Köln erinnert an Olga Oppenheimer  |  | Olga Oppenheimer, Ernte, 1907 | |
Das Kölnische Stadtmuseum rückt derzeit unter dem Titel „Olga Oppenheimer. Zum 140. Geburtstag einer verdrängten Künstlerin“ das Leben und Werk der Kölner Malerin in den Fokus. In der Open Space-Ausstellung nimmt Kurator Markus Jansen die Biografie und das künstlerische Schaffen einer Frau in den Blick, die die Entwicklung der modernen Kunst im Rheinland maßgeblich mitprägte und deren Werk nach ihrem Tod infolge der nationalsozialistischen Verfolgung bis heute aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden ist.
Olga Oppenheimer wurde 1886 in Köln geboren und wuchs als ältestes von sechs Kindern in einer jüdischen Familie auf. Da Frauen das Kunststudium damals noch verwehrt war, nahm sie ab 1907 Privatunterricht bei Adolf Hölzel in Dachau und später bei Paul Sérusier in Paris. 1910 kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück und gründete dort gemeinsam mit ihrer Studienfreundin Emmy Worringer ein Atelier, eine Mal- und Zeichenschule sowie den Gereonsklub. Diese avantgardistische Künstlervereinigung entwickelte sich zu einem wichtigen Treffpunkt der rheinischen Moderne. Unter der Leitung von August Macke, mit dem Oppenheimer eine enge Freundschaft verband, kamen dort Maler*innen, wie Franz Marc und Wassily Kandinsky, zusammen, um sich über neue Positionen auszutauschen und gemein auszustellen. Auch Oppenheimer selbst war in dieser Zeit dort regelmäßig vertreten.
1913 nahm sie als einzige deutsche Frau an der legendären Armory Show in New York, Boston und Chicago teil und präsentierte sechs ihrer flächig stilisierten Holzschnitte. Im selben Jahr heiratete Oppenheimer Adolf Worringer, den Bruder ihrer Freundin Emmy, und bekam mit ihm zwei Kinder. Als junge Mutter gab sie die Malerei auf, möglicherweise auch aufgrund einer Depression, unter der sie litt. Die Schrecken des Ersten Weltkriegs verschärften ihren mentalen Zustand: Sie verlor ihren einzigen Bruder sowie ihren engen Freund August Macke an der Front. 1918 wurde Oppenheimer in eine Heilanstalt eingewiesen. Von den Nationalsozialisten wurde sie schließlich 1941 in der Anstalt Hadamar im Rahmen der Euthanasie-Verbrechen ermordet. Ihr künstlerisches Werk ist nur bruchstückhaft erhalten.
Mit der Ausstellung möchte das Kölnische Stadtmuseum anlässlich ihres Geburtstags an eine bedeutende Vertreterin der rheinischen Avantgarde erinnern und ihre Rolle innerhalb der Moderne neu bewerten. Jansen betont, dass vor allem die bewegte Lebensgeschichte Oppenheimers in der Schau verhandelt und in einen gesellschaftlichen Kontext gerückt wird: „Diese steht exemplarisch für viele verdrängte Künstlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts, deren Biografien durch äußere Gewalt, gesellschaftliche Zuschreibungen und politische Verbrechen gebrochen wurden.“
Die Schau „Olga Oppenheimer. Zum 140. Geburtstag einer verdrängten Künstlerin“ läuft bis zum 13. September. Das Kölnische Stadtmuseum hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Besuch der Präsentation im Open Space ist kostenlos. Das Museum organisiert rund um die Schau ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Führungen und Gesprächen rund Olga Oppenheimer, die Rolle von Künstlerinnen in der Mordende und die Verbrechen der Nationalsozialisten gegen psychisch und physisch kranke Menschen.
Kölnisches Stadtmuseum
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