Darmstadt entdeckt Hedwig Kruse  |  | Hedwig Kruse, Flußlandschaft, 1918 | |
Seit Mitte Juni zeigt das Hessische Landesmuseum Darmstadt die expressiven Papierarbeiten von Hedwig Kruse und rückt damit eine Grafikerin der sogenannten „Verschollenen Generation“ ins Licht. Wie viele Künstler*innen, deren Laufbahn durch die nationalsozialistische Kulturpolitik unterbrochen wurde, konnte auch Kruse nach 1945 nicht mehr an ihren früheren Erfolg anknüpfen und geriet weitgehend in Vergessenheit. Mit der Ausstellung widmen die Kuratorin Mechthild Haas und das Museum, das 2017 den gesamten grafischen Nachlass von Kruses Sohn erhielt, den Arbeiten der Künstlerin nun erstmals eine umfassende Präsentation.
Hedwig Kruse, Tochter des Malers Hermann Kruse, wurde 1895 in Frankfurt am Main geboren und studierte an der Kunstgewerbeschule in München. Seit 1917 arbeitete sie als Druckgrafikerin und entwickelte eine eigenständige stilisiert expressionistische Bildsprache, wobei sie sich inhaltlich mit der der Symbiose von Kulturen und Weltreligionen auseinandersetzte. So zeigen ihre ungemein dichten Bilder fantastische Wesen, Figuren aus Mystik und Märchen, während Kruse zugleich biografische Erfahrungen und Rollenbilder, etwa die der Künstlerin, der Geliebten, der Mutter und der verlassenen Frau, aufgriff. Prägend für ihr Werk sind dabei der illustrative Charakter sowie die expressive Kraft von Farbe und Linie, die den Kompositionen eine eindringliche Spannung verleihen.
Ihre vielversprechende Karriere wurde jedoch 1935 durch die Nationalsozialisten jäh unterbrochen, die sie mit einem Berufsverbote belegten. Wie viele ihrer Zeitgenoss*innen war es ihr fortan untersagt, öffentlich auszustellen, Werke zu verkaufen oder institutionell präsent zu sein. Zwar nahm Kruse nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre künstlerische Arbeit wieder auf, die erzwungene Zäsur ließ sich jedoch nicht mehr überwinden. Umso spannender erscheint heute das Revival ihres Werks, das ein eindrucksvolles Zeugnis der deutschen Druckgrafik darstellt.
Die Ausstellung „Hedwig Kruse. Eine Druckkünstlerin lebt ihren Traum“ ist bis zum 27. September zu sehen. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt für die Sonderausstellung ist im Ticket für die Dauerausstellung enthalten und beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für Kinder und Jugendlich bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.
Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
D-64283 Darmstadt
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