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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Lempertz brilliert mit einem Renaissanceportrait. Ansonsten wollten die Gemälde Alter Meister oft nicht so recht zünden. Das 19. Jahrhundert hatte es da deutlich besser

Betörende Bildnisse



Barent van Orley,  Portrait eines jungen Edelmannes, wohl um 1520

Barent van Orley, Portrait eines jungen Edelmannes, wohl um 1520

Der Auftakt war fulminant. Nach rund einem halben Jahrhundert tauchte bei Lempertz ein junger Edelmann wieder auf, den Barent van Orley um 1520 in einen kostbar durchwirkten Seidenbrokat, eine dunkle Schaube und ein schwarzes Barett gekleidet hatte. Sein leicht verträumter Blick schweift in die Ferne, das Schriftstück in seiner rechten Hand und der Schwertgriff unterstreichen aber seine Stellung und Selbstgewissheit, wie es sich wohl für ein Mitglied des Brüsseler Hofs unter der Statthalterin der Niederlande, Margarete von Österreich, ziemte. Besonders in der vortrefflichen Wiedergabe der Stoffe zeigt sich die Meisterschaft des Brüsseler Hofmalers. Lange Zeit befand sich der modisch gekleidete Edelmann in der bedeutenden Sammlung der Earls of Rosebery in den Mentmore Towers, einem Herrenhaus in der Grafschaft Buckinghamshire, das sich der Bankier und Kunstsammler Amschel Mayer de Rothschild in den 1850er Jahren nicht zuletzt für seine umfangreiche Kollektion errichten ließ. 1977 wurden die Mentmore Towers in einer spektakulären Auktion von Sotheby’s versteigert, nachdem die britische Regierung es abgelehnt hatte, Anwesen und Inhalt für 2 Millionen Pfund zu übernehmen. Somit verschwand auch Barent van Orleys Gemälde aus der Öffentlichkeit und ging über den Würzburger Kunsthändler Albrecht Neuhaus in eine norddeutsche Privatsammlung ein. Jetzt lockte der fesche Edelmann eine internationale Bieterschaft in das Kölner Auktionshaus, die das mit 100.000 bis 150.000 Euro bewertete Portrait ohne viel Federlesens auf 640.000 Euro hob. Mit Aufgeld kamen rund 813.000 Euro zusammen.


Darüber hinaus hielten sich die Kunden bei der Versteigerung „Alte Kunst und 19. Jahrhundert“ eher zurück, hauptsächlich bei den Gemälden Alter Meister, die mit einer losbezogenen Verkaufsrate von 51,5 Prozent gegenüber dem Gesamtdurchschnitt der Auktion von knapp 60 Prozent doch um einiges zurückfielen. Zudem kam bei teuren Objekten oft erst im Nachgang der Auktion ein Verkauf zustande, was dann den Preis drückte, etwa bei Hendrik de Clercks manieristisch farbenfreudiger und engelreicher „Verkündigung an Maria“ und Fede Galizias wohltuend schlichtem Stillleben mit einer Fußschale, in der Pfirsichen und Birnen lagern, für jeweils 70.000 Euro (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Den gleichen Abschlag musste Hans Hoffmanns dunkles Andachtsbild „Ecce Homo“ mit dem dornengekrönten Jesu hinnehmen, wurde bei seinem weiderholten Antritt aber schon während der Auktion gehandelt.

Der Nachverkauf muss es richten

Weitere Highlights mussten dagegen bis zum Nachverkauf warten, darunter eine nun 100.000 Euro teure Landschaft mit den Jesus- und Johannesknaben und dem Lamm aus der Werkstatt Peter Paul Rubens’, für deren baumbestandenen Hintergrund sein Kollege Jan Wildens zuständig war (Taxe 120.000 bis 140.000 EUR), Jan van Goyens tonale Küstenszene mit Fischern am Strand von Scheveningen für 60.000 Euro (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR) oder der hoch aufgetürmte, voll erblühte Blumenstrauß in einer reliefierten und vergoldeten Vase für 70.000 Euro, bei dem Jan Breughel d.J. und Frans Francken II. in den 1630er Jahren gemeinsam beteiligt waren (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Auch Jan Davidsz de Heems Prunkstillleben mit Silberstücken, einer Wanli-Schale mit Früchten, Austern auf einem Silberteller, Zitronen, Brot, teuren Gläsern, einem vergoldeten Buckelpokal und einer umgestürzten Silbertazza erlitt bei 250.000 Euro dieses Schicksal (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Dafür durfte sich der eine Generation jüngere Abraham van Beyeren für sein aufwendiges Arrangement aus vergoldetem Buckelpokal, Früchten, Römerglas, Hummer und Auster über 150.000 Euro freuen (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR) und gab seine angenehm unprätentiöse Komposition aus Zitronen in einer Fayenceschale auf einem Mörser nebst Trauben und Austern ebenfalls für taxgerechte 20.000 Euro ab.

Der Antwerpener Tiermaler Paul de Vos behauptete sich mit seiner großformatigen Hirschjagd, in der eine Hundemeute einem Spießer nachsetzt, bei 85.000 Euro gut im Rahmen der Erwartung von 70.000 bis 100.000 Euro, ebenso Jan Mandyn mit seinem am Ufer eines Flusses schlafenden heiligen Christophorus, der eben von dem kleinen Jesuskind auf der anderen Uferseite gerufen wird, während die Landschaft fantasievolle Bosch-Figuren bevölkern. Hier kamen 32.000 Euro zusammen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Sebastian Vrancx trennte sich von seiner weitläufigen Parkanlage mit eleganter Gesellschaft als Ideal aristokratischen Lebens schon bei 50.000 Euro (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR), Pieter de Hooch von seinem holländischen Interieur mit junger, nähender Mutter, Magd und Kind bei 110.000 Euro (Taxe 120.000 bis 140.000 EUR) und Jacob van Ruisdael von seinem Bachlauf mit knorrigen, üppig belaubten Bäumen bei 70.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Seine zweite Landschaft, ein „Norwegischer Wasserfall“, den Ruisdael nie selbst gesehen hatte, fand bei 120.000 bis 140.000 Euro überhaupt keinen Abnehmer. Ebenso erging es dem moralischen Imperativ „Die Sieben Werke der Barmherzigkeit“ von Pieter Breughel d.J. (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR), Gabriel Metsus aufmerksamer „Kesselputzerin“ in einer belaubten Fensternische (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR), Vincent Sellaers mythologischem Sujet einer lagernden, erotisch verspielten Venus mit mehreren Amoretten (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR), Domenico Fettis Allegorie der nachdenklichen, über einem Totenkopf brütenden „Melancholie“ (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR) oder Giovanni Battista Tiepolos Charakterstudie eines älteren einfachen Mannes (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). Es waren eher die kleinen unscheinbaren Arbeiten, die die Käufer zu Wertsteigerungen anregten, darunter die Pendants zweier Jagdszenen des weitgehend unbekannten, aus einer Künstlerfamilie im nordfranzösischen Arras stammenden und um 1600/50 tätigen Hans Bergaigne, die von 30.000 Euro auf 36.000 Euro kletterten, oder das anrührende Bildnis der jungen Louisa Hervey mit Taube aus der Hand Johann Friedrich August Tischbeins von 1778 für 14.000 Euro (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Barockes Hundetraining

Die Zeichnungen, bei den die Abnahmequote dann schon bei 65 Prozent lag, hatten zuerst ein seltenes spätgotisches Blatt zu bieten: Ein unbekannter süddeutscher Meister führte seine „Beweinung Christi“ mit Marterwerkzeugen wie einen Holzschnitt aus und nahm dafür die obere Erwartung von 20.000 Euro ein. Preislicher Höhepunkt waren hier die 41.000 Euro für eine Winterlandschaft mit gefrorenem Kanal und Schlittschuhfahrern, auf deren Rückseite Jan Brueghel d.Ä. noch eine der für seine Familie so wichtigen Vogelfallen gezeichnet hatte (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Einträglich waren die 27.000 Euro für Giovanni Francesco Barbieris Tuschestudie eines sitzenden Mannes, der eben seinen Hund mit einem Stock erzieht (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), oder die 3.800 Euro für Christian Gottlieb Schicks klassizistisch-martialischen Mythos „Niobe trauert um ihre getöteten Töchter“ (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR).

Ein figurenreiches Schlachtengetümmel eines unbekannten Meisters sorgte ebenfalls für Aufsehen. Erst nach Drucklegung des Katalog stellte sich heraus, dass es sich dabei um die „Schlacht an der Ulrepforte“ in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 1268 in Köln, den blutigen Höhepunkt im Machtkampf zwischen dem Kölner Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg und den mächtigen Patriziergeschlechtern der Stadt, handelt, weshalb das Stadtmuseum Köln hier für 3.200 Euro zuschlug (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR). Aber auch bei den Zeichnungen gab es prominente Rückgänge, etwa Jan Boeckhorsts neutestamentliche Darstellung „Befreiung des heiligen Petrus“ aus dem Kerker (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder Jakob Philipp Hackerts gediegener klassizistischer Spaziergang im Englischen Garten von Schloss Caserta bei Neapel von 1796 (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR).

Energische Amazone

Schon seit einigen Jahren ist nicht nur bei Lempertz zu beobachten, dass die Kunst des 19. Jahrhunderts bei entsprechender Auswahl wieder mehr Interessenten anzieht. So verzeichneten die Arbeiten der Neueren Meister in Köln eine überraschend hohe Verkaufsrate von 71,4 Prozent, auch wenn die Preise nicht mehr so hoch liegen wie früher. Bei 50.000 Euro war hier Schluss: zu diesem Wert wurde erst im Nachverkauf Carl Blechens vor kurzem wiederentdeckte südliche „Felslandschaft mit einem Einsiedler“ unter rot glühendem Abendhimmel übernommen (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). Dahinter platzierten sich bei hohen 48.000 Euro Franz von Stucks bekannter Bronzeguss der speerschleudernden „Amazone“ (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und bei 46.000 Euro Peder Mork Mønsteds 1908 datierte „Blumenwiese an einem Bach im Frühling“, die in ihrer beinahe eine fotorealistische Wirkung einen Londoner Sammler für sich einnahm (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Während die Preisvorgaben für Blechens Felslandschaft deutlich schrumpften, legten sie bei seinem „Alten jüdischen Mann bei der Rast“ von 1833 zu. Der Wanderjude, der sich auf einer Bank in den Gassen einer Stadt niedergelassen und seine gesamte Habe in einem großen weißen Stoffbeutel bei seinem Wanderstock abgestellt hatte, zählte mit 31.000 Euro zu den wenigen besonders umworbenen Stücken der Auktion (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Eine vornehme junge Dame in einem blauen Seidenshawl betörte gleichfalls die anwesenden Sammler. Der französisch-russische Maler Eugène Pluchart verewigte auf diesem Portrait von 1845 wohl die gefeierte Schauspielerin Vera Samoilowa, die bei Lempertz immer noch mit 20.000 Euro hofiert wurde (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR). Auch der Conte Francesco Borgia, den Francesco Hayez mit lockigem Haar, großen gedankenverlorenen Augen und Schnurrbart im romantischen Gestus portraitiert hatte, ließ nicht locker, bis schließlich 38.000 Euro erreicht waren (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Für die Romantik in der Landschaftsmalerei standen August Lucas’ mittelalterlich geprägter, weiter bewaldeter Ausblick mit einem Lautenspieler und einer jungen Frau unterhalb einer Burganlage für 13.000 Euro (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR) und Barend Cornelis Koekkoeks Waldweg mit einer alten kleinen Kapelle, von der aus sich die ersten Besucher des gerade beendeten Gottesdienstes bereits auf den Nachhauseweg aufgemacht haben. Gekonnt setzte Koekkoek auf diesem Gemälde aus dem Jahr 1849, das nun die obere Schätzung von 30.000 Euro einwarb, Licht- und Schattenpartien ein, um etwa das nach der Aufklärung wiedererwachte religiöse Empfinden zu betonen. Hans Thomas weitaus stilisiertere Sommerlandschaft „Stiller Bach“ von 1890 strahlt eine kühle Ruhe aus und kam auf 24.000 Euro (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Die damals junge Finanzwelt fing Ferdinand Brütt 1888 mit seiner Ölstudie „Im Börsensaal“ bei schnellem flüchtigem Pinselduktus für 22.000 Euro ein (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Heinrich Max Imhofs Marmorstatue „Miriam mit dem Tamburin“ von 1867 hatte erst vor sechs Jahren bei Lempertz ihren letzten Auftritt und verabschiedete sich damals bei einer Erwartung von 20.000 bis 25.000 Euro bereits bei 18.000 Euro. Daran hatten die Experten die aktuelle Schätzung von 15.000 bis 18.000 Euro ausgerichtet. Doch nun zeigten sich die Bieter bei der spätklassizistischen Skulptur der Prophetin aus dem Alten Testament mit 26.000 Euro deutlich beherzter.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



04.07.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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21.05.2026, Alte Kunst und 19. Jahrhundert

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Kunstwerk:

Jan Davidsz de Heem,
 Prunkstillleben mit Silberstücken, einer Wanli-Schale mit Früchten, Austern auf einem Silberteller sowie einer Laute
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Hans Bergaigne, Zwei Jagdszenen
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Hans Bergaigne,  Zwei Jagdszenen

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Fede Galizia,  Schale mit Pfirsichen und Birnen

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Jan Davidsz de Heem,  Prunkstillleben mit Silberstücken, einer Wanli-Schale mit Früchten, Austern auf einem Silberteller sowie einer Laute

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