Paul Mpagi Sepuyas begehrliche Blicke in Hannover  |  | Paul Mpagi Sepuya, Model Study (0X5A4029), 2017 | |
Nach dem Fotomuseum Winterthur präsentiert nun das Sprengel Museum in Hannover die erste größere Personale zum Schaffen von Paul Mpagi Sepuya in Deutschland. Dafür hat Kurator Stefan Gronert frühe und neuere Serien sowie Ephemera-Material aus der privaten Sammlung des 1982 geborenen US-amerikanischen Fotokünstlers ausgewählt und sie mit dem Titel „Im Blick des Begehrens“ versehen. Im Zentrum stehen das Portrait und der Akt, die Sepuya aber in einer engen Interaktion zwischen ihm und seinem Gegenüber entwickelt. Durch den gezielten Einsatz von Spiegeln, Stoffen und Studioelementen hinterfragt der Künstler die Mechanismen des Sehens: Wer blickt, wer wird betrachtet, und wie entsteht fotografische Intimität? Seine sinnlich und poetisch anmutenden Arbeiten dekonstruieren daher die klassische Porträtkunst und zeigen, wie Sepuya die Kamera als Werkzeug nutzt und dabei zugleich Räume der Nähe, Fragmentierung und Reflexion erschafft.
In vertraulichen Begegnungen mit engen Freund*innen und über eine gemeinschaftliche Bildpraxis kreiert er sorgfältig komponierte Bilder, die seine queere und schwarze Perspektive ins Zentrum rücken, und erzeugt ein lustvolles Spiel zwischen Sichtbarmachen und Verbergen: Körper und Blicke treten miteinander in Beziehung, werden gespiegelt, gebrochen und fragmentiert, vervielfacht und zu neuen Konfigurationen verwoben. Häufig rückt Paul Mpagi Sepuya dabei seine Kamera recht präsent ins Bild, lenkt damit den Blick zurück auf die Betrachtenden und verstrickt sie in die Dynamik von Sehen, Gesehenwerden und Begehren, deren Bedingungen Sepuya fortwährend aushandelt und verschiebt. Gronert thematisiert Sepuyas künstlerische, mediale und politische Ideen in Bezug auf Blackness, Body und Räume. Dabei will Sepuya, wie er es selbst formuliert, „über die Strukturen von Fotografie, Porträtkunst und queerer Sozialität auf neue Weise nachdenken“ und „die fundamentale Position von Schwarzsein als Material anerkennen – oder Schwarzsein und Dunkelheit als einen Ort, von dem und in den man blickt“.
Die Ausstellung „Paul Mpagi Sepuya – Im Blick des Begehrens“ ist bis zum 4. Oktober zu sehen. Das Sprengel Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr, dienstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei sowie freitags für alle Besucher*innen.
Sprengel Museum Hannover
Kurt Schwitters Platz
D-30169 Hannover
Telefon: +49 (0)511 – 168 438 75 |