der Variante mit den in der Bauchpartie ergänzten Haaren für 600.000 Franken, aber auch die Trauerstimmung auf dem Farbholzschnitt „Frauen am Meeresufer“ von 1898, zwei verschiedene Farbstellungen seiner trübseligen „Melancholie III“ von 1902 (Taxe je 200.000 SFR) oder der Holzschnitt samt Farblithografie „Mädchen auf der Brücke“ von 1918, bei dem die Farbe Blau dominiert (Taxe 250.000 SFR).

Kollwitz selbst

Ein eigener weiterer Sonderkatalog widmet sich ausschließlich Arbeiten von Käthe Kollwitz, die das Berliner Sammlerpaar Gudrun und Martin Fritsch über Jahrzehnte zusammengetragen hat. Sie waren es auch, die 1986 in Zusammenarbeit mit dem Kunsthändler Hans Pels-Leusden in Berlin das Käthe-Kollwitz-Museum gründeten. Ein Schwerpunkt ihrer Kollektion liegt auf den eindringlichen, oft nachdenklichen Selbstbildnissen der Künstlerin. Zu den Highlights zählen die zart aquarellierte, um 1900 entstandene Tuschezeichnung „Selbstbildnis am Fenster“ im verlorenen Profil und die rund vier Jahr jüngere Farblithografie „Selbstbildnis, en face“, in der Kollwitz sich ruhig und schon ein wenig verhärmt portraitiert (Taxe je 600.000 SFR), während sie auf der in Schwarz und Braun gedruckten Lithografie „Selbstbildnis nach links“ von 1901 noch einen frischeren Gestus einnimmt (Taxe 300.000 SFR). 600.000 Franken soll auch ihr Kohle- und Kreideentwurf für „Die Freiwilligen“, Blatt 2 aus der Folge „Krieg“ von 1920, kosten, 350.000 Franken die bewegenden Zeichnungen „Frau mit totem Kind“ von 1903 und „Schlachtfeld“, eine Idee zum Zyklus „Bauernkrieg“, in dem sich eine alte Frau über Leichen beugt und nach ihren Toten sucht.

Mit wichtigen Skulpturen will Bernhard Bischoff ebenfalls punkten. An erster Stelle steht dabei Eduardo Chillidas großformatige Eisenplastik „Ikaraundi“ von 1957, die in der Literatur als eine der bedeutendsten Schmiedearbeiten des Spaniers geführt wird. Der Titel lässt sich aus dem Baskischen mit „Großes Zittern“ übersetzen und verweist auf die bewegte, beinahe pulsierende Wirkung der fragmentierten, in den Raum ausgreifenden Form (Taxe 3 Millionen SFR). Alberto Giacometti ist ein weiteres Mal zugegen und stellt mit der aufgerissenen „Buste de Diego“ ein weiteres Bronzeportrait seines Bruders von 1954/55 zur Verfügung. Für den noch zu Lebzeiten des Künstlers entstandenen Guss mit lebendiger Patina werden 2,25 Millionen Franken erwartet.

Der menschlichen Gestalt ist ferner Francisco Zúñigas kleine Onyxfigur „Desnudo sentado“ von 1966 mit typisch monumentalem Körper und winzigem Kopf verpflichtet (Taxe 150.000 SFR). Dagegen vermitteln Alexander Calder mit seinem spielerischen Stabile „Telephone Pole“ vom Ende der 1940er Jahre und Bernar Venet mit seiner „Indeterminate Line“, ein aufgerolltes Stahlband von 1995, die ungegenständlichen Tendenzen in der Bildhauerei (Taxe je 300.000 SFR). Eine eigenständige Position nimmt Heidi Bucher mit ihren „Häutungen“ ein. Dabei überzog die Schweizerin Architekturelemente, ganze Räume oder Alltagsobjekte mit Latex und zog die entstandenen Membranen nach dem Trocknen wieder ab, so auch 1992 eine alte Holztür für ihre „Häutung rosa“ (Taxe 48.000 SFR).

Die Auktionsrunde beginnt am 10. September mit den „Illustrierten Büchern und Portfolios aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld“ und „Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Gudrun und Martin Fritsch“. Am 11. September folgen die „Freundschaften – Amitiés. Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld“ und „150 Ausgewählte Kunstwerke“. Die Vorbesichtigung ist bis zum 8. September täglich von 10 bis 18 Uhr, am 9. September von 10 bis 17 Uhr möglich.

Kontakt:

Galerie Kornfeld Auktionen AG

Laupenstrasse 41

CH-3008 Bern

Telefon:+41 (031) 381 46 73

Telefax:+41 (031) 382 18 91

E-Mail: galerie@kornfeld.ch



08.09.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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