Politiker würdigen Milan Knížák bei Trauerfeier  |  | Milan Knížák ist gestorben | |
Milan Knížák ist tot. Der tschechische Aktionskünstler und Musiker starb am 26. Juli im Alter von 86 Jahren. Das machte der tschechische Kulturminister Oto Klempir auf der Plattform X bekannt. Knížák gehörte zu den prägenden Figuren der tschechischen Avantgarde und trat insbesondere durch seine Aktionen, Happenings und seine Verbindung zur internationalen Fluxus-Bewegung hervor. Er habe die Freiheit des Menschen und die Freiheit des Werks in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt, betonte der Klempir.
Milan Knížák wurde 1940 in Pilsen geboren und wuchs im westböhmischen Kurort Marienbad auf. Bereits in den frühen 1960er Jahren organisierte er mit Künstlerkolleg*innen ersten Fluxus-Aktionen in Tschechien und gründete die Gruppe „Aktualni umeni“, die später in „Aktual“ umbenannt wurde. Er entwickelte ein vielfältiges Werk, das neben Aktionen und Happenings auch Malerei, Design, Literatur und Musik umfasste. Im Jahr 1965 begann er mit seiner Serie „Broken Music“, für die er Schallplatten zerbrach, zerkratze, verbrannte und anschließend neu zusammensetzte. Aus den zerstörten Tonträgern entstanden neue, geräuschhafte Kompositionen. Während des sozialistischen Regimes war Knížák in der tschechoslowakischen Untergrundszene aktiv und stand im engen Austausch mit Fluxus-Freunden aus aller Welt. 1968 reiste er nach dreijährigem Warten auf ein Visum in die USA und nach Kanada, wo er an zahlreichen Fluxus-Veranstaltungen teilnahm. 1977 wurde er zur Documenta nach Kassel eingeladen.
Nach der demokratischen Wende von 1989 wurde Milan Knížák Rektor der Akademie der Bildenden Künste in Prag, die er von 1990 bis 1997 leitete. Zwischen 1999 und 2011 stand er an der Spitze der die Nationalgalerie Prag, wobei er in dieser Rolle umstritten war: Kritiker*innen warfen ihm einen autoritären Führungsstil und mangelnde internationale Vernetzung vor. Auch seine Entscheidung, während eines Rechtsstreits um die Nationalgalerie zeitweise keine Leihgaben ins Ausland zu verschicken, sorgte für Missfallen. Zugleich initiierte Knížák zahlreiche Ausstellungen und Projekte und prägte die tschechische Kunstszene auch in seinen institutionellen Funktionen nachhaltig. 2015 wurde ihm die Jahresauszeichnung des Instituts Václav Klaus verliehen. Bereits 2005 hatte ihm Klaus als damaliger tschechischer Präsident die Medaille für Verdienste überreicht.
Der Künstler wurde vergangenen Freitag mit staatlichen Ehren in Prag bestattet. Diese Entscheidung beschrieb Klempir als „würdigen Dank an einen Mann, der über Jahrzehnte hinweg die tschechische Kunst und Kultur sowie mehrere Generationen von Künstlern geprägt hat“. Zu den Rednern der Trauerfeier gehörte neben Klempir auch der ehemalige tschechische Präsident und langjährige Freund Knížáks, Václav Klaus. Er sei für viele ein Symbol der Freiheit und des intellektuellen Rebellentums gewesen, so Klaus: „Er wollte nicht provozieren, sondern sagte lediglich entschlossen und ohne Hemmungen, was er dachte.“ |