C/O Berlin Talent Award für Yousefi und Wallenhorst  |  | Amin Yousefi, Vector of Compliance, 2025 | |
Die Preisträger*innen des diesjährigen C/O Berlin Talent Award sind Amin Yousefi in der Kategorie Artist und Maxi Wallenhorst in der Position Writer. Der 1996 in iranischen Abadan geborene Yousefi wird für seine Arbeit „Defensive Readiness: Revised Version“ ausgezeichnet, die ab Februar 2027 bei C/O Berlin in einer Einzelausstellung präsentiert wird. Die 1993 geborene Maxi Wallenhorst, Doktorandin an Leuphana Universität Lüneburg, wird einen theoretischen Essay zu dem Gewinnerprojekt erarbeiten, der gemeinsam mit einem Interview Yousefis in einer begleitenden Publikation erscheinen wird. Beide erhalten nun ein Preisgeld von jeweils 5.000 Euro, das die Münchner Alexander Tutsek-Stiftung zur Verfügung stellt.
Der C/O Berlin Talent Award stand 2026 unter dem Thema „Body Politics“ und untersuchte den Körper als Schauplatz gesellschaftlicher, politischer und kultureller Handlungen. In seinem Projekt „Defensive Readiness“ von 2025 beschäftigt sich Amin Yousefi mit der Frage, wie sich Machtsysteme über den Körper manifestieren und gesellschaftlich erfahrbar werden. Durch die Verbindung von Fotografie mit schematischen Linienzeichnungen und kartografierten Gesten zeigt er, wie visuelle Formen staatlicher Anweisungen entstehen, verbreitet und verinnerlicht werden. Die Jury überzeugte Yousefis Umgang mit dem Material, durch den er „die anhaltenden Auswirkungen staatlicher Macht in den Vordergrund rückt und aufdeckt, wie Kontrollsysteme in Formen sozialer Konditionierung aufgenommen werden“.
Yousefi studierte zunächst Fotografie an der Art University of Isfahan im Iran und schloss 2022 seinen Master an der University of Westminster in London ab. Seine Arbeiten waren bereits international zu sehen, unter anderem 2024 beim Athener Photofestival und 2026 im Museum Kunst Palast in Düsseldorf. Zu seinen Soloschauen zählt „Eyes Dazzle as They Search for the Truth“ am Fotografisk Center in Kopenhagen im Jahr 2023. In seiner künstlerischen Praxis beschäftigt er sich mit den politischen Dimensionen von Bildern und mit Fragen nach Kontrolle, Erinnerung und visuellen Machtstrukturen.
Maxi Wallenhorsts schriftstellerische Position steht ebenfalls im engen Zusammenhang mit dem diesjährigen Preisthema. Ihre Forschungen und ihre Kunstkritik beschäftigen sich mit Fragen von Gender, Körper und Macht. In ihren Texten verbindet sie gegenwärtige Beobachtungen mit theoretischen Diskursen und setzt sich unter anderem mit der globalen Krise der Maskulinität auseinander. Ihr Essay wird Yousefis Projekt im Kontext der Disziplinierung des Körpers durch autoritäre Systeme, Ideologien und Staatsgewalt weiterdenken.
Auf der Shortlist standen zudem der kolumbianische Künstler Nicolás Bernal, der mit seinem Projekt „Zero Feathers“ autobiografische Erfahrungen von Gewalt, Ausgrenzung und Fremdbestimmung als indigene, queere Person verarbeitet, sowie die deutsche Fotografin Debora Brune. In ihrer Serie „Uncool“ widmet sie sich beeinträchtigten Körpern, die in öffentlichen Bildräumen häufig unterrepräsentiert sind. Bimal Fabbri, der 1993 in Nepal geboren und mit sieben Jahren von einer italienischen Familie aus Mailand adoptiert wurde, untersucht in „Outsiders Within“ die Bedeutung von Familie und Zugehörigkeit und stand auch auf der Shortlist, ebenso wie die US-amerikanische Künstlerin Ashley McLean. Sie portraitiert in der Serie „Seeking you in other bodies…“ schwarze Männer und setzt sich dabei mit dem gesellschaftlich verankerten Stereotyp schwarzer Männlichkeit als hart und bedrohlich auseinander. |