Cao Feis digitale Welten in Basel  |  | in der Ausstellung „Cao Fei. Testimonies to the Near Future“ | |
„Testimonies to the Near Future“ ist die erste Einzelausstellung von Cao Fei in der Schweiz und ihre bisher größte Überblicksschau in Europa. Die 1978 in der südchinesischen Großstadt Guangzhou geborene Künstlerin gilt als Pionierin digitaler Welten, die mit ihren Werken eine Generation von Künstler*innen aus Asien und darüber hinaus beeinflusst hat. Nun verwandelt sie das Kunstmuseum Basel | Gegenwart in das Gesamtkunstwerk einer Stadt, in der immersive Installationen und Videowelten aus ihren letzten dreißig Schaffensjahren verschmelzen. Die Ausstellung versammelt zentrale Arbeiten, darunter die Werkgruppen „Whose Utopia“ von 2006, „RMB City“ seit 2007, „Asia One“ von 2018, „Nova“ seit 2019, „Oz“ von 2022 und die Serie „Hip Hop“, an der Cao Fei seit 2003 arbeitet.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzt sich Cao Fei in Videoarbeiten, digitalen Simulationen und Virtual-Reality-Projekten mit den Auswirkungen technologischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen auseinander. Ihre Werke bewegen sich zwischen Fabriklandschaften, urbanen Zukunftsszenarien und virtuellen Räumen und thematisieren Fragen von Identität, Arbeit, Erinnerung und Körperlichkeit in einer globalisierten Welt. Dabei verbindet Cao Fei eine kritische Auseinandersetzung mit Digitalisierung und Globalisierung stets mit einem offenen Blick auf die Möglichkeiten der Zukunft. Besonders bekannt ist die Künstlerin dafür, spekulative und surreale Elemente in oftmals beinahe dokumentarische Arbeiten einzubinden. Diesen Aspekt wollen die Kurator*innen Stephanie Seidel, Philipp Selzer und Alice Wilke innerhalb der Ausstellung unterstreichen, die sich über alle vier Ebenen des Museums erstreckt. Den Besuchern bietet sich ein Raumerlebnis, in dem Cao Feis Videoarbeiten immersiv erlebbar werden. So materialisieren sich Elemente aus den Videos im Ausstellungraum und lösen die Grenze zwischen physischem und virtuellem Raum weiter auf.
Im Erdgeschoss thematisiert eine stadtplanähnliche Umgebung mit Videos aus Fukuoka, Guangzhou, New York, Shanghai und Sydney, wie Kultur weltweit exportiert und in verschiedenen städtischen Kontexten neu interpretiert wird. Im ersten Obergeschoss werden die Besucher*innen an die Industrien herangeführt, die Chinas Wirtschaftswachstum vorantreiben, indem Cao Fei die wirtschaftlichen Systeme in eine architektonische Umgebung übertragen hat, die von Lieferfahrzeugen und Lagereinrichtungen geprägt ist. Im zweiten Obergeschoss verfolgen die Zuschauer Cao Feis Avatar durch „Duotopia“, ihrer ersten digitalen architektonischen Konstruktion im Metaversum. Die letzte Ausstellungsebene zeigt die Tochter der Künstlerin in „Isle of Instability“, wie sie versucht, die Monotonie und Langeweile der Pandemie in einem fantasievollen Spiel zu vergessen: auf einer „Insel“, die aus einem Fernseher mit weißem Strand und blauen Wellen besteht, schafft sie mit wenigen Spielzeugen und Alltagsgegenständen ihre eigene Welt. Auf dieser Etage lädt das Kuratorenteam ferner dazu ein, Cao Feis künstlerisches Schaffen aus einer anderen Perspektive zu betrachten, indem frühe Videoarbeiten sowie Interviews und Archivaufnahmen die Entwicklung der Künstlerin näher beleuchten.
Im Rahmen der Ausstellung erscheint außerdem ein Künstlerinnenbuch in Zusammenarbeit mit der preisgekröntem chinesischen Science-Fiction-Autorin Regina Kanyu Wang und dem chinesischen Künstler YuFei. Wang antwortet auf ausgewählte Werke der Ausstellung in Form einer fiktionalen Erzählung mit Cao Feis Avatar „China Tracy“ als Protagonistin, wobei Cao Feis Arbeiten als Kulisse dienen. Der Text wird durch Zeichnungen von YuFei ergänzt, die sich direkt auf die Erzählung beziehen und auf Elemente aus der chinesischen Comic-Kultur sowie der chinesischen Malerei zurückgreifen. Der Dialog zwischen Text und Zeichnungen wird schließlich von einigen Standbildern und Fotografien von Cao Fei ergänzt.
Die Ausstellung „Cao Fei. Testimonies to the Near Future“ läuft bis zum 11. Oktober. Das Kunstmuseum Basel hat an seinem Standort Gegenwart dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet regulär 30 Franken, ermäßigt 20 Franken, für Studierende sowie für Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren 12 Franken.
Kunstmuseum Basel | Gegenwart
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