Bayern restituiert Picasso-Büste  |  | Pablo Picasso, Fernande, 1906 | |
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen geben die Picasso-Büste „Fernande/Beatrice“ an die Erben des Sammlers und Galeristen Alfred Flechtheim zurück. Das gab Kunstminister Markus Blume gestern in München bekannt. Pablo Picasso schuf die Bronzeplastik um 1906 als Portrait seiner damaligen Lebensgefährtin Fernande Olivier. Um 1913 kam das Werk dann in Flechtheims Besitz, der sie später in „Beatrice“ umtaufte. Der jüdische Kunsthändler gehörte zu einem der bedeutendsten Förderer moderner Kunst in der Weimarer Republik, wurde aber als einer der ersten Galeristen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten systematisch verfolgt, wirtschaftlich entrechtet und schließlich zur Flucht ins Exil gezwungen wurden. Flechtheim starb 1937 verarmt in London.
Die Picasso-Büste gelangte um 1933 in den Besitz des Düsseldorfer Bankhauses Simons Co., dem Flechtheim sie als Sicherung für einen Kredit übereignete. Nachdem er aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung nicht mehr in der Lage war, das Darlehen auszulösen, verlor er den Zugriff auf das Kunstwerk. 1964 erwarben die Bayrischen Staatsgemäldesammlungen die Plastik. Die Erben des Galeristen waren bereits seit 2022 bemüht, die Picasso-Büste zurückzubekommen, wobei der Restitutionsantrag zwei Jahre später abgelehnt wurde. Der Fall wurde nun von dem im Dezember 2025 eingerichteten NS-Schiedsgericht neu aufgerollt und zu Gunsten der Flechtheim-Nachfahren entschieden. Grundlage ist hierbei ein neuer Bewertungsrahmen, der den Umgang mit Sicherungseigentum erstmals regelt. Demnach gilt Flechtheim trotz der Übereignung der Skulptur im Zuge der Kreditsicherung an die Bank als Eigentümer, da er das Werk wegen der NS-Verfolgung nicht mehr auslösen konnte. Der Anwalt der Familie begrüßte die Entscheidung, jedoch betonte Markus H. Stötzel, dass die Restitution der Büste nur ein erster Schritt sein könne. „Wir warten weiterhin auf die Rückgabe von zwei Gemälden von Paul Klee und weiterer Kunstwerke aus Bayern. Einige dieser Ansprüche wurden bereits im Jahr 2008 angemeldet.“
Im Zusammenhang mit der Rückgabe kündigte Markus Blume die Gründung eines Bayrischen Zentrums für Provenienzforschung an. Als Teil des Münchner Instituts für Zeitgeschichte sollen künftig Forschung, wissenschaftliche Bewertung und Restitutionsempfehlungen außerhalb der staatlichen Museumsverwaltung organisiert werden. Ergänzt wird das Zentrum durch eine unabhängige Kommission, die unter anderem die strategischen Leitlinien entwickeln, Prioritäten für die Bearbeitung einzelner Fälle setzen und Empfehlungen für mögliche Rückgaben aussprechen soll. Mit dieser Neuerung will Bayern die Provenienzforschung strukturell neu aufstellen und die Aufarbeitung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut langfristig stärken. Ein solches Zentrum wäre deutschlandweit das erste seiner Art, betonte Markus Blume. Der Freistaat beschreite damit einen beispielgebenden Weg. |