Rubenspreis für Wilhelm Sasnal  |  | Wilhelm Sasnal erhält den Rubenspreis der Stadt Siegen 2027 | |
Wilhelm Sasnal erhält den 15. Rubenspreis der Stadt Siegen. Im November 2027 wird dem 1972 in Tarnów geborenen Polen die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung überreicht. Wilhelm Sasnal gehöre seit Jahren zu den meist beachteten und einflussreichsten Kunstpositionen in Europa. Zudem hob die fünfköpfige Jury hervor, dass Sasnal sowohl die analoge als auch die digitale Realität in einer souveränen künstlerischen Autonomie bespiegle. Formal bereichere er dergestalt die zeitgenössische Malerei um eine leger vorgetragene, gleichwohl komplexe und dichte Bildsprache, deren Syntax sich aus figurativen und abstrakten Elementen zusammensetze.
Weiter führt die Jurybegründung aus: „Wilhelm Sasnal verbindet in seiner Malerei persönliche Momente seiner Lebenswelt mit Bildern kollektiver Erfahrung und Erinnerung zu einem ausdrucksstarken Kaleidoskop der Gegenwart. Bei ihm verschränken sich private, politische und geschichtliche Beobachtungen. In seinen Gemälden greift er dazu auf ausgewählte Motive der Kunstgeschichte, Medienbilder oder eigene Fotografien zurück. So wird der flüchtige Blick auf die eigene Alltagsumgebung ebenso zum Motiv wie seine Exkursionen in ehemalige deutsche Konzentrationslager in Polen, in deren Nähe er seit seiner Kindheit bis heute lebt. Ebenso malte er zuletzt nach aktuellen Bildvorlagen aus dem zerstörten Gazastreifen oder von Atomanlagen im Iran.“
Wilhelm Sasnal studierte ab 1992 zunächst Architektur an der Technischen Universität Krakau, bevor er zur Malerei an die Akademie der Bildenden Künste Krakau wechselte und dort im Jahr 1999 sein Studium abschloss. In dieser Zeit war Sasnal zusammen mit Rafal Bujnowski und Marcin Maciejowski Mitbegründer der einflussreichen, bis zum Jahr 2002 bestehenden Malervereinigung „Grupa Ladnie“. Sasnals Kunst wurde seither weltweit in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, darunter 2003 in der Kunsthalle Zürich, 2006 im Van Abbemuseum in Eindhoven, 2009 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, 2011 in der Londoner Whitechapel Gallery, 2018 im Kistefos Museet in Oslo, 2021 im Polin Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau oder 2024 im Stedelijk Museum in Amsterdam. Zudem nahm er an wichtigen Biennalen teil, wie der Biennale de São Paulo (2004 und 2014), der Carnegie International in Pittsburgh (2008), der Prag Biennale (2005), der Gwanju Biennale in Südkorea (2002) oder aktuell der Manifesta 16 Ruhr.
Der Rubenspreis der Stadt Siegen wird seit 1957 alle fünf Jahre an einen in Europa lebenden Künstler oder eine Künstlerin für ein wegweisendes Gesamtwerk mit dem Schwerpunkt in der Malerei und Grafik vergeben. Die Auszeichnung erinnert an den Maler Peter Paul Rubens, der in Siegen geboren wurde und der als Hauptvertreter der europäischen Barockmalerei künstlerische Maßstäbe gesetzt hat. Den Rubenspreis erhielten bisher Hans Hartung (1957), Giorgio Morandi (1962), Francis Bacon (1967), Antoni Tàpies (1972), Fritz Winter (1977), Emil Schumacher (1982), Cy Twombly (1987), Rupprecht Geiger (1992), Lucian Freud (1997), Maria Lassnig (2002), Sigmar Polke (2007), Bridget Riley (2012), Niele Toroni (2017) und zuletzt 2022 Miriam Cahn. |