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Betye Saar mit 99 Jahren gestorben

Mit Betye Saar ist eine der großen Gestalten des Black Arts Movement gestorben

Betye Saar ist tot. Die afroamerikanische Künstlerin starb am Sonntag wenige Tage vor ihrem hundertsten Geburtstag in Los Angeles. Saar gilt in den USA als eine der wichtigsten Künstlerinnen des Black Arts Movement und ist für ihre Assemblagen zu schwarzer Identität, Kultur und Geschichte bekannt. Im deutschsprachigen Raum wurde ihr erst in den letzten Jahren eine entsprechende Aufmerksamkeit zuteil, vor allem durch die Verleihung des Kölner Wolfgang-Hahn-Preises. Mit ihren Assemblagen prägte die 1926 in Los Angeles geborene Grafikerin die Gattung und verschob die Bedeutung von Erinnerungsstücken aus der Zeit der Rassentrennung zu Symbolen schwarzer Emanzipation. Eine ihrer wichtigsten Werke ist das 1972 entstandene Assemblagerelief „Liberation of Aunt Jemima“. Nach Aussagen der Filmproduzentin Angela Robinson Witherspoon, die 2023 eine Dokumentation über Saar drehte, war die Assemblage eine Reaktion auf die Ermordung von Martin Luther King Jr.

„Liberation of Aunt Jemima“ vereint in einem Kastenraum eine schwarze bunt bemalte Puppe, die für den Stereotyp der sogenannten „Mammy“, der schwarzen Haushaltshilfe und Kindermädchens, steht. Die Puppe umfasst in der linken Hand einen Besen. In ihren Leib ist ein kleines Bild eingefügt, auf dem eine weitere schwarze Sklavin freudig ein weißes schreiendes Baby hält. Der Hintergrund des Raumes ist mit kleinen Papierabbildungen der „Aunt Jemima“ aus Nahrungsmittelverpackung überzogen. Ziel derartiger Erinnerungsstücke war, es schwarze Menschen herabzuwürdigen, dazu diente auch die rassistische Typisierung. Saar wertete sie jedoch in ihrem Werk um, da die schwarze Sklavin sich mit der rechten Hand lächelnd auf einem ein Gewehr abstützt. Damit wechselt die Erzählung der freudigen, aber passiven Sklavin hin zu einer freien, aktiven, schwarzen Frau, die Handlungsmacht in der Gesellschaft einfordert.

Betye Saar studierte Kunst zunächst am Pasadena City College und wechselte dank eines Stipendiums an die University of California in Los Angeles (UCLA). Nach ihrem Abschluss 1947 strebte sie zunächst eine Karriere als Kunstdozentin an. Widmete sie sich zunächst der Grafik, so inspirierte eine Ausstellung zu Joseph Cornell und seinen Assemblagen Saar dazu, zu dieser Kunstform zu wechseln. Einen weiteren Einfluss übte Bau der skurrilen Watts Towers von Simon Rodia in Los Angeles aus. Seine Verwendung von zerbrochenem Porzellan, Meeresmuscheln, verrostetem Werkzeug und Schrott faszinierte sie schon seit ihrer Kindheit.

In ihren Assemblagen bezog sich Betye Saar auf die Kultur ihrer Ahnen: Iren, Afroamerikaner und die Ureinwohner der USA. Sie thematisierte die negativen Rollenbilder von Afroamerikanern und die weitverbreitete rassistische Haltung gegenüber schwarzen Menschen. Seit den 1960er Jahren sammelte sie stereotype Darstellungen afroamerikanischer Figuren des Alltags und der Werbung, etwa Aunt Jemima, Uncle Tom oder Little Black Sambo, die sie dann in ihre Werke einfügte. Zeitgleich war Saar Teil der Bürgerrechtsbewegung in den USA und traf 1970 in der Gallery 32 auf andere afroamerikanische Künstlerinnen. In den 1980er Jahren lehrte Saar an der UCLA und am Otis Art Institute in Los Angeles. In ihrem Schaffen begann sie, sich mit Technik, etwa dem Computerchip, und der Spiritualität zu beschäftigen.

Betye Saar stellte unter anderem im San Francisco Museum of Modern Art, dem Whitney Museum of American Art in New York, in der Fondazione Prada in Mailand, dem Metropolitan Museum in New York und dem Kunstmuseum in Luzern aus. 2020 wurde sie in Köln mit dem Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig geehrt und ein Jahr später Mitglied der American Academy of Arts and Letters. Christophe Cherix, der als Gastjuror ihr den Wolfgang-Hahn-Preis zusprach, sagte zur Verleihung: „Saar hat in einer von Rassentrennung geprägten Gesellschaft über all die Jahre an ihrem Glauben festgehalten, dass Kunst unsere finstersten Momente und tiefsten Ängste überwinden könne. Eine neue Generation von Künstlern schöpft aus ihrem Werk und macht deutlich, wie Betye Saar den Lauf der US-amerikanischen Kunst verändert hat.“


28.07.2026

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Mit Betye Saar ist eine der großen Gestalten des Black Arts Movement gestorben
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Betye Saar, The Liberation of Aunt Jemima, 1972
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Künstler:

Betye Saar








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