Julio Le Parc gestorben  |  | Julio Le Parc ist mit 97 Jahren in Paris verstorben | |
Julio Le Parc ist tot. Der argentinisch-französische Künstler, der rund sieben Jahrzehnte hinweg die Entwicklung der kinetischen, lichtbasierten und optischen Kunst prägte, starb am vergangenen Samstag in Paris. Er wurde 97 Jahre alt. Geboren 1928 in Palmira in der argentinischen Provinz Mendoza, ging er nach seinem Studium an der Escuela de Bellas Artes de Buenos Aires 1958 nach Paris und arbeitete dort zunächst im Atelier von Victor Vasarely. Als Mitbegründer der Groupe de Recherche d’Art Visuel GRAV im Jahr 1960 gehörte er mit seinen Kollegen François Morellet, Horacio Garcia Rossi, Francisco Sobrino, Joël Stein und Yvaral zu den Schlüsselfiguren der internationalen Avantgarde und stellte Licht, Bewegung und Wahrnehmung in den Mittelpunkt seines Schaffens. Seine Lichtwerke, Grafiken und Malereien weisen den Betrachter*innen eine aktive Rolle im künstlerischen Erlebnis zu, womit er das traditionelle Verständnis eines Kunstwerks als Objekt hinterfragte.
Dafür nutzte Julio Le Parc Zerrspiegel, Reflektoren, Linsen oder gemustertes Glas, die er zu geometrische Installationen ausbaute und damit dynamische Effekte erzeugte, die Bewegung und Momente der Unvorhersehbarkeit einfangen sollten. Vor allem Licht verwandelte er in ein lebendiges Material und schuf mit spiegelnden Oberflächen, beweglichen Elementen und farbige Projektionen immersive Räume, die nicht betrachtet, sondern erlebt werden wollten. Dabei war seine Kunst demokratisch gedacht und hatte oft einen politisch-aktivistischen Anspruch: Nicht das Werk allein stand im Zentrum, sondern die Begegnung zwischen Werk, Publikum und Gesellschaft.
Internationale Anerkennung erhielt Julio Le Parc als Teil von GRAV 1964 durch seine Teilnahme an der Documenta III in Kassel in der legendären Abteilung „Licht und Bewegung“ und als Einzelkünstler bei der Documenta 4 im Jahr 1968. Mit dem Großen Preis für Malerei der Biennale von Venedig wurde er 1966 ausgezeichnet. Während ab den 1990er Jahren die Aufmerksamkeit auf sein Schaffen nachließ, wurden ihm in der vergangenen Dekade wieder vermehrt Einzelausstellungen gewidmet, etwa 2013 im Palais de Tokyo in Paris, 2018 im Metropolitan Museum of Art in New York, 2019 im Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires oder 2022 in den Krefelder Kunstmuseen. Ab dem 11. Juni zeigt die Tate Modern in London sein Schaffen unter dem Titel „Julio Le Parc – Light. Colour. Action.“ |