Wiener Museumsquartier feiert 25jähriges Bestehen  |  | Das MuseumsQuartier in Wien feiert seinen 25. Geburtstag | |
Geradezu exemplarisch steht das Wiener Museumsquartier dafür, wie Architektur instrumentalisiert und zu erbittertem Streit zwischen Medien, Öffentlichkeit und Politik führen kann. Die Ausstellung „Vision und Widerstand. Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte“ wirft nun anlässlich des 25. Geburtstags einen Blick auf die über 300jährige Geschichte des Areals. Im „Freiraum“ des Quartiers eröffnet sich ein Bogen von den Anfängen als Hofreitstall bis hin zu künftigen Projekten. Der Architekturspezialist Andreas Nierhaus vom Wien Museum gestaltete dazu einen abwechslungsreichen Parcours, in dem Modelle, Zeichnungen, Baupläne, Fotografien und viele weitere Dokumente die abwechslungsreiche Nutzungsgeschichte des Ensembles in Erinnerung rufen.
Ab 1719 für 600 Pferde und 200 Karossen des Hofes nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach unter Bezugnahmen auf das Goldene Haus Neros in Rom errichtet, blieb das Projekt nach einem Baustopp 1732 ein Torso und konnte erst im 19. Jahrhundert vollendet werden. Die wertvollsten Kutschen wurden nach 1918 dem Kunsthistorischen Museum übertragen und sind heute in der Wagenburg von Schloss Schönbrunn zu besichtigen. Im Jahr 1920 zum Messepalast umgewidmet und um zwei nach Plänen des Architekten Carl Witzmann errichteten Ausstellungshallen ergänzt, fanden hier nach Beseitigung von Kriegszerstörungen bis in die 1970er Jahre Frühjahres- und Herbstmessen, Sportwettkämpfe, Großveranstaltungen, Konzerte, Bälle oder kulturgeschichtliche Großschauen statt. Nach zunehmender Verwahrlosung und kulturellen Zwischennutzungen in den 1980er Jahren kam die Transformation zu einem Ort der Kunst ins Spiel, befördert durch die Suche nach einem Standort für das neue Museum moderner Kunst (MUMOK).
Nach verworfenen Ideen für ein Einkaufszentrum oder einem Kongresspalast mit Hotel sowie inspiriert vom 1977 eröffneten Centre Pompidou in Paris fand 1986 die erste Stufe eines Architekturwettbewerbes für ein „austrifiziertes Centre Pompidou“ statt. Gegen den Siegerentwurf der Architekten Laurids und Manfred Ortner, speziell den 67 Meter hohen „Leseturm“, entzündete sich erbittertes Aufbegehren. Wechselnde Zuständigkeiten und politische Mehrheiten führten erst 1989/90 zur zweiten Wettbewerbsstufe, die ebenfalls die Brüder Ortner für sich entschieden. Die Überarbeitung sah nun den Verzicht auf den „Leseturm“ sowie reduzierte Neubauten mit stimmiger, prominenter Unterbringung des Leopold Museums vor. Nach nur drei Jahren Bauzeit konnte am 29. Juni 2001 die Eröffnung gefeiert werden.
Schon seit 1990 unter dem Label „MuseumsQuartier“ firmierend, wurde es eine grandiose Erfolgsgeschichte. Über fünf Millionen Besucher verzeichnet der weltweit zu den größten Kunstarealen gehörende Museumsbezirk. Längst zur Marke geworden, wurde die Erweiterung von Museum Leopold, MUMOK, Kunsthalle, Architekturmuseum, Kindermuseum, Tanzquartier, Theater und weiteren Institutionen in den Blick genommen. Im Jahr 2020 eröffnete dann das nach Plänen von Ortner & Ortner gestaltete Restaurant „Libelle“ auf dem Dach des Leopold Museums. Mit dem Haus der Geschichte Österreichs ist für das Jahr 2028 die Eröffnung eines weiteren Museums im Klosterhof avisiert. Die Entwürfe dazu lieferte das Berliner Büro Ortner & Ortner Baukunst, deren nachhaltiger Holzbau als Sieger aus einem Wettbewerb hervorging. Studenten der Technischen Universität Wien entwickelten unlängst Ideen für eine innovative Nutzung des barocken Fischer von Erlach-Traktes.
Die Ausstellung „Vision und Widerstand. Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte“ läuft noch bis zum 25. Januar 2027 im MQ Freiraum des MuseumsQuartiers. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Freiraum 34 Euro kostet.
MQ Freiraum
Museumsplatz 1
A-1070 Wien
Telefon: +43 (0)1 – 523 588 117 20 |