Chemnitz is serving Gender!  |  | Sophia Süßmilch, Mutterliebe, 2020 | |
Das Museum Gunzenhauser der Kunstsammlungen Chemnitz präsentiert mit „Serving Gender“ den zweiten Teil der Ausstellungsreihe „Mahlzeit!“. Mit künstlerischen Positionen vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart will die Kuratorin Pauline Tigges auf die Ambivalenz von Essen und der sozialen Rolle der Frau verweisen. Durch eine mediale Vielfalt von Textilkunst, Malerei, Druckgrafik, Fotografie und Videoarbeiten von Künstlerinnen wie Ivonne Thein, Henriette Grahnert, Julia Kissina und Fern Liberty Kallenbach Campbell zeigt sie, dass Essen nicht nur biologische Bedürfnisse stillt, sondern gesellschaftliche Strukturen reproduziert, indem sie klar benennt, wer das Essen zubereitet.
Weltweit leisten Frauen seit Jahrhunderten unbezahlte Care-Arbeit rund um die Nahrung. Tagtäglich kochen, versorgen und ernähren sie Kinder, Familien und Gemeinschaften. Tigges beginnt die Thematik mit Evas Apfel, der als Ursprungsmythos weiblicher Verantwortung gilt, und führt sie über die Muttermilch als Sinnbild biologischer und sozial erwarteter Fürsorge bis hin zu bedeutenden feministischen Positionen weiter, etwa der Videoarbeit „Semiotics of the Kitchen“ von Martha Rosler. Dabei wird die hauseigene Sammlung durch Leihgaben von Eliane Diurs „Self Care“ oder Sophia Süßmilchs „Mutterliebe“ ergänzt, die weiblich oder weiblich gelesene Körper mit dem Akt des Nährens oder Essens verbinden. Diese Arbeiten werfen die Frage auf, welche Erwartungen an weibliche Fürsorge den Esstisch prägen und wer überhaupt Appetit haben darf. Pauline Tigges bezeichnet die Ausstellung als „einen feministischen Blick über den Tellerrand, der die ambivalenten Verbindungen von Geschlechterrollen und Essen erkundet – und dabei zum Genießen einlädt.“
Im Jahr 2026 widmet sich das Museum Gunzenhauser mit der Ausstellungsreihe „Mahlzeit!“ dem Essen. Begonnen hat die Reihe mit der Schau „Feinkunsthalle“, in der die Repräsentation von Lebensmitteln als Konsumgut in der Kulturgeschichte im Fokus stand, schließen wird sie mit der Präsentation „Zu Tisch“, wo die sozialen und kulturellen Aspekte des Essens, wie gesellige Momente, soziale Situationen aber auch kulturelle Traditionen behandelt werden.
Die Ausstellung „Mahlzeit! Serving Gender“ ist bis zum 1. November zu sehen. Das Museum Gunzenhauser hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6,50 Euro; für Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres ist er kostenfrei.
Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser
Falkeplatz
D-09119 Chemnitz
Telefon: +49 (0)371 – 488 70 24 |