Brühl wirft Blicke auf die Produktion des Rokoko  |  | Das Schloss Augustusburg in Brühl | |
Seit dem Wochenende gewährt die Ausstellung „Rokoko under Construction – The Making of Schloss Augustusburg“ am authentischen Ort in Brühl Einblicke in die Baugeschichte der ehemaligen Residenz der Kölner Fürstbischöfe. Wie im Zusammenspiel von Architekten und Kunsthandwerkern aus Europa, Lieferanten oder Unternehmern Schloss Augustusburg zu einem Zentrum künstlerischer Innovation wurde, ist Thema dieser Ausstellung. Wer waren die beteiligten Personen, woher kamen sie, wie waren sie vernetzt, wie wurde die Baustelle organisiert, welche Arbeitsbedingungen herrschten vor oder welche Materialien fanden Verwendung? All diese Aspekte versucht die Schau am Beispiel von 150 Exponaten und viel ergänzender Flachware zu erhellen. Fußend auf den Ergebnissen einer Fachtagung und unter Analyse zahlreicher Archivalien wie Bauamtsrechnungen, ist die Intention der Kuratoren Xenia Schürmann und Benedikt Bauer, neue Erkenntnisse und Hintergründe zu dem Sommerschloss offenzulegen.
Auftakt des Parcours in sieben Salons des Gelben Appartements bildet der Einblick in die Großbaustelle, die seit ihrer Grundsteinlegung am 8. Juli 1725 über vierzig Jahre hinweg bestand. Unter der für die Organisation, Materialbeschaffung und Personalakquise zuständigen Behörde des „Kurfürstlichen Bauamtes“ wurde die Ruine einer mittelalterlichen Wasserburg in einen Neubau verwandelt. Sechs Architekten wirkten vor allem mit: Die Pläne entwickelte Johann Conrad Schlaun, Michael Leveilly war der Bauleiter vor Ort, der bayerische Hofarchitekt François de Cuvilliés d.Ä. beteiligte sich aus der Ferne, der Würzburger Balthasar Neumann wurde für Details wie das Prunktreppenhaus hinzugezogen, unter Johann Heinrich Roth wurde der Gardensaal vollendet, und Étienne Dupuis brachte den Bau zum Abschluss.
Auch die Bauherren werden vorgestellt: Der Kölner Kurfürst und Erzbischof Clemens August von Bayern gab das Jagd- und Lustschloss zu Brühl in Auftrag, unter seinem Nachfolger Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels wurde es 1768 vollendet. Anschließende Kapitel schildern die Ursprünge des Rokoko in den 1720er Jahren und dessen Verbreitung in Stichwerken. Meister der Rocaille werden ebenso vorgestellt wie Stuckateure, darunter der aus dem Tessin stammende Giuseppe Artari, der das Prunktreppenhaus und die Staatsappartements ausstattete. Der „Wanderkünstler“ Carlo Innocenzo Carlone gestaltete das Deckenfresko im Prunktreppenhaus, von dem der Vorentwurf zu sehen ist.
Interaktive Medien- und Mitmachstationen vermitteln historische Handwerkstechniken wie die Lacktechnik der „Lacca Povera“, mit der das kriegszerstörte Indianische Lackkabinett ausgestattet wurde. Alltagsszenen, Blumen- oder Vogeldarstellungen wurden dabei aus Kupferstichen ausgeschnitten, wie eine Collage arrangiert und zeichnerisch ergänzt. Ein erhaltenes Fragment wurde vom Amt für Denkmalpflege im Rheinland aufwendig restauriert und ist in der Ausstellung zu sehen. Den Abschluss bildet ein kunsthistorisches Highlight: Die Decke des letzten Salons, des Speisezimmers, schmückt die früheste Rocaille in Deutschland, ein an die Muschel erinnerndes Zierelement. Auch dieser Aspekt begründete die Aufnahme der Schlossanlage in die UNESCO-Welterbeliste im Jahr 1984.
Die Ausstellung „Rokoko under Construction – The Making of Schloss Augustusburg“ ist bis zum 1. November zu besichtigen. Schloss Augustusburg hat täglich außer montags von 9 bis 16 Uhr, am Wochenende und feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9,50 Euro, ermäßigt 6,50 Euro; für Kinder, Schülerinnen und Schüler, Studierende und Auszubildende bis 25 Jahre ist er frei. Zur Ausstellung ist ein Begleitband für 29,95 Euro erschienen.
Schloss Augustusburg
Max Ernst Allee
D-50321 Brühl
Telefon: +49 (0)2232 – 44 000 |