Valerie Brathwaite gestorben  |  | Valerie Brathwaite in ihrer Ausstellung „A Flowing Path of Her Own“ im Malba | |
Valerie Brathwaite ist tot. Die venezolanische Künstlerin starb am 6. Juli in ihrem Atelier in Caracas. Das gab das argentinische Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires (Malba) über Instagram bekannt. Das Malba würdigte Brathwaite als Künstlerin „von außergewöhnlicher Sensibilität, deren Schaffen von ihrer Bewunderung für das Leben und die Natur geprägt war“. Die in Europa vergleichsweise unbekannte Bildhauerin gilt als eine der wichtigsten künstlerischen Stimmen der Karibik und Venezuelas.
Valerie Brathwaite wurde wohl 1938 in der Stadt San Fernando auf Trinidad geboren. Sie studierte Kunst und Interior Design am Hornsey College of Art und am Royal College of Art in London sowie Bildhauerei bei Ossip Zadkine an der École des Beaux Arts in Paris. Nach einer kurzen Rückkehr in ihre karibische Heimat zog sie 1969 auf Anraten der deutsch-venezolanischen Künstlerin Gego nach Caracas. Die venezolanische Hauptstadt wurde für mehr als fünf Jahrzehnte ihre Wahlheimat und entwickelte sich zum Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens.
Brathwaite arbeitete medienübergreifend in Malerei, Zeichnung, Skulptur und Installation. Im Laufe ihrer Karriere experimentierte sie kontinuierlich mit unterschiedlichen Materialien und Techniken: in den 1970er Jahren entstanden vor allem Arbeiten aus Gips und Ton, in den 1980er Jahren wandte sie sich verstärkt der Druckgrafik und Collage zu, bevor sie sich in den 1990er Jahren intensiv mit Stoffskulpturen beschäftigte, die zu ihrem Markenzeichen wurden. Zu ihren jüngsten Arbeiten zählen Werke aus MDF-Platten. Charakteristisch für ihr Schaffen sind organisch-abstrakte Formen, eine leuchtende Farbigkeit und eine Auseinandersetzung mit den Strukturen der Natur, insbesondere Blumen und Vögeln.
Im Laufe ihrer langen Karriere stellte Brathwaite in zahlreichen Museen und Galerien in Venezuela, der Karibik und Lateinamerika aus. Ihre erste Soloschau zeigte 1975 das Museo de Bellas Artes in Caracas. In den letzten Jahren erfuhr ihr Werk auch international verstärkte Aufmerksamkeit. So widmete ihr die New Yorker Galerie Henrique Faria 2021 eine Einzelausstellung, während das Guggenheim Museum mehrere Arbeiten aus ihrer Serie der Stoffskultpuren für seine Sammlung erwarb. Noch bis zum Februar dieses Jahres präsentierte das Malba eine umfassende Retrospektive unter dem Titel „A Flowing Path of Her Own.“ |