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Alles Blau: Erste Premiere am Musiktheater Gelsenkirchen bezieht sich auf Yves Klein und Werner Ruhnau

Das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.

Geht man abends in der Dunkelheit auf das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen zu, meint man, vor einer Lichtskulptur zu stehen. Der voluminöse Bau entmaterialisiert sich. Das filigrane Konstrukt der Treppenhäuser gliedert die Lichtfläche. Innen leuchtet das Blau der Reliefs von Yves Klein. Da kommen die Visionen von Werner Ruhnau in den Sinn: Er konzipierte nicht nur ein Bauwerk. Sondern seine Architektur sollte eine Chiffre für eine offene und sensiblere Gesellschaft sein. Ihm schwebte eine „Luftarchitektur“ für eine „Schule der Sensibilität“ vor. Innen und Außen sind nicht getrennt, sondern fließen ineinander über. Nicht ohne Grund erinnert das Musiktheater an die Glasfassade des Dessauer Bauhauses.

Mit ihrer Architektur und Kunst haben Ruhnau und Klein einen der schönsten Nachkriegs-Theaterbauten in Deutschland realisiert. Ruhnau hatte mit dem 1956 eröffneten Stadttheater in Münster bereits einen wegweisenden Theaterbau geschaffen. In Gelsenkirchen, wo er im selben Jahr ein eigenes Büro eröffnete, perfektionierte er sein Konzept. Er holte den 29 Jahre alten Yves Klein nach Gelsenkirchen, der seit 1955 mit seinen Monochromen in der Kunstwelt Italiens und Frankreichs bewundert wurde. Die Avantgarde war begeistert. Klein sah in der Farbe des Himmels und des Meeres „das Undefinierbare und die Unendlichkeit des Raumes“. 1957 bis 1959 arbeitete er an sechs Schwammreliefs für das neue Musiktheater in Gelsenkirchen, die sein Hauptwerk werden sollten.

Doch Ruhnaus Konzept einer Verbindung zu einer veränderten Gesellschaft blieb auf der Strecke. Seine über die Architektur hinausweisenden visionären Ideen wurden nicht realisiert. An diesem Punkt setzt das Musiktheaterkollektiv „Kommando Himmelfahrt“ an. Der neue Gelsenkirchener Intendant Frank Hilbrich hat das Hamburger Team engagiert, um mit dem Projekt „Blau“ die Utopie von damals ins Heute zu überführen. Zu einer fließenden Musik, erdacht von Komponist Jan Dvorak, wandert das Publikum vom Vorplatz über die Foyers in die Theatersäle. Dabei erleben die Besucher – so das Kollektiv – „Spiel, Musik und blaue Interventionen“. Die von Regisseur Thomas Fiedler inszenierte Performance klingt aus mit einem „Ball bleu“. Premiere ist am Samstag, 19. September, 19 Uhr., weitere Termine gibt es am 20., 26., 27. September und am 3. Oktober.

Musiktheater im Revier
Kennedyplatz
45881 Gelsenkirchen
Telefon: 0209 – 40970


28.08.2026

Quelle: Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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Das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.
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