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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Auch wenn nicht alles ein früheres Preisniveau erreichte, überzeugte der Züricher Versteigerer Koller bei seiner Auswahl an Kunsthandwerk, Antiken und Skulpturen mit einer hohen Verkaufsrate

Schätze der Alten Welt



Torso der Bartholoni-Venus, Römische Kaiserzeit, circa 2. Jahrhundert nach Christus

Torso der Bartholoni-Venus, Römische Kaiserzeit, circa 2. Jahrhundert nach Christus

Sie muss einmal ein schönes ausdrucksvolles Gesicht getragen haben. Auch ihre Arme und Unterschenkel sind ihr abhandengekommen. Doch noch immer steht die sogenannte „Bartholoni-Venus“ für Schönheit, Ebenmaß und Eleganz. Der helle weibliche Marmortorso, der nach dem Vorbild der berühmten „Aphrodite von Knidos“ von Praxiteles einen römischen Bildhauer im zweiten Jahrhundert nach Christus inspirierte, war das Highlight der Auktion „Works of Art & Decorative Arts“ bei Koller in Zürich. Die entblößte Liebesgöttin, deren verhalten dynamische Spannung aus dem Kontrapost mit dem Gewicht auf ihrem rechten Bein und der leicht nach vorn geneigten Haltung resultiert, ist nach ihrem ersten bekannten Besitzer Jean-François Bartholoni, einem Genfer italienischer Abstammung, der vor allem in Paris als Bankier und Pionier des Eisenbahnwesens tätig war, benannt. Die mit 500.000 bis 800.000 Franken angesetzte Skulptur überzeugte vor allem einen Schweizer Privatsammler, der bei der Marmorskulptur nicht locker ließ, bis er bei 950.000 Franken die Konkurrenz aus dem Rennen schmeißen konnte.


Weitere Sammlerstücke aus der Antike setzen am 26. März in Zürich anfangs die Messlatte hoch, beispielsweise eine ägyptische Mumienmaske, die zwischen 500 und 200 vor Christus entstand. Derartige Abdeckungen waren in der Spätzeit des Alten Ägypten Teil der Bestattungspraktiken, wobei teils vergoldete, mit aufwendigen Motiven und Steinen verzierte Masken wie die hier vorliegende von einem wohlhabenden Besitzer zeugen. Der angesetzte Preis von 20.000 Franken verwandelte sich in 40.000 Franken, was den Ton für die kommenden Versteigerungen angab. Auch andere ägyptische Schätze wie der monumentale koptische Registerbehang aus dem 5. bis 7. Jahrhundert nach Christus gingen ohne Probleme in neue Hände über. Aufgrund seiner bemerkenswert guten Erhaltung trug der Wandbehang, der mit Vögeln, Löwen, Pfauen und Figuren im Gebetsgestus zwischen geometrischen Mustern, Mosaikdekor, Rundbögen und Girlanden eine frühe christliche Ikonografie aufgreift, satte 520.000 Franken davon (Taxe 300.000 bis 500.000 SFR).

Mit den Objekten aus der Antike bis zum frühen 20. Jahrhundert konnte Koller eine hohe losbezogene Verkaufsrate von 86 Prozent sowie einen Bruttoerlös von knapp 3,4 Millionen Franken erzielen und bewies damit, dass bei realistischen Preisvorstellungen auch alte Möbel, Uhren, Porzellan- und Silberwaren oder Skulpturen ein lohnendes, wenn auch nicht mehr so einträgliches Handelsgut wie in früheren Jahrzehnten sind. Erfolgreich behauptete sich etwa eine spätgotische Holzfigur des Erzengel Michaels aus einer Villacher Werkstätte. Der dynamische Michael als Seelenwäger mit erhobenem Schwert wurde für 12.000 bis 18.000 Franken angeboten, jedoch übertraf er die Schätzungen mit 50.000 Franken bravourös. Ein bislang unbekanntes Segenskreuz in Mikroschnitzerei geht wohl auf den in Kreta geborenen, Mitte des 16. Jahrhunderts tätigen Künstler Georgios Laskaris zurück. In den Buchsbaum hat Laskaris insgesamt zwanzig kleine neutestamentliche Szenen geschnitzt, was bei Koller mit 22.000 Franken honoriert wurde (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR).

Möbel

Bei den Möbeln war die Nachfrage gemischt. Schwergewicht war ein Kabinettschränkchen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, das durch seine detailreichen Elfenbeinintarsien auf ebonisiertem Holz beeindruckte. Die süddeutsche Feinarbeit mit ihrer naturnahen Motivik samt höfischem Personal verfehlte die Wirkung nicht, was die Schätzung auf 60.000 Franken verdoppelte. Gut ließen sich zudem ein italienisches, wohl toskanisches Cassone-Paar des 16. Jahrhunderts in reichem Schnitzdekor bei 13.000 Franken (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR), zwei Genueser Torcheren mit grimmigen vergoldeten Delphinen als Schaft nach einer Idee Filippo Parodis um 1700 bei 22.000 Franken (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR) und Léonard Boudins zierliches Kommodenpaar um 1760 mit einer ausgesuchten Marketerie aus dichten Blumenzweigen wiederum bei 13.000 Franken an (Taxe 5.000 bis 8.000 SFR). An einer Kommode auf selber Stilhöhe, auf der Pierre Walter seine Blumen lockerer wachsen ließ, kann man den Preisverfall während der letzten Jahrzehnte gut studieren: Wurde sie bei Koller im Dezember 2012 noch für 40.000 Franken zugeschlagen, kostete sie jetzt nur noch taxkonforme 12.000 Franken.

Bei zwei deutschen Rokokokonsolen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts lief es nicht einmal so rosig, da sie mit 1.100 Franken respektive 2.200 Franken etwas unter ihren Möglichkeiten blieben. Ähnlich erging es einem frühklassizistischen Sekretär aus Rosenholz und Mahagoni, den Jean Caumont um 1780 mit verschiedenen Stillleben verziert hatte. Statt der anvisierten 3.000 bis 5.000 Franken trennte man sich bereits bei 2.700 Franken von dem Möbelstück. Für einen sogenannten „Mainzer Cantourgen“ von etwa 1760/70, ein Aufsatzsekretär, der durch die Auflösung aller geraden Linien und Umrisse und seinen Schwung paradigmatisch für das Rokoko steht, interessierte sich bei 25.000 bis 35.000 Franken niemand. Ein Fiasko gab es zudem bei verschiedenen Stuhlsets. Ein großes Ameublement aus Mahagoni, das wohl die Berner Werkstatt Christoph Hopfengärtners im Empirestil mit Adlerköpfen für die russische Großfürstin Anna Feodorowna entworfen hatte, ging leer aus (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR), ebenso das vergoldete Stuhlpaar mit Blättern, Rosetten und Flechtbändern von Georges Jacob um 1770 (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR). Zumindest ein weißgrau gefasster Fauteuil des Klassizismus, möglicherweise von Philippe-Joseph Pluvinet um 1760 mit Blumengirlanden und Fruchtkorb geschnitzt, wurde für 1.500 Franken abgenommen (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR).

Silber

Seinen Auftritt meisterte ein Deckelhumpen des Züricher Goldschmieds Hans Heinrich Müller mit Bravur. Der mit Band- und Blattwerk gestaltete konische Trinkbecher um 1642 wurde mit einer Summe von 5.000 bis 8.000 Franken unterschätzt: Ein Sammler ergatterte ihn letztendlich zu einem Spitzenpreis von 31.000 Franken. Wie ein glänzendes Sinnbild barocker Frömmigkeit erhebt sich eine Augsburger Strahlenmonstranz von 1698 mit ihrer fein ziselierten Silberarbeit und der bewegten, nahezu theatralischen Ornamentik. Auf einem rund ausgearbeiteten Fuß mit Medaillons der vier Evangelisten wächst der konische Schaft zu einem reich dekorierten Strahlenkranz empor, dessen Zentrum die herzförmige, verglaste Hostienkapsel bildet. Mit kleinen Putti, zwei großen Engelsfiguren samt Leidenswerkzeugen Christi sowie Darstellungen Mariens und Gottvaters verdichtete Hans Jakob Wild II die Monstranz zu einem kunstvollen Kosmos kirchlicher Bildsprache des späten 17. Jahrhunderts. 5.500 Franken waren jetzt sein Lohn (Taxe 1.000 bis 1.500 SFR).

Begeisterung rief gegen Ende der Versteigerung ein überladen ausgeführtes, österreichisch-ungarisches Schachbrett um 1900 hervor. Die motivreiche Gold- und Silberschmiedearbeit mit ihren nach mittelalterlichen Vorbildern gestalteten Spielfiguren, die zusätzlich mit polychromen Email-, Perlen- und Amethysteinlagen prächtig bestückt war, wurde mit einer Taxe von 3.000 bis 5.000 Franken von Koller deutlich unterschätzt, da besonders engagierte Bieter bis zu einer Endsumme von 20.000 Franken wetteiferten. Ein ähnliches Schicksal erlebte gleich anschließend ein russisches Teeservice des 6. Moskauer Artels aus dem zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Die siebzehn Teile mit stilisierten Blüten-, Wellen-, Spiralen- und Vogeldarstellungen in pastellfarbenem Cloisonné-Email, für das die Genossenschaft berühmt war, verzehnfachten ihren Wert auf 40.000 Franken.

Uhren

In Augsburg oder dem süddeutschen Umkreis lassen sich die charakteristischen Türmchenuhren des 17. Jahrhunderts verorten, von denen Koller zwei Stück im Programm hatte und erfolgreich bis zu 7.500 Franken über den Preisvorgaben absetzen konnte. Noch mehr erwirtschaftete eine kleine französische Tischuhr aus der Mitte des 16. Jahrhunderts in sechseckiger Turmform mit durchbrochener Kuppel als Abschluss für 24.000 Franken (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Gut lief es zudem für zwei wenige Jahrzehnte jüngere Taschenuhren mit emaillierten Gehäusen: das Pariser Exemplar, das wahrscheinlich von Claude de Beauvais stammte, war mit einer Heiligen Familie auf dem Deckel sowie einer Allegorie des Frühlings auf dem Boden bemalt und verdreifachte seine Schätzung auf 9.000 Franken; der Londoner Meister George Hamilton wählte für seine 6.500 Franken teure Uhr Landschaftsszenen und die Einschiffung von Theagenes und Charikleia nach einem Gemälde von Charles Poerson aus (Taxe 3.500 bis 5.000 SFR). Eine ansprechende barocke Kutschenuhr des Bautzener Meisters Johann Gottfried Kriedel aus der Zeit um 1730 platzierte sich bei 11.000 Franken am oberen Ende des vorgesehenen Preisrahmens.

Die Kaminpendule „à l’éléphant“ des Pariser Uhrmachers Jean-Baptiste Baillon, der um 1747/49 auf einen Elefanten mit erhobenem Rüssel aus einer bisher nicht identifizierten Pariser Meisterwerkstatt zurückgriff und sein weißes Emailziffernblatt, das von einem vergoldeten Bronzegehäuse mit sitzenden Affen gerahmt wird, auf den Rücken des Dickhäuters positionierte, wurde mit 45.000 Franken zum einem der Höhepunkte bei den Uhren (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR). Ebenfalls beliebt war die goldene und gelb emaillierte, eiförmige Uhr „au cercle tournant“, bei der sich der Züricher Juwelier Meister 1881 an der großen Tradition von Carl Fabergé orientiert hatte. Als Vorbild der einmaligen Replik von 1982 diente ihm das sogenannte „Madonna Lily Clock Egg“, das der Fabergé-Werkmeister Michail Perchin im Auftrag von Zar Nikolaus II. 1899 als Ostergeschenk für dessen Frau Alexandra Fjodorowna schuf. Hier kamen 85.000 Franken zusammen (Taxe 45.000 bis 60.000 SFR). Gegenteilig verlief die Auktion einer kleinen Tischpendulette mit exaltiertem Rokokogehäuse, in das um 1750 ein älteres Uhrwerk wohl von Pierre Margotin implementiert wurde. Das mit Rocaillen, Blattwerk und Muscheln verzierte Bronzeobjekt wechselte schon bei 3.600 Franken den Besitzer (Taxe 4.000 bis 7.000 SFR).

Keramik und Porzellan

Die Majolika fand insgesamt genügend Liebhaber für Wertsteigerungen. So kletterte ein Renaissance-Teller aus Urbino, der um 1540 im Istoriato-Stil mit der Liebeszene zwischen Mars und Venus, die aber schon in einem Netz gefangen sind und von Venus’ Ehemann Vulcanus unter dem Zeugenschaft der Götter entlarvt werden, bemalt wurde, von 1.000 Franken auf 5.500 Franken, eine Bildplatte mit einer vielfigurigen Kreuzigungsszene, die um 1550 eventuell in der Werkstatt Giacomo Mancinis in Deruta entstand, von 3.000 Franken auf 3.800 Franken und zwei sizilianische Albarelli des 17. Jahrhunderts aus Palermo, die in ihrem Wappen auf den Dominikanerorden Bezug nehmen, von 1.000 Franken auf 2.000 Franken. Trotz einer guten Abnahmequote hielt sich die Kundschaft bei den Porzellanwaren doch etwas zurück. So verharrten diverse Meißner Figuren wie der Kammerhusar Schindler oder das tanzende Bauernpaar schüchtern bei 7.500 Franken bzw. 3.200 Franken. Während die Darstellung eines Bauern oder das Schäferpaar unter einem Baum nach Modellen von Johann Joachim Kändler mit Nichtbeachtung gestraft wurden, reüssierte seine Figur eines agilen Vogelhändlers zur oberen Erwartung bei 7.000 Franken. Ein „King Charles Spaniel“ der Meißner Manufaktur aus der Mitte des 18. Jahrhunderts schnellte gar von 4.000 Franken auf 14.000 Franken.

Zwei frühe Meißner Teekannen mit Chinoiseriedekoren in der Art von Johann Gregorius Höroldt gingen schon bei jeweils 5.000 Franken weg (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR), ein achtzehnteiliges Tee- und Kaffeeservice um 1730/35 mit Kauffahrteiszenen, Landschaften und Mythologien in der Art Christian Friedrich Herolds dagegen zur oberen Schätzung von 15.000 Franken und eine balusterförmige Sakeflasche, die um 1711/15 nach japanischem Vorbild in schlichter Vierkantform mit schmalem Hals noch im unpolierten Böttgersteinzeug gefertigt wurde, erst zum Doppelten der Schätzung bei 12.000 Franken. Gesucht waren die meisten Positionen der Flora Danica-Kollektion von Royal Copenhagen den aus dem 20. Jahrhundert, etwa fünfzehn Suppenteller für 4.300 Franken (Taxe 4.000 bis 5.000 SFR), ebenfalls fünfzehn Speiseteller bei 7.000 Franken (Taxe 6.000 bis 7.000 SFR), siebzehn kleine Vorspeisenteller bei 5.500 Franken (Taxe 7.000 bis 8.000 SFR) oder der Gläserkühler für 3.300 Franken (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch

Startseite: www.kollerauktionen.com



29.06.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lara Schauer

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