Trauer um Rune Mields  |  | Rune Mields vor einem ihrer „Röhrenbilder“ | |
Rune Mields ist tot. Die deutsche Konzeptkunstpionierin starb am vergangenen Samstag im Alter von 91 Jahren in Köln. Das teilte die Galeristin Judith Andreae mit, die die Künstlerin fast 15 Jahre lang begleitet hat. Auf ihrer Website würdigt sie Mields’ außergewöhnliches Schaffen und nimmt Abschied von einer einflussreichen Persönlichkeit der deutschen Gegenwartskunst. „Rune Mields prägte und gestaltete über Jahrzehnte hinweg vor allem die rheinische Kunstszene. Mit ihrem scheinbar aus der Zeit gefallenen, keinem Stil klar zuzuordnenden Werk belegt sie ein Alleinstellungsmerkmal. Wir verlieren eine Künstlerin, die sich vehement dafür einsetzte, die Rolle der Frauen in der Kunst in einer damals von Männern dominierten Kunstwelt ins Bewusstsein zu rufen und zu stärken“, schreibt die Bonner Galeristin.
Rune Mields wurde 1935 in Münster geboren und fand erst über den Umweg einer Buchhändlerlehre zur Kunst. Seit Ende der 1960er Jahre arbeitete sie als freischaffende Künstlerin und entwickelte ein Werk, das sich an der Schnittstelle von Kunst, Mathematik, Philosophie und Naturwissenschaften bewegte. Ziffern, Zeichen, geometrische Ordnung und logische Systeme wurden zu ihren zentralen Bildmotiven. Mit ihren Serien aus Zahlenfolgen, Diagrammen und geometrischen Formen schuf Mields einen ebenso konsequenten wie eigenständigen Kosmos. Dabei ging es ihr nicht allein um mathematische Fragen, sondern um die Visualisierung gesellschaftlicher, politischer und kultureller Ordnungssysteme sowie der ihnen zugrunde liegenden Machtstrukturen. Bekannt wurde Mields insbesondere durch ihre sogenannten „Röhrenbilder“: großformatige, auf Zeichnung basierende Malereien von plastisch ausformulierten Zylindern, Kegeln und Flächen. Dabei hatte das Rohr für die Künstlerin auch immer eine symbolische Bedeutung, die Kraft, Technik, Aggression und Rationalität verkörpert. Inspiriert von industriellen Fotografien von Raketenstufen, Öltanks oder technischen Anlagen entwickelte sie eine Bildsprache, in der technologische Formen zugleich als Chiffren gesellschaftlicher Strukturen erscheinen.
1977 nahm Rune Mields an der Documenta 6 in Kassel teil. Eine Gastprofessur an der Hochschule der Künste in Berlin sowie ein Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom prägten die 1980er Jahre. Im Jahr 2000 wurde Mields für ihr Lebenswerk und ihr Engagement für Künstler*innen mit dem Gabriele Münter Preis ausgezeichnet, 2009 folgte dann der Konrad-von-Soest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Erst kürzlich wurde Mields’ Schaffen zu ihrem 90. Geburtstag in mehreren deutschen Häusern gewürdigt, wie in der Kunsthalle Bonn, die ihr einen eignen Raum innerhalb ihrer Sammlungspräsentation widmete, oder dem Ludwig Forum Aachen, das ihre Arbeiten unter dem Titel „Rune Mields. Der unendliche Raum – dehnt sich aus“ präsentierte.
Auf eigenen Wunsch wird Rune Mields auf der Künstler-Nekropole in Kassel beigesetzt. Ihr Grab hatte sie bereits in den 1990er Jahren selbst entworfen. Unter dem Titel „Das Leben läuft wie ein fließender Fluss“ ist es als eckig verlaufender, sich sukzessiv erhöhender Plattenweg angelegt. Im Jahr 2027 soll ihr Werk in der Kunsthalle Gießen und dem Leverkusener Museum Morsbroich zu sehen sein. Die Doppelausstellung war noch gemeinsam mit Rune Mields geplant worden und werde nun zu einer posthumen Würdigung der Rheinländerin, wie die Galerie Andreae bekanntgab. |